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Atombroschüre

Wissen zu Atomkraft

©GLOBAL 2000

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Atomkraft in Großbritannien


AKWs in EUROPA auf einer größeren Karte anzeigen

In Großbritannien sind aktuell 19 Atom-Reaktoren in Betrieb, von denen viele bereits 30 oder älter sind. Sie liefern 15 Prozent der Gesamtstromproduktion. In Sellafield, an der irischen See in Nordwestengland, befindet sich ein großer Nuklearkomplex, der durch häufige nukleare Störfälle bekannt und unter anderem deshalb auch von Windscale in Sellafield umbenannt wurde.

Auf dem Gelände befinden sich zahlreiche kerntechnische Anlagen, darunter zwei Wiederaufarbeitungsanlagen. Die ältere Anlage B205 dient dazu, abgebrannte metallische Brennelemente aus den britischen Magnox-Reaktoren aufzuarbeiten. Die neuere THORP-Anlage (Thermal Oxide Reprocessing Plant) ist für die Wiederaufarbeitung von oxidischen Brennstoffen ausgelegt, die sowohl aus den britischen als auch aus ausländischen Reaktoren stammen. Die Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield sind wegen ihrer Einleitungen von radioaktiven Stoffen in die irische See umstritten. Die Kontamination der unmittelbaren Umgebung wird in manchen Quellen mit der gesperrten Zone um Tschernobyl verglichen, was sich in staatlichen Protesten u. a. aus Irland und Norwegen widerspiegelt. Daneben befindet sich auf dem Gelände auch die Sellafield MOX Plant (SMP) zur Herstellung von Uran/Plutonium-Mischoxid-Brennelementen.

Großbritanniens Atompolitik steht für Pannen, radioaktive Verseuchung und Vertuschungen:

Am 10. Oktober 1957 kam es im AKW in Windscale (heute Sellafield) zu einem Brand, bei dem große Mengen Radioaktivität freigesetzt wurde, die sich über Großbritannien und über das europäische Festland ausbreitete. Auf der heute gültigen siebenstufigen Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse wird dieser Unfall als Ernster Unfall (Stufe 5) eingestuft (wie beispielsweise der von Three Mile Island).

Durch die Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield kommt es zur Verseuchung der Meere. Ebenfalls in Sellafield wurde im April 2005 ein Leck entdeckt, durch das etwa 83.000 Liter einer hoch radioaktiven, aus Salpetersäure, Uran und Plutonium bestehenden Flüssigkeit über Monate hinweg unbemerkt entweichen konnten. Die Flüssigkeit wurde zwar in der Anlage aufgefangen, Teile der Anlage sind aber schwer kontaminiert. Der Störfall wurde von der Internationalen Atomenergieorganisation als ernster Störfall eingestuft. Die Öffentlichkeit wurde erst Wochen später informiert.

Atompolitische Debatte

Lange Zeit stand im Mittelpunkt der britischen Debatte die radioaktive Verseuchung der Meere durch die Wiederaufbereitungsanlage Sellafield. Rund eine halbe Tonne des schon im Mikrogrammbereich hochgiftigen Plutoniums wurde in den letzten 40 Jahren von dort ins Meer geleitet. Inzwischen wurde Plutonium aus Sellafield in den Zähnen englischer Kinder nachgewiesen. Bei voller Last emittiert die Anlage jährlich ein fünftel der im Super-GAU von Tschernobyl freigesetzten Radioaktivität. Massive, auch staatliche Protesten u. a. aus Irland und Norwegen führten zu gewissen Verbesserungen, so wurde versucht, durch ein neues Abtrennverfahren die Einleitung des Isotops Technetium-99 zu vermeiden.

