Presseaussendung, 14.11.2019

Allianz Klimagerechtigkeit: EU muss Führungsrolle im Kampf gegen Klimakrise einnehmen

Nach dem Austritts-Ansuchen der USA muss die EU ihre Glaubwürdigkeit stärken und selbst vorangehen. Österreich soll diese Bemühungen unterstützen und verhindern, dass bei der Klimakonferenz in Madrid Schlupflöcher geschaffen werden.

Klimawandel - Hochwasser

Wien, am 14. November 2019 - Die UN-Klimakonferenz (COP25) von 2. bis 13. Dezember in Madrid soll die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens voranbringen. Die Allianz für Klimagerechtigkeit, eine Plattform von 25 Umwelt-, Entwicklungs- und sozialen Organisationen, ruft die Österreichische Regierung auf, ihre globale Verantwortung wahrzunehmen und präsentiert heute ein umfangreiches Forderungspapier.

„Nachdem die Trump-Administration vor wenigen Wochen den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen eingeleitet hat, muss die EU eine Führungsrolle im Kampf gegen die Klimakrise einnehmen. Dafür muss die EU ihre Glaubwürdigkeit erhöhen und die eigenen Pläne nachbessern. Auch Österreich muss auf mehr Ambition drängen und selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Dafür braucht es einen vernünftigen Klimafahrplan und mindestens eine Klimaschutzmilliarde pro Jahr für Investitionen in unsere Zukunft“, fordert GLOBAL 2000-Klimasprecher Johannes Wahlmüller. Schon bis 2030 ist es notwendig, dass die EU ihre Treibhausgasemissionen um mindestens