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Atomkraft in Schweden
Atomenergienutzung
In Schweden sind derzeit noch zehn Reaktoren an vier Standorten in Betrieb und liefern 42 Prozent der gesamten Stromproduktion. Die meisten sind Siedewasserreaktoren aus den 1970/80er Jahren. Nach der Abschaltung des AKW Barsebäck wurde die Energieproduktion der verbliebenen Kernkraftwerke beträchtlich erhöht, um die Verluste zu kompensieren.
Atompolitische Debatte
Nach erheblichen Anti-Atom-Protesten begrenzte ein Volksentscheid 1980 die Zahl der Reaktoren auf zwölf und die Atomenergienutzung auf rund 30 Jahre. Diese Option setzte sich äußerst knapp gegen eine schnellere Ausstiegsoption durch. In der Folge wurde dieses rechtlich unverbindliche Ergebnis jedoch vom schwedischen Reichstag aufgeweicht, dessen atompolitische Haltung schwankend ist.
Einen Parlamentsbeschluss zur Schließung von Block 1 des AKW Barsebäck durchkreuzte die Betreibergesellschaft mit der Vervierfachung der ohnehin hohen Abfindungsforderung. Im Gerichtsstreit konnte sie das AKW zunächst weiterbetreiben, bis das ablehnende Urteil schließlich die Abschaltung Ende 1999 ermöglichte. Im Mai 2005 erreichten die mehr als 20-jährigen Bemühungen mit der Abschaltung des zweiten Blocks in Barsebäck ihr Ziel.
Im Februar 2006 verkündete Schweden, dass es als erstes westeuropäisches Land seine Abhängigkeit von Erdöl beenden will. In 15 Jahren sollen Biotreibstoffe und erneuerbare Energien fossile Brennstoffe ablösen. Die Vorbereitung des neun Millionen Einwohner Staates auf die gänzlich neue Energiepolitik wird von einem Komitee bestehend aus Industrieexperten, Akademikern, Bauern, Autoherstellern, Zivildienern und anderen Personen durchgeführt. Noch 2006 werden die Mitglieder den ersten Bericht im Parlament vorlegen. Die Gründe für Schwedens Umstieg auf erneuerbare Energien ergeben sich aus der Notwendigkeit heraus einer eventuellen Wirtschaftskrise wegen extrem hoher Rohölpreise entgegenzuwirken.
Mit dem Regierungswechsel geriet auch der Atomausstieg ins Wanken. Eine Umfrage im Juni 2008 ergab dass 40 Prozent der Schweden Neubauplänen zustimmen würden, wohingegen 42 Prozent lediglich den Betrieb der derzeitigen Anlagen befürworten, nicht aber einen Neubau weiterer Anlagen. Am 5. Februar 2009 wurde bekannt, dass Schwedens Regierung das seit 30 Jahren bestehende Verbot für den Neubau von Kernkraftwerken aufheben wird. An den bestehenden Reaktorstandorten sollen neue, auch leistungsstärkere Reaktoren als Ersatz für abgeschaltete Reaktoren gebaut werden dürfen. Neubauten sollen ohne staatliche Subventionen rein privat finanziert und betrieben werden.
Gleichzeitig will die Regierung auch massiv auf den Ausbau von Windkraft und anderen erneuerbaren Energien setzen. Sie sollen bis 2020 rund 50 Prozent von Schwedens Energieerzeugung ausmachen und zur Reduzierung der Emission von Treibhausgasen um 40 Prozent bis 2020 beitragen. Mit diesem Kompromiss konnte die Zustimmung der traditionell antiatomar ausgerichteten Zentrumspartei erwirkt werden.
Anti-Atom-Proteste
In den 1980er Jahren nahm ein entschiedener Widerstand in Schweden erheblichen Einfluss auf die Atompolitik und führte insbesondere zum bereits genannten Referendum. Die Abschaltung des grenznahen Reaktors Barsebäck 2 gilt als ein großer Erfolg der schwedischen und dänischen Anti-AKW-Bewegung.
Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 42 Prozent.
Standort Barsebäck
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Siedewasserreaktor |
600 MW |
05/1975; 11/1999 stillgelegt |
| Block 2 | Siedewasserreaktor | 600 MW |
03/1977; 05/2005 stillgelegt |
Standort Forsmark
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Siedewasserreaktor | 987 MW |
06/1980 |
| Block 2 | Siedewasserreaktor | 1000 MW |
01/1981 |
| Block 3 | Siedewasserreaktor | 1170 MW |
03/1985 |
Block 1, 2: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre
Störfälle (Auswahl): 2006 kommt es zu einem Kurzschluss in einem Umspannwerk außerhalb der Anlage, zwei von vier Notstromgeneratoren versagen, sie können ca. sieben Minuten vor dem vollständigen Kontrollverlust gerade noch gestartet werden.
Standort Oskarshamn
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Siedewasserreaktor | 473 MW |
08/1971 |
| Block 2 | Siedewasserreaktor | 590 MW |
10/1974 |
| Block 3 | Siedewasserreaktor | 1152 MW |
03/1985 |
Block 1, 2: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre
Störfälle (Auswahl): 1995 - Riss in der Hülle des Kernmantels wird bemerkt, der Kernmantel muss ausgetauscht werden (dieser Defekt hätte eine Schnellabschaltung des Reaktors unmöglich gemacht).
Standort Ringhals
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Siedewasserreaktor | 856 MW |
10/1974 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor | 867 MW |
08/1974 |
| Block 3 | Druckwasserreaktor | 985 MW |
09/1980 |
| Block 4 | Druckwasserreaktor | 936 MW |
06/1982 |
Block 1, 2, 3: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre
Standort Ågesta
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | PHWR |
10 MW |
05/1964; 06/1974 stillgelegt |
Links
Nukleare Aufsichtsbehörde in Schweden
Swedish Anti-Nuclear Mouvment (Atomkraft - nej tack)
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