2005 allerdings entfachte der damalige britische Premier eine Debatte über den Ausbau der Atomkraft, 2006 gab die Labour-Regierung dann grünes Licht für Neubauten und versprach, die Genehmigungsverfahren zu erleichtern. Im März 2008 forderte die Regierung einheimische und internationale Unternehmen auf, innerhalb von vier Wochen zu sagen, ob und an welchen Standorten sie am Bau neuer Kernkraftwerke interessiert sind. Die britische Nuclear Decommissioning Authority stellt für das Programm zum Bau neuer Reaktoren bis zu 18 mögliche Standorte mit umfangreichem Baugelände zum Verkauf. Die beiden deutschen Energieriesen EON und RWE sowie die französische EDF zeigten Interesse: Der französische Staatskonzern EDF, schon jetzt der größte AKW-Betreiber der Welt, will vier Werke in Großbritannien bauen. Eon und RWE wollen gemeinsam neue Atomkraftwerke bauen. Und auch die spanisch-französische Gruppe Iberdrola/GDF Suez ist interessiert.

Die Ausbaupläne werden von der Regierung vorangetrieben trotz massiver Defizite der Atomwirtschaft: so musste die die Regierung dem Konzern und AKW-Betreiber British Energy einen Kredit über sechs Milliarden Euro, um den bevorstehenden Bankrott zu verhindern. Für Schlagzeilen sorgte auch mehrfach der staatliche Konzern BNFL aufgrund seiner fragwürdigen Umweltpolitik, strittiger Sicherheitskonzepte sowie des Handels mit waffenfähigem Plutonium. Für nach Japan exportierte MOX-Brennstäbe fälschte das Unternehmen eigens diverse Sicherheitsdaten.

Anti-Atom-Proteste

Proteste in GB richten sich entschieden gegen die Anlage Sellafield. Sie entzündeten sich unter anderem am zehnfach höheren Blutkrebsrisiko bei Kindern im Umfeld der Anlage. Ein gesondertes Atomprogramm in Irland wurde durch einen landesweiten Transportarbeiter-Streik sowie mehrere Sommercamps auf dem Baugelände eines AKWs verhindert. Immer wieder zeigten Umfragen in der Bevölkerung, dass die Mehrheit gegen den Neubau von AKW ist (z.B. Januar 2006: BBC Umfrage: 72 Prozent sprachen sich gegen AKW Neubauten aus). Antiatom-Organisationen wie Friends of the Earth, Greenpeace oder auch das UK Rivers Network protestieren lautstark gegen den Ausbau und verweisen nicht zuletzt auf die gigantischen Kosten, die bereits für den Atommüll und Atomschäden zu zahlen sind.

Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 15 Prozent.

Standort Berkeley

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
138 MW
06/1962;
03/1989 geschlossen
Block 2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
138 MW
06/1962;
10/1988 geschlossen

Standort Bradwell

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
123 MW
07/1962;
03/2002 stillgelegt
Block 2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
123 MW
07/1962;
03/2002 stillgelegt

Standort Calder Hall

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
50 MW
08/1956;
03/2003 stillgelegt
Block 2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
50MW
02/1957;
03/2003 stillgelegt
Block 3 Gasgekühlter Reaktor Magnox
50 MW
03/1958;
03/2003 stillgelegt
Block 4 Gasgekühlter Reaktor Magnox
50 MW
04/1959;
03/2003 stillgelegt

Standort Chapelcross

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
50 MW
02/1959;
06/2004 stillgelegt
Block 2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
50MW
07/1959;
06/2004 stillgelegt
Block 3 Gasgekühlter Reaktor Magnox
50 MW
11/1959
06/2004 stillgelegt
Block 4 Gasgekühlter Reaktor Magnox
50 MW
01/1960;
06/2004 stillgelegt

Störfälle (Auswahl): 1967 in Block 2 Feuer und teilweise Kernschmelze eines Brennelements.

Standort Dounreay PFR

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block A1 Schneller Brüter
234 MW
01/1975;
03/1994 stillgelegt

Störfälle (Auswahl): 1977 - Explosion in einem Schacht, in dem ungeordnet und unregistriert radioaktives Material verfüllt wurde, seither wird erhöhte Radioaktivität an der Küste vor der Anlage gemessen. (BBC, 22.4.1998)

Standort Dungeness

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
225 MW
09/1965;
12/2006 stillgelegt
Block 2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
225 MW
11/1965;
12/2006 stillgelegt
Block 3 Gasgekühlter Reaktor AGR
545 MW
12/1985
Block 4 Gasgekühlter Reaktor AGR
545 MW
04/1983

Störfälle (Auswahl): 2009 - Feuer in Dampferzeugerhalle nahe Reaktor B führt zur Abschaltung

Standort Hartlepool

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor AGR
595 MW
08/1983
Block 2 Gasgekühlter Reaktor AGR
595 MW
10/1984

Standort Heysham

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor AGR
585 MW
07/1983
Block 2 Gasgekühlter Reaktor AGR
575 MW
10/1984
Block 3 Gasgekühlter Reaktor AGR
615 MW
07/1988
Block 4 Gasgekühlter Reaktor AGR
625 MW
11/1988

Standort Hinkley Point

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block A1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
235MW
02/1965;
05/2000 stillgelegt
Block A2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
235 MW
03/1965;
05/2000 stillgelegt
Block B1 Gasgekühlter Reaktor AGR
430 MW
10/1976
Block B2 Gasgekühlter Reaktor AGR
430 MW
02/1976

Block B1, B2: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Standort Hunterston

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block A1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
150 MW
03/1964;
03/1990 stillgelegt
Block A2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
150 MW
09/1964;
12/1989 stillgelegt
Block B1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
420 MW
02/1976
Block B2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
420 MW
03/1977

Block B1, B2: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Standort Oldbury

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
217 MW
11/1967
Block 2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
217MW
04/1968

Alle Blöcke: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre. Älteste noch betriebene AKWs weltweit!

Standort Sizewell

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block A1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
210 MW
01/1966;
12/2006 stillgelegt
Block A2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
210 MW
04/1966;
12/2006 stillgelegt
Block B Druckwasserreaktor
1188 MW
02/1995

Störfälle (Auswahl): März 2010 - Abschaltung wegen Problemen mit der Luftfeuchtigkeit im Containment

3. Juli 2010 - Feuer im Gebäude des Kohleabsorbers kann erst nach sechseinhalb Stunden unter Kontrolle gebracht werden; der Reaktor steht aber ohnehin wegen des vorigen Zwischenfalls still.

Standort Torness

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor AGR
625 MW
05/1988
Block 2 Gasgekühlter Reaktor AGR
625 MW
02/1989

Störfälle (Auswahl): Juni 2011 verstopfen Quallen in der Kühlwasserzuleitung die Filter, beide Blocks müssen heruntergefahren werden

Standort Trawsfynydd

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor
Magnox
195 MW
01/1965;
02/1991 stillgelegt
Block 2 Gasgekühlter Reaktor
Magnox
195 MW
02/1965;
02/1991 stillgelegt

Standort Windscale (Sellafield)

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor AGR
32 MW
03/1963;
04/1981 stillgelegt

Störfälle (Auswahl): 1957 - Auf dem Windscale/Sellafield-Gelände kommt es beim Brand in einem Plutonium-erzeugenden Schnellen Brüter zur massiven Freisetzung von radioaktiv verseuchten Gasen, die sich über das Land ausbreiten; die Menschen werden nicht informiert. 9000 m³ Löschwasser bilden einen radioaktiven See in der Anlage, 2 Millionen Liter kontaminierte Milch werden in die Irische See verklappt, Aufzeichnungen über die Kontamination der Milch werden unter Verschluss gehalten. Vorsichtige Schätzungen gehen von mindestens 240 Todesfällen aus, die direkt mit dem Unfall in Verbindung gebracht werden können (Atmospheric Environment, Bd.41, S.3904, 2007).

2005 wird ein Leck entdeckt, durch das über Monate hinweg 83.000 Liter hochradioaktive Flüssigkeit auslaufen konnten; Teile der Anlage sind schwer kontaminiert.

Standort Winfrith SGHWR

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 leichtwassergekühlt,
mit schwerem Wasser moderiert
92 MW
12/1967;;
09/1990 stillgelegt

Standort Wylfa

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor Magnox
490 MW
01/1971
Block 2 Gasgekühlter Reaktor Magnox
490 MW
07/1971

Alle Blöcke: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

 

Links

Friends of the Earth EWNI

UK Rivers Network

UK-Atomic Energy Authority

 

 

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letztes Update: 22.07.2011 11:15
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