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Atomkraft in der Ukraine
Atomenergienutzung
In der Ukraine laufen heute 15 Druckwasserreaktoren an vier Standorten und produzieren 51 Prozent des Gesamtstroms des Landes. Zwei weitere Reaktoren sind im Bau. Es gibt (vage) Pläne für bis zu 9 weitere Reaktoren. Am Standort Tschernobyl sind inzwischen alle Reaktoren stillgelegt. Wegen der schlechten Wirtschaftslage in der Ukraine gibt es zahlreiche Probleme in der Kernenergieindustrie. Schwächen gibt es sowohl beim Material als auch bei der Betriebsführung. Ein weiteres Problem in der Ukraine ist, dass die Arbeiter in den AKWs ihren Lohn nicht regelmäßig erhalten. So haben im September 1998 die Arbeiter aller fünf AKWs gestreikt, da die Löhne für fünf Monate ausständig waren, und das, obwohl Streiks in AKWs gesetzlich verboten sind.
Atompolitische Debatte
Das ukrainische Atomprogramm startete in den 1970er Jahren mit dem Bau von vier Reaktoren in Tschernobyl. Es folgte ab den 1980er Jahren ein massiver Ausbau der Atomkraft an vier weiteren Standorten, wobei fast durchwegs sehr groß dimensionierte Druckwasser-AKWs entstanden. 1986 ereignete sich dann der weltweit bislang dramatischste Atomunfall an Block 4 in Tschernobyl. Gleich nach dem Super-GAU wurde – unter vielfach tödlicher Verstrahlung vieler Arbeiter – ein Sarkophag aus Stahl und Beton um den zerstörten Reaktorblock gebaut. Dessen Zustand ist jedoch schon längst besorgniserregend: seit Jahren gilt die marode Decke als akut einsturzgefährdet; mit dem durch die Risse eindringenden Regenwasser könnte eine erneute Kettenreaktion in Gang kommen.
Nachdem 1992 auch in Block 2 in Tschernobyl ein Feuer ausgebrochen war, beschloss das ukrainische Parlament zunächst die Stillegung dieser hochgefährlichen Reaktoren und stoppte den Bau an drei weiteren Standorten. Doch die wirtschaftlich marode Situation des Landes bewirkte schon bald eine Aufhebung dieser Beschlüsse. Der letzte Reaktor von Tschernobyl, von der Regierung als Verhandlungsmittel in internationalen Finanzprogrammen eingesetzt, stellte schließlich erst im Jahre 2000 endgültig den Betrieb ein. Im Gegenzug erreichte die Regierung eine Finanzhilfe für die unsinnige Fertigstellung von Reaktoren in Khmelnitsky und Rovno, die die Überkapazität der ukrainischen Stromproduktion noch erhöhen wird. 2009 schlossen Russland und die Ukraine ein Abkommen zum Fertigbau von Khmelnitsky und die vollständige Belieferung der Ukraine mit russischen Kernbrennstäben.
Anti-Atom-Proteste
Nach der Reaktorkatastrophe gab es weltweit Aktionen gegen den Weiterbetrieb der anderen Tschernobyl-Blöcke. Gegen den Kredit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung für den Weiterbau der AKWs gab es Ende der 1990er Jahre europaweiten Protest. Mitglieder einer ukrainischen Umweltorganisation wurden dabei mehrfach Opfer des staatlichen Sicherheitsdienstes, wurden inhaftiert oder erhielten Morddrohungen.
Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 51 Prozent.
Standort Tschernobyl
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | RBMK 1000 |
740 MW |
09/1977; 11/1996 stillgelegt |
| Block 2 | RBMK 1000 |
925 MW |
12/1978; 10/1991 stillgelegt |
| Block 3 | RBMK 1000 |
925 MW |
12/1981; 12/2000 stillgelegt |
| Block 4 | RBMK 1000 |
925 MW |
12/1983; 26.04.1986 explodiert |
Störfälle (Auswahl): Sept. 1982 - Unfall in Block 1 (INES 5)
1986 - Bei einem fehlgeschlagenen Sicherheitstext explodiert Block 4. Die russische Akademie der Wissenschaften geht bisher von 60.000 Todesfällen in Russland und 140.000 in der Ukraine und Weißrussland aus, die durch den Super-GAU verursacht wurden.
Standort Khmelnitsky
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 |
950 MW |
12/1987 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | 08/2004 |
| Block 3 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | In Bau |
| Block 4 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | In Bau |
Standort Rovno
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor WWER-440/213 |
381 MW |
12/1980 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor WWER-440/213 | 376 MW | 12/1981 |
| Block 3 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | 12/1986 |
| Block 4 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | 10/2004 |
Block 1,2 Hochrisikoreaktor, kein Containment
Standort Süd-Ukraine
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor WWER-1000/302 |
950 MW |
12/1982 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor WWER-1000/338 | 950 MW | 01/1985 |
| Block 3 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | 09/1989 |
Standort Saporischschja
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 |
950 MW |
12/1984 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | 07/1985 |
| Block 3 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | 12/1986 |
| Block 4 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | 12/1987 |
| Block 5 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | 08/1989 |
| Block 6 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 950 MW | 10/1995 |
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Projekt Tschernobyl-Kinder von GLOBAL 2000
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