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Atomkraft in Spanien
Atomenergienutzung
In den acht Atom-Reaktoren Spaniens werden 17 Prozent des Gesamtstroms produziert (2008). Überwiegend handelt es sich um Druckwasserreaktoren aus den 1980er Jahren. Daneben werden in Spanien Uranabbau sowie eine Brennelementefabrik betrieben.
Uranabbau
Spanien hat im Jahr 2000 seine Uranminen stillgelegt und inzwischen mit dem Rückbau begonnen. Laut Angaben des österreichischen Ökologie-Instituts betreiben in den letzten Jahren einige Unternehmen wiederum Exploration in Spanien in den früheren Uran-Bergbaugebieten (Santidad, Barquilla) sowie in der Region Estremadura. Die beteiligten Unternehmen sind WildHorse, Berkeley Resources and AREVA.
Atommüll
Schwach und mittelradioaktiver Abfall wird in El Cabril, nahe Cordoba, gelagert. Auch in Spanien gibt es aber weiterhin kein Endlager für hochradioaktiven Atommüll, es gibt noch nicht einmal einen klaren Plan, wie die Endlagerung aussehen soll, bzw. welche Standorte möglich wären. 2008 mahnte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA Spanien, in der Endlagerfrage eine Lösung zu finden. Verständlich, haben doch die spanischen AKW kaum noch Zwischenlagermöglichkeiten an den jeweiligen Standorten. 2010 wird sich die Situation verschärfen, denn dann Atommüll aus Frankreich zurückgeschafft wird, der aus dem Atomkraftwerk Vandellòs stammte.
Störfalle
Immer öfter kracht es in spanischen Atomkraftwerken. Denn die Reaktoren sind alt und werden immer älter. Gleichzeitig wird bei der Wartung gespart und die spanische Atomaufsichtsbehörde kommt ihren Aufgaben oft verspätet und ungenügend nach. Besonders schwerwiegend war ein Störfall, der sich am 26. November 2007 im AKW Asco 1 ereignete. Durch Fehlbedienung wurden in der Periode des Brennelementewechsels etwa 50 Liter hoch kontaminiertes Wasser und Schlamm in das Notbelüftungssystem geleitet. Aufgrund eines weiteren Fehlers am 29. November gelangte dieses Material über das normale Lüftungssystem in Umgebung und Atmosphäre. Der Betreiber hat den Zwischenfall erst verschwiegen und dann als unerheblich bezeichnet. Erst im April 2008 und nach Recherchen von Greenpeace bestätigte die spanische Atomaufsicht CSN, dass der Betreiber Endesa falsche Angaben gemacht hatte. Eine Überprüfung durch CSN-Inspektoren hatte ergeben, dass mehr als 300-mal mehr Radioaktivität ausgetreten war als gemeldet: bis zu 84,95 Millionen Becquerel statt 235.000. AKW-MitarbeiterInnen und Besuchergruppen waren wissentlich der gesundheitlichen Gefährdung durch Radioaktivität ausgesetzt worden.
Atompolitische Debatte
Während des Franco-Regimes waren der Bau von bis zu 43 AKWs sowie der Ausbau der Plutoniumwirtschaft für den Bau von Atombomben vorgesehen. Dieses irrwitzige Programm wurde zum Glück nie verwirklicht.
1983 kam es zu einem Atomkraft-Moratoriums, dennoch wurden mehrere AKWs fertig gestellt. 1984 aber wurde der Bau für fünf Meiler eingefroren und 1994 schließlich definitiv eingestellt. Auch bei zentralen Sicherheitsinvestitionen, die nach einem Atomunfall im AKW Vandellós nötig erschienen, zeigte die Regierung eine eher atomkritische Haltung: die Kosten seien nicht von den Steuerzahlern, sondern von den Betreibern aufzubringen. Diese lehnten ab und schlossen Vandellós 1, der erste stillgelegte Reaktor Spaniens.
Auf EU Ebene setzte sich aber die ehemalige EU-Kommissarin Loyola de Palacio weiterhin entschieden für die Atomkraft ein. Nach dem Wechsel in der Regierung kündigte die neue sozialistische Regierung 2004 den Ausstieg aus der Atomkraft an. Wie ernst es der Regierung mit einem Ausstieg ist und wie schnell dieser verwirklicht werden wird, könnte sich bereits 2009 und 2010 zeigen: Entscheidung über Laufzeitverlängerungen für sieben der spanischen AKW stehen an. Umweltgruppen weisen verstärkt darauf hin, dass Spanien Erzeugungskapazitäten von rund 67.000 MW hat, während selbst zu Spitzenzeiten nur rund 35.000 MW benötigt werden. Bereits heute liegt der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix mit rund 30 Prozent deutlich höher als Atomkraft.
Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 17 Prozent.
Standort Almaraz
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
944 MW |
05/1981 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor |
956 MW |
10/1983 |
Standort Ascó
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
995 MW |
08/1983 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor |
997 MW |
10/1985 |
Störfälle (Auswahl): 2007 gelangen radioaktive Partikel in die Umwelt, dies wird erst zu Beginn 2008 gemeldet.
2009 wird festgestellt, dass zwei Notstromgeneratoren wegen eines fehlerhaften Bauteils nicht einsatzbereit sind.
Standort Cofrentes
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Siedewasserreaktor |
1064 MW |
10/1984 |
Hochrisikoreaktor, Erdbebengebiet
Standort Cabrera (Zorita)
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
141 MW |
08/1969; 04/2006 stillgelegt |
Standort Lemoniz
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
900MW |
verschoben |
| Block 2 | Druckwasserreaktor |
900 MW |
verschoben |
Standort Regadola
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
1000 MW |
storniert |
Standort Santa Maria de Garona
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Siedewasserreaktor |
446 MW |
03/1971 |
Hochrisikoreaktor, GE Mark I (Fukushima-Typ)
Standort Trillo
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
1003 MW |
05/1988 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor |
1021 MW |
verschoben |
Standort Valdecaballeros
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Siedewasserreaktor |
975 MW |
storniert |
| Block 2 | Siedewasserreaktor |
975 MW |
storniert |
Standort Vandellos
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Gasgekühlter Reaktor |
480 MW |
08/1972; 07/1990 stillgelegt |
| Block 2 | Druckwasserreaktor |
1045 MW |
12/1987 |
Störfälle (Auswahl): 1989 - Nach einem Feuer in Block 1 kommt es zu schweren Problemen mit dem Sicherheitssystem.
2002 - Nach dem Ausfall einer Leitung der Komponenten-Kühlung in Block 2 stellt die Aufsichtsbehörde fest, dass beide Leitungen seit Jahren korrodiert waren; falls auch die zweite Leitung ausgefallen wäre, wäre der Reaktor kaum noch herunterkühlbar gewesen.
Links
Departamento de Ingeniería Nuclear (span.)
Foro de la Industria Nuclear Espanola (span.)
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