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Atomkraft in Litauen


AKWs in EUROPA auf einer größeren Karte anzeigen

Atomenergienutzung

In Litauen lief eines der gefährlichsten AKWs Europas. Der Reaktorblock in Ignalina war vom selben Typ wie der Unfallreaktor von Tschernobyl. Eigentlich waren 4 Blöcke geplant, aber durch öffentliche Proteste konnten die Blöcke 3 und 4 verhindert werden. 1993 wurde der Abbau der teilweise errichteten Blöcke beschlossen. Ignalina lieferte 72 Prozent der Stromproduktion des Landes. Im Frühjahr 2005 wurde der vorletzte Block abgeschaltet, im Jahre 2009 ging der letzte vom Netz. Mit einem Referendum wollte Litauen erreichen, dass die Abschaltung erst 2015 erfolgen muss, bis ein neues Kernkraftwerk in Ignalina gebaut wurde. Das Referendum scheiterte zwar, da die Beteiligung nur bei 48 Prozent lag. Allerdings stimmten rund 90 Prozent der Beteiligten für eine Laufzeitverlängerung.

Atompolitische Debatte

Die fertig gestellten sowie zwei weitere geplante Reaktorblöcke waren ursprünglich Teil eines Plans der UdSSR zur Produktion nicht nur von Strom, sondern auch von Plutonium für den Atombombenbau. Über den Baubeginn von Block 3 ging die Verwirklichung nie hinaus.

Wegen der extremen Gefährlichkeit setzte sich die EU für eine Abschaltung beider Reaktoren ein. In diesem Kontext wurde Litauen 1994 ein Kredit über 35 Mio € für kurzfristige Sicherheitsnachrüstungen gewährt. Im Gegenzug wurde das Ende des Blocks 1 für 1998 festgeschrieben, dann aber hinausgezögert. Für die auf insgesamt rund 2,6 Milliarden € geschätzten Schließungskosten will die EU Gelder aus dem EURATOM-Vertrag bereitstellen.

Ein Ende der Atomwirtschaft Litauens bedeutet die Schließung indes nicht - im Gegenteil: Pläne zur Errichtung eines neuen AKWs am selben Standort liegen bereits vor. Am 8. März 2006 haben Litauen, Lettland und Estland ein Memorandum über die Planungen zum Bau eines neuen Atomreaktors unterzeichnet. Dieser soll das Atomkraftwerk Ignalina ersetzen, und die baltischen Länder von russischen Stromlieferungen unabhängiger machen. Dem lettischen Premierminister Aigars Kalvitis zufolge ist für das Baltikum Energiesicherheit und Unabhängigkeit sehr wichtig, weil Russland Energie als politisches Instrument einsetzen kann. Im Februar 2007 wurde unter Erweiterung der Ländergruppe um Polen beschlossen, ein neues AKW zu bauen. Das Kraftwerk soll eine Kapazität von 3.200 Megawatt haben. Es soll zwei 1.600 Megawatt starke Reaktoren haben. Das Kraftwerk soll zu 34 Prozent Eigentum von Litauen sein und jeweils 22 Prozent gehören Lettland, Estland und Polen. Bis 2015 soll mindestens ein Block am Netz sein. Seit 2007 läuft eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die in 2009 abgeschlossen sein soll. Ab 2015 sollen auch weitere Hochspannungstrassen verlegt werden, um auch den erzeugten Strom von Litauen nach Schweden und Polen exportieren zu können.

Im Mai 2008 bildete die Regierung die „Lithuanian Energy Organisation (LEO)“ für den Bau des neuen AKWs. Es scheint aber durchaus Uneinigkeit im Länderkonsortium über die Baupläne zu geben: so schlug im Januar 2009 vor, mit dem Bau nur eines Reaktors zu beginnen, woraufhin Estland ankündigte, auch über den Bau eines eigenen Reaktors nachzudenken.

Anti-Atom-Proteste

Nach dem Super-GAU von Tschernobyl und im Zuge der politischen Wende verhinderten Anti-Atom-Proteste den weiteren Ausbau des Standortes und stoppten den Weiterbau von Block 3. Aus Sorge um schwindende Energiesicherheit und verstärkte Abhängigkeit von Russland wächst aber die Zustimmung zur Atomkraft auch in Litauen.

Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 72 Prozent.

Standort Ignalina

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 RBMK 1500
1185 MW
12/1983;
12/2004 stillgelegt
Block 2 RBMK 1500
1185 MW
08/1987;
12/2009 stillgelegt

Störfälle (Auswahl): 2010 bei den Rückbauarbeiten treten 300 Tonnen radioaktiver Schlamm aus, Arbeiter vergraben ihn auf dem Gelände des stillgelegten AKW

Links

Atomaufsichtsbehörde Litauen

 

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letztes Update: 22.07.2011 11:13
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