Weitere Nachrichten
-
04.04.13
Bienen retten: Neue Abstimmungsrunde auf EU-Ebene: Am Freitag den 15. ... -
26.03.13
Fleischkonsum in Österreich: Zurück zum Sonntagsbraten!: Wir essen viel zu ... -
22.03.13
Zurück zum Sonntagsbraten! Qualität statt kranke Massenware : GLOBAL ... -
26.11.12
Emissionshandel - wie Österreichs Unternehmen profitieren und trotzdem klagen: Europaweit startete ...
Immer mehr ...
Bisphenol A (BPA) ...
Eine im August ...
Weichmacher werden ...
Nach neun Jahren ...
Am Montagabend, ...
Schauen Sie sich ...
Quecksilber ist ein ...
Am 3. Dezember ist ...
Am Freitag den 15. ...
Giftschlammlawine in Ungarn. Aluminiumfirma MAL AG streitet Verantwortung ab.
Am Montagabend, 4.Oktober 2010, ereignete sich im benachbarten Ungarn einer der größten Chemieunfälle seit Jahrzehnten. Dämme einer Rotschlammdeponie waren geborsten und der giftige Schlamm ergoss sich über drei nahegelegene Ortschaften. Das Schadensausmaß ist nach wie vor nicht abzusehen. Man rechnet mit bis zu zehn Todesopfern und zahlreichen Verletzten.
Rotschlamm fällt als Abfallprodukt bei der Aluminiumherstellung an und wird durchwegs in offenen Deponien in unmittelbarer Nähe der Produktionsstätten endgelagert. Technologien zur Nutzung von Rotschlamm gibt es zwar, sind aber nicht weit verbreitet. Der Schlamm ist äußerst alkalisch und bei Hautkontakt kommt es zu schweren Verätzungen. Noch ist die genaue Zusammensetzung des ungarischen Rotschlamms nicht bekannt, dennoch kann davon ausgegangen werden, dass er Schwermetalle enthält und diese noch langfristig für Umwelt- und Gesundheitsprobleme in der Region sorgen werden. Schwermetalle können ins Grundwasser eindringen, sich in der Nahrungskette anreichern und haben mitunter beträchtliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.
Laut Aussagen eines ungarischen Kollegen streitet die betroffene Firma MAL jede Verantwortung am Unfall ab. Das Ereignis sei außerhalb ihrer Verantwortung und schlichtweg eine nichtvorhersehbare Naturkatastrophe. Zuvor sei jedoch von Seiten einiger Anrainer schon vielfach Kritik laut geworden an der Stabilität des Damms und der übermäßigen Befüllung des Auffangbeckens. Die Frage nach den Schuldigen scheint nahezu banal, aber ist essentiell für die Übernahme der Kosten einer allfälligen Sanierung des verseuchten Gebiets. Immer wieder bei solchen Unfällen größeren Ausmaßes gelingt es den Unternehmen, sich aus der Verantwortung zu stehlen und die Sanierungskosten schlussendlich den betroffenen Ländern und damit den Steuerzahlern umzuhängen.
Katastrophen in der Chemieindustrie
Die Umweltkatastrophe in Ungarn reiht sich in eine lange Liste anderer schwerer Chemieunfälle ein:
September 1921: Nach einer Explosion in einem Ammoniak-Werk der BASF bei Ludwigshafen sterben 585 Menschen. Das Dorf Oppau wird fast ganz zerstört.
Juli 1948: In der Nitrolack-Fabrik der BASF in Ludwigshafen gerät ein Behälter mit Alkohol in Brand. Bei der anschließenden Explosion sterben 200 Menschen, 3.800 werden verletzt.
1956-1961: Eine Chemie-Fabrik in der Fischerstadt Minamata auf der japanischen Insel Kyushu leitet Quecksilberrückstände ins Meer. Mehr als 1.000 Menschen essen vergifteten Fisch und werden krank, 138 sterben.
Juli 1976: Bei einer Explosion in einer Tochterfirma des Schweizer Chemiekonzerns Hoffmann-La Roche entweicht hochgiftiges Dioxin. Hunderte Bewohner der Industriestadt Seveso bei Mailand werden in Sicherheit gebracht, 200 Menschen erleiden schwere Vergiftungen. 50.000 Tiere müssen getötet werden.
November 1979: Ein mit Chemikalien beladener Güterzug entgleist und explodiert bei Toronto. Der Unfall löst eine der weltweit größten Massenevakuierungen in Friedenszeiten aus. 250.000 Menschen sind auf der Flucht vor giftigen Gasen, verletzt wird niemand.
Dezember 1984: Aus einer ehemaligen Pestizidfabrik des US-Konzerns Union Carbide in Bhopal dringen etwa 40 Tonnen hochgiftiges Methylisocyanat (MIC) aus. In den 72 Stunden nach dem Unglück sterben 8.000 Menschen, mehr als 15.000 weitere sterben an den Spätfolgen. Mindestens 100.000 Menschen werden chronisch krank.
November 1986: Nach einem Feuer im Baseler Werk der Firma Sandoz fließen giftige Substanzen in den Rhein. Hunderttausende Fische verenden.
Jänner 2000: Aus einem Goldbergwerk bei Baia Mare (Rumänien) fließen 100.000 Kubikmeter zyanidverseuchten Wassers über die Theiß in die Donau. Ein riesiges Fischsterben ist die Folge.
September 2001: Nach einer fatalen Kettenreaktion kommt es in einer Düngemittel-Fabrik bei Toulouse in Südfrankreich zu einer verheerenden Explosion: 31 Menschen sterben, 2.500 werden verletzt, tausende Gebäude zerstört oder beschädigt.
November 2005: Nach einer Explosion in einem Chemiewerk im Nordosten Chinas wird der Songhua Fluss, Hauptwasserquelle für Millionen Menschen, mit Benzol vergiftet. Die Bewohner der Vier-Millionen-Stadt Harbin müssen tagelang ohne frisches Wasser auskommen.
Juli 2008: Aus der südfranzösischen Atomanlage Tricastin bei Avignon treten 30 Kubikmeter einer radioaktiven "Uranlösung" aus. Ein Teil gelangt über Regenwasser in die Flüsse Gaffiere und Lauzon.
(Quelle: APA/dpa)
In Österreich hat GLOBAL 2000 in den letzten vier Jahren zwei Chemie-Giftskandale aufgedeckt:
Links:
Giftmülllager in Wien
Gift sickert aus Pestizidlager














