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Atombroschüre

Wissen zu Atomkraft

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Atomkraft in der Schweiz


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Nach Beginn der Reaktorkatastrophen von Fukushima beschloss die Schweiz, keine neuen Atomkraftwerke zu bauen. Die bestehenden Anlagen sollen bei Erreichen eines Betriebsalters von 50 Jahren, also bis 2034 abgeschaltet werden, was in Hinblick auf die technische Ausstattung (z. B. Mühleberg ist ein Fukushima-1 baugleicher Reaktor in einem von Hochwasser bedrohten Flusstal nahe Bern) und das Alter von 4 der 5 laufenden Reaktoren von Umweltschutzorganisationen als viel zu spät beurteilt wird.

Atomenergienutzung

In der Schweiz sind derzeit fünf Atomreaktoren an vier Standorten in Betrieb, darunter auch zwei Siedewasserreaktoren, die als besonders unsicher gelten. Die Anlagen stammen teilweise aus den 1970er Jahren und haben einen Anteil von rund 40 Prozent an der schweizerischen Stromproduktion. Um das Jahr 2020 müssen die veralteten Atomkraftwerke Mühleberg und Beznau 1 und 2 abgeschaltet werden.

Atommüll

Die Schweiz hat seit Juni 1999 ein neues Gesetz zur Entsorgung radioaktiver Abfälle. Es hält fest, dass der Erzeuger radioaktiver Abfälle für die dauernde, sichere Entsorgung und Endlagerung bzw. Beseitigung verantwortlich ist.

In der Schweiz ist die nationale Gesellschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), für die Atommüllfrage zuständig. Die Nagra ist von den Verursachern radioaktiver Abfälle beauftragt, Lösungen für die Lagerung des Atommülls zu erarbeiten und zu realisieren. Seit 2001 werden verbrauchte Brennelemente und sonstige radioaktive Abfälle sukzessive ins Zwischenlager in Würenlingen überführt. In Benken ist ein Lager für hochradioaktiven Abfall geplant. Kritisiert wird von Atomgegnern, dass die Entscheidung für das Wirtsgestein Opalinuston nicht nachvollziehbar ist, nachdem jahrelang eine Endlagerung in Granitgestein favorisiert wurde. Außerdem sei die Tonschicht sehr dünn und die Folgen von Wärmeentwicklung auf das Gestein nicht ausreichend untersucht.

Atompolitische Debatte

In der schweizerischen Debatte wurde schon ab den 1950er Jahren die Ächtung von Atomwaffen thematisiert. Die Kontroverse um die ‚friedliche Nutzung’ der Atomenergie kam dann in den 1970ern auf und zieht sich bis in die Gegenwart.

1988 wurden angesichts massiven Widerstandes gegen neue Atomkraftwerke die AKW-Projekte Graben und Kaiseraugst zu den Akten gelegt, 1990 wurde in einer Volksabstimmung ein Moratorium für einen zehnjährigen AKW-Baustopp angenommen, die Atom-Ausstiegsinitiative wird aber verworfen. 1998 sprach sich der Schweizer Bundesrat dann grundsätzlich für einen «geordneten Rückzug aus der Kernenergie» aus. Im Jahr 2000, zum Ende des zehnjährigen AKW-Moratoriums, gibt das Inkrafttreten des CO2-Gesetzes (Senkung des Treibhausgas-Ausstosses bis 2010 um 10 Prozent) den Atomkraft-Befürwortern neuen Auftrieb. In der Folge werden die Antiatominitiativen «Strom ohne Atom» (für einen Atom-Ausstieg) und «Moratorium Plus» (für ein weiteres zehnjähriges AKW-Moratorium) bei Abstimmungen abgelehnt. 2005 tritt ein revidiertes Kernenergiegesetz in Kraft, das die Option Kernenergie offen hält, neue AKW aber einem fakultativen Referendum unterstellt. Seit 2005 trommelt die Schweizer Atomlobby mit Verweis auf eine angebliche Versorgungslücke für neue AKW. 2007 beschließt der Bundesrat, die bestehenden Kernkraftwerke zu ersetzen oder durch Neubauten zu ergänzen. Als Übergangslösung sollen Gaskombikraftwerke gebaut werden, die ihren CO2-Ausstoss gänzlich kompensieren müssen. 2007 gibt der Energiekonzern Axpo Pläne für zwei neue Atomkraftwerke bekannt, die die jetzigen AKW in Beznau und Mühleberg ersetzen sollen und im Juni 2008 reicht der Energiekonzern Atel beim Bundesamt für Energie ein Rahmenbewilligungsgesuch für ein neues AKW im solothurnischen Niederamt ein.

Mit gewaltfreien Blockaden und Geländebesetzungen gegen einen AKW-Bau in Kaiseraugst konnte die schweizerische Anti-Atombewegung 1975 ihren ersten Erfolg feiern – der Bau wurde eingestellt. Proteste gab es speziell auch gegen das seit 1969/71 laufende AKW Beznau, nachdem 1999 ein Leck in Block 2 entdeckt, dieser aber nur kurz abgeschaltet worden war. Auch gegen die Brennelementtransporte in die Wiederaufarbeitung gab es immer wieder Demonstrationen und Blockaden. Gegen den Neubau von AKW gründete sich 2007 die „Allianz Nein zu neuen AKW“ unter Federführung von Greenpeace Schweiz. Regelmässig findet ein Forum für die Koordination der Förderung erneuerbarer Energien und des Widerstandes gegen Atomenergie statt. Als Zeithorizont gilt die Referendumsabstimmung gegen den Bau von neuen Atomkraftwerken, die voraussichtlich 2012 stattfinden wird. Auch lokal gibt es Gegenströmungen: Die Stadt Zürich verankert Ende 2008 als erste Schweizer Gemeinde den langfristigen Ausstieg aus dem Atomstrom und die Reduktion der CO2-Emissionen in ihrer Verfassung.

Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt rund 40 Prozent.

Standort Beznau

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor
365 MW
07/1969
Block 2 Druckwasserreaktor 365 MW
10/1971

Alle Blöcke: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl): 1992 sterben nach dem Austritt des Edelgases Argon zwei Arbeiter.

Standort Leibstadt

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor
1165 MW
05/1984

Störfälle (Auswahl): 1990 - Ausfall der Sicherheitsvorkehrungen: Die Schnellabschaltung funktioniert nicht, durch die Steuerstäbe kann der Reaktor noch langsam herunter gefahren werden.

2010 - Ein Taucher wird bei Revisionsarbeiten stark an der Hand verstrahlt.

Forderung von GLOBAL 2000: Abschaltplan bis 2020

Standort Gösgen

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor
970 MW
02/1979

Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Standort Mühleberg

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor
355 MW
07/1971

Hochrisikoreaktor, GE Mark I (Fukushima-Typ)

Störfälle (Auswahl): 1971, kurz nach Betriebsbeginn, Brand im Maschinenraum, mehrere Sicherheitssysteme fallen aus, erst nach Stunden gelingt es, den Reaktor kontrolliert herunterzufahren.

1990 wurden Risse im Kernmantel entdeckt, die Risse einer Schweißnaht gehen bis zu 90 Prozent der Wandstärke. Drei weitere Schweißnähte haben Risse, die stetig wachsen. Aufgrund eines Designfehlers könnten bei Überflutung alle Pumpen dieses Kraftwerks ausfallen, eine Kernschmelze wie in Fukushima wäre dann kaum noch vermeidbar.

Forderung von GLOBAL 2000: Sofort abschlalten

Standort Lucens CNL

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor
(schweres WasseR)
8 MW
01/1968;
01/1969 partielle Kernschmelze

Störfälle (Auswahl): 1969 kommt es nach Wassereintritt zu einer partiellen Kernschmelze und zum Austritt von radioaktiven Gasen aus dem in einem Bergstollen gelegenen Reaktor. Der Störfall gilt als der achtschwerste Reaktorunfall der Geschichte.

Pannen und Störfälle: In den schweizer AKWs kam es 2010 zu 42 meldepflichtigen Ereignissen (Quelle: Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat).

Links

Aufsichtsbehörde für die nukleare Sicherheit der schweizerischen Kernanlagen

Nationale Gesellschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle

Hier geht's zur interaktiven AKW-Europakarte

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letztes Update: 26.07.2011 10:57
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