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Lustkiller BPA?
Eine im August erschienene Studie (Vandenberg et al. 2010) belegt, dass wir wesentlich höheren Dosen der Chemikalie Bisphenol A (BPA) ausgesetzt sind, als bisher angenommen und vom Gesetzgeber berücksichtigt wird. Die Studie bewertet die Messungen von BPA-Gehalten im Urin, Blut oder Gewebe von Menschen aus neun Nationen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Menschen auf der ganzen Welt mit dieser Chemikalie, die vor allem aus Kunststoffen in unsere Nahrung übergeht, belastet sind. Aufgrund seiner hormonähnlichen Wirkung stört BPA zahlreiche hormongesteuerte Prozesse im menschlichen Körper und kann u.a. Unfruchtbarkeit, Erektions- und Ejakulationsstörungen, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen auslösen und sich negativ auf die Hirn- und Geschlechtsdrüsenentwicklung von Föten auswirken.
Paare mit Kinderwunsch sind heutzutage immer öfter mit Problemen in Zusammenhang mit ihrer reproduktiven Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit konfrontiert. Der Anstieg der Unfruchtbarkeit wird in Zusammenhang mit verschiedensten Umweltbedingungen gebracht. Für WissenschaftlerInnen als besonders besorgniserregend gelten hier die steigende Konzentration an synthetischen Chemikalien wie BPA in unserer Nahrung, unserem Trinkwasser und unserer Luft.
Auswirkungen von Bisphenol A auf den Mann 
Verschiedene Studien zeigen, wie sich BPA auf die Fruchtbarkeit männlicher Säugetiere und Menschen auswirken kann. Ein Versuch an trächtigen Ratten ergab bei bereits kleinsten über die Nahrung verabreichten Dosen von BPA negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Hoden des männlichen Nachwuchses. Eine ForscherInnengruppe aus Michigan kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Eine Studie an chinesischen Fabrikarbeitern, die der gefährlichen Chemikalie bei ihrer Arbeit ausgesetzt waren, kam zu dem Ergebnis, dass diese Arbeiter eher an sexueller Lustlosigkeit, Erektions- und Ejakulationsproblemen litten. Darüber hinaus waren sie generell unzufriedener mit ihrem Sexualleben.
Auswirkungen von Bisphenol A auf die Frau
Auch bei Frauen zeigen die Studien einen Zusammenhang zwischen BPA und Unfruchtbarkeit. BPA kann den Hormonhaushalt gravierend stören und zu Erkrankungen der Eierstöcke führen. So besteht ein Zusammenhang zwischen BPA und dem polyzistischen Ovariensyndrom (PCOS). Schätzungsweise 5-10 % der weiblichen Bevölkerung im zeugungsfähigen Alter leiden an PCOS, das durch Störungen im Hormonhaushalt verursacht wird und als Hauptverursacher weiblicher Unfruchtbarkeit gilt. BPA stört die Reifung der Eizellen und kann auch den Verlauf einer Schwangerschaft beeinträchtigen. Wiederholte Fehlgeburten werden ebenfalls mit erhöhten BPA-Gehalten im Blutserum in Verbindung gebracht.
Erlaubte Tagesdosis 2000fach zu hoch
Seit Jahrzehnten warnen WissenschaftlerInnen, dass die bestehenden gesetzlichen Grenzwerte keinen ausreichenden Schutz bieten. Die in der EU für Lebensmittelsicherheit zuständige Behörde EFSA bezieht sich in ihren Risikoanalysen immer wieder auf wenige und zum Teil von ExpertInnen heftigst kritisierte Studien, die von der Plastikindustrie finanziert wurden. Zwei dieser Industriestudien gelten als Grundlage des momentan gültigen Richtwerts zur erlaubten Tagesdosis von BPA. Nach einer Studie des Deutschen Umweltbundesamtes liegt dieser aber 2000fach zu hoch. Durch die Mehrzahl aktueller Studien werden jedoch die Aussagen der Plastikindustrie-Studien unzweifelhaft widerlegt.













