Die meisten Blumen werden in Monokulturen gezogen, in denen sich Schädlinge besonders rasch ausbreiten. Damit möglichst kein Schädling überlebt und die Blumen verunstalten kann, wird vorbeugend und in großen Mengen mit Pestiziden gearbeitet. Auf Tulpen werden z. B. bis zu 90kg Pestizide pro Hektar eingesetzt, bei Getreide im Vergleich dazu um die 2kg pro Hektar.

Die meisten Blumen sind außerdem weit gereist, denn nur ein geringer Teil kommt aus heimischen Gärten.

99 Prozent der eingesetzten Pestizide treffen nicht die Zielorganismen

Nur ca. ein Prozent der eingesetzten Pestizide erreichen wirklich die beabsichtigte Wirkung, die Monokulturen produktiv zu halten. 99 Prozent der Pestizide treffen nicht die Zielorganismen, sondern andere Pflanzen, Tiere und Menschen.

Pestizide sind gesundheitsschädigend – sie sind krebserregend, erbgutschädigend, beeinflussen den Hormonhaushalt, sind allergieauslösend, hemmen das Immunsystem und schädigen die Nerven.

Pestizidanwendung kaum geregelt

Die Pestizidanwendung auf Zierpflanzen unterliegt nicht den gesetzlichen Bestimmungen wie z.B. Lebensmittel. Die optische Qualität ist bei Blumen das Ausschlaggebende. Dadurch wird ein Vielfaches von Pestiziden eingesetzt ohne auf die Umweltwirkung zu achten. Besonders dramatisch ist die Lage in Schwellenländern, aus denen viele unserer Zierpflanzen importiert werden.

Nur ein kleiner Teil der Blumen, die bei uns am Markt sind, kommt aus heimischen Gärtnereien, aber ca. 80% der Rosen, Tulpen, Nelken usw. wächst in Glashäusern und auf Beeten in Holland, Italien, Spanien, Kolumbien, Ecuador, Südafrika, Kenia, Tansania usw.

In den Ländern Südamerikas und Afrikas, aus denen Blumen bei uns eingeflogen werden, sind viel gefährliche Pestizide im Einsatz, die bei uns verboten sind. Z. B. wird das karzinogene und die Ozonschicht zerstörende Methylbromid in großen Mengen verwendet. Im Gartenbau sind aber auch in Österreich Pestizide erlaubt, die in der Landwirtschaft nicht mehr verwendet werden dürfen. Da Blumen nicht gegessen werden, wird dies als ungefährlich betrachtet. Für GärtnerInnen und FloristInnen sind Pestizide aber eine große Gesundheitsgefahr. Allergien und Atemwegserkrankungen sind häufige Berufskrankheiten. Auch die Umwelt und besonders Gewässer werden durch den hohen Einsatz gefährlicher Pestizide geschädigt. Und schließlich bringen wir mit den Blumen die Gifte auch in unsere Wohnung.

Auch manche Spezialeffekte werden mit Pestiziden erreicht. Kleine Weihnachtssterne, kleine Chrysanthemen usw. sind nicht von Natur aus so klein, sondern weil sie mit Wachstumsregulatoren behandelt wurden. Einer dieser Wachstumshemmer, das Alar, steht im Verdacht karzinogen zu sein. Alar darf in Österreich und vielen anderen Ländern im Obstbau, wo es z. B. verwendet wurde um Äpfel gleichzeitig reifen zu lassen, deswegen nicht mehr eingesetzt werden.

Systematische Kontrollen auf Pestizide gibt es weder bei der Einfuhr von Zierpflanzen, noch bei heimischer Ware. Es gibt auch keine gesetzlichen Regelungen für Pestizidrückstände auf Blumen.

Bioblumen sind die beste Alternative zu den mit Pestiziden behandelten Blumen, leider sind sie oft nicht leicht erhältlich. Es gibt z. B. Dahlien, Lilien, Gladiolen, Tulpen, Narzissen, Astern und Sonnenblumen.

Einige Organisationen bemühen sich seit Jahren die Situation, vor allem der BlumenarbeiterInnen in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien, zu verbessern. FIAN (www.fian.de), eine internationale Menschenrechtsorganisation, koordiniert die Programme und hat ein "Flower Label Program", eine Kennzeichnung für unter Mindeststandards für Arbeitnehmer- und Umweltschutz erzeugte Blumen, erarbeitet.