Ölpest: BP ist kein Einzelfall
Seit der Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko müssen wir hilflos zusehen, wie die schlimmste Umweltkatastrophe der USA sich immer weiter ausbreitet und der Ölkonzern BP eine Beschwichtigungspolitik sondergleichen betreibt. Seit am26. April der erste Versuch das Leck zu stopfen scheiterte, gaukelt uns BP immer wieder vor, die Öl-Havarie sei in Kürze beendet. Die Wahrheit ist, die Katastrophe wird immer schlimmer.
Nigeria: Ölpest ist Alltag
Während alle Augen auf BP und den Golf von Mexiko achten, wird übersehen, dass die Ölpest in Nigeria längst zum Alltag gehört. In Nigeria, Afrikas führendem Öl-Land, sickern jedes Jahr Zehntausende Tonnen Rohöl ins Nigerdelta - so viel wie beim Unglück des Tankers "Exxon Valdez" vor Alaska. Im Niger Delta sind über 2000 Öllecks sichtbar, jeden Tag kommt eine neue Leckage hinzu. Der jüngste größere Unfall stammt vom 1. Mai: Eine Pipeline des Erdölkonzerns Exxon Mobile barst, 4 Mio. Liter Öl verschmutzten das Delta. Wäre die BP-Plattform im Nigerdelta statt im Golf von Mexiko gesunken, würde sich kein Mensch dafür interessieren.
Billiges Abfackeln
Poröse oder illegal angezapfte Pipelines verseuchen im Niger Delta das Grundwasser und den Ackerboden. Auch hier versuchen sich die Verantwortlichen Ölfirmen, an vorderster Stelle Shell, aus der Verantwortung zu stehlen. Shell fördert rund 40 Prozent des nigerianischen Öls. Im Niger Delta wird das Gas, das bei der Ölförderung mit aus dem Boden kommt, direkt verbrannt. Über 120 überdimensionale Gasfackeln stehen im Niger Delta und die meisten gehören Shell. Das Abfackeln ist die billige Methode der Ölmultis, um mit dem unerwünschten Nebenprodukt bei der Ölförderung fertig zu werden. Dass hier massiv Treibhausgase und krebserregende Schwermetalle freigesetzt werden, schlägt sich in den Bilanzen nicht nieder. Das Niger Delta war einst eine wunderschöne artenreiche Gegend, heute liegt ein klebriger Ölfilm über der Landschaft, Fische und Vögel verenden, das Trinkwasser ist größtenteils nicht mehr genießbar - ein Umweltdesaster, für das vor allem der Ölmulti Shell die Verantwortung trägt.
Gefährlicher Widerstand
Seit Ende der 50er Jahre wird in Nigeria Erdöl unter miserablen Umweltstandards gefördert. International bekannt wurde der Widerstand im Niger-Delta mit dem Aufstand des Ogoni-Volkes Anfang der 90er Jahre, der in der Ermordung des Schriftstellers und Ogoni-Führers Ken Saro-Wiwa durch ein Kommandogericht der nigerianischen Militärdiktatur gipfelte.
Die Kostenwahrheit ist den Menschen zumutbar
Wir müssen raus aus unserer Abhängigkeit vom Öl. Nicht nur bei der Verwendung, sondern gerade bei der Förderung entstehen extrem hohe Umweltkosten. Gäbe es eine Kostenwahrheit, müssten die Ölmultis die Rechnung für ihre Umweltschäden auch bezahlen. Dann wäre Öl so teuer, dass es mit regenerativen Energieformen keinesfalls konkurrieren könnte. Energiesparen und das Setzen auf nachhaltige Energieträger ist die einzige Strategie, um zukunftsfähig zu bleiben.
BP Nnimmo Bassey from GLOBAL 2000 on Vimeo.
[Ausgestrahlt am 18.06.2010, SAT1 Austria News]
Links:
http://www.eraction.org
















