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Atomkraft in den Niederlanden
AKWs in EUROPA auf einer größeren Karte anzeigen
Atomenergienutzung
In den Niederlanden läuft noch einer von ehemals zwei Atomreaktoren. Dieser liefert knapp vier Prozent der Stromproduktion des Landes.
Atompolitische Debatte
In den Niederlanden war die Debatte von einer weitgehenden Ablehnung der Atomenergienutzung geprägt. So sprachen sich in einer Umfrage im Jahr 2004 80 Prozent der NiederländerInnen gegen die Atomkraft aus. Schon 1994 wurden Subventionen für die Atomforschung gestrichen, 1996 beschloss das niederländische Parlament mit knapper Mehrheit den Ausstieg. 1997 ging das AKW Dodewaard vom Netz. Die für 2004 geplante Abschaltung des zweiten Standorts hingegen wurde durch eine erfolgreiche Klage verhindert: Ein skurriler Gerichtsbeschluss garantiert seither die volle Lizenzlaufzeit. Da eine solche Laufzeitbegrenzung allerdings gar nicht besteht, peilte ein Regierungsbeschluss die Abschaltung im Jahr 2013 an. Aber auch dessen rechtliche Bindung ist unklar.
Im Februar 2006 vollzog die niederländische Regierung eine drastische Kehrtwende: nicht nur will die Regierung das letzte Atomkraftwerk der Niederlande in Borssele plötzlich nicht mehr schließen, sondern spricht sich dafür aus, das Atomkraftwerk in Borssele nicht wie vorgesehen im Jahr 2013 zu schließen, Borssele bis 2033/34zu nutzen. Damit einher ging der Beschluß, dass Essent und Delta, die beiden Eigentümer, zusammen mit der Regierung fünfhundert Millionen Euro in erneuerbare Energien investieren sollen. Dieser Geldbetrag sollte ursprünglich den Besitzern des AKW als Schadenersatz gezahlt werden.
Ein möglicher neuer Reaktor muß nach Rechtslage ein sogenannter Generation III Reaktor sein, also ein Reaktor der neuesten Generation. Bevor ein neuer Reaktor in Betrieb geht und nicht später als 2016 muß eine Entscheidung über die Abfallstrategie für hochradioaktiven Abfall beschlossen werden. Im März 2008 empfahl der Sozial- und Wirtschaftsausschuß der niederländischen Regierung in zwei Jahren und im Zusammenhang mit der Überarbeitung der Klimastrategie über den Ausbau der Atomkraft zu diskutieren und entscheiden. Im September 2008 kündigte der Energiekonzern Delta, der 50% am AKW Borssele hält, den Bau eines zweiten Reaktors am Standort Borssele an (1000-1600 Mwe). Im Januar kaufte sich der deutsche Energieriese RWE beim niederländischen Konzern Essent für 8.2 Milliarden Euro ein und kündigte ebenfalls an, einen neuen Reaktor bauen zu wollen. Allerdings gibt es kartellrechtliche Bedenken gegen den Eigentümer RWE, daher ist die weitere Entwicklung derzeit nicht absehbar.
Auf politischer Ebene weiterhin antinuklear eingestellt sind die linken Parteien (Sozialdemokraten und Sozialisten) sowie die Grünen und die Tierschutzparteil Auf der Seite der Atombefürworter finden sich die konservativen Parteien. Eine ganze Reihe von Antiatom-Organisationen rüset sich für die kommende Auseinandersetzung um Laufzeitverlängerung und Neubau, darunter Friends of the Earth Netherlands, Greenpeace, Natuur en Milieu, WISE und LAKA, unterstützt von wissenschaftlicher Seite durch das Clean Energy Centre in Delft und auch Medien wie das populäre Programme Vroege Vogels (Early Birds).
Urananreicherung:
Die Urenco Gruppe mit Hauptsitz in den Niederlanden beschäftigt sich mit der Uran-Anreicherung und der Produktion von Urananreicherungsanlagen. Am Standort Almelo in den Niederlanden betreibt Urenco Urananreicherung und produziert Zentrifugenanlagen zur Urananreicherung. 2007 geriet die Firma öffentlich in die Kritik, da ein Beitrag der ZDF-Sendung Frontal21 berichtete, dass das Unternehmen abgereichertes UF6 nach Russland zur Wiederaufbereitung verbringe, ohne sich um die dort vorherrschenden, mangelhaften Sicherheitszustände und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken für die russischen Arbeiter zu kümmern.
Anti-Atom-Proteste
Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre gab es eine starke Bewegung gegen die Nutzung der Atomenergie. Es gab Kampagnen gegen die Erweiterung der Uranium-Anreicherungsanlage Urenco in Almelo, Demonstrationen gegen das AKW Borssele und gegen den Transport von Atommüll. Viele Proteste richteten sich auch gegen das Versenken von radioaktivem Müll im Atlantik - eine Praxis, die erst 1982 verboten wurde. AtomgegnerInnen gelang es 1976 und 1987, den Bau von zwei Atommülllagern zu verhindern. Nach intensiven politischen Diskussionen über Energiepolitik wurden die Pläne, neue AKWs zu bauen, vor allem nach der Katastrophe von Tschernobyl, vorerst ad acta gelegt.
Atommüll
In den 70er Jahren entschieden sich die Niederlande für die Wiederaufbereitung der abgebrannten Brennstäbe von Dodewaard in Sellafield, die der Brennstäbe von AKW Borssele in La Hague. 1984 fiel die Entscheidung für ein Langzeit-Zwischenlager (100 Jahre) für den gesamten radioaktvien Abfall und die Untersuchung endgültiger Lösungen. Dies führte zur Gründung der Central Organization for Radioactive Waste (COVRA) in Borssele. Ebenfalls in Borssele wurde dann 1992 ein Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall geschaffen. 2001 kam eine Studie des Committee on Radioactive Waste Disposal (CORA) zum Schluß, dass eine geologische Tiefenlagerung an mehreren Stellen in den Niederlanden möglich ist. 2006 wurde festgelegt, dass eine endgültige Entscheidung bis 2016 erfolgen muß. Der zweite, kleinere Reaktor am Standort Dodewaard wurde 1997 stillgelegt und wird derzeit rückgebaut.
Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt knapp vier Prozent.
Standort Borssele
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
482 MW |
07/1973 |
Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre
Standort Dodewaard
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Siedewasserreaktor |
57 MW |
10/1968; 03/1997 stillgelegt |
Links
Friends of the Earth Netherlands
LAKA Documentation and Research Center on Nuclear
Hier geht's zur interaktiven AKW-Europakarte
Weitere Atomkraftwerke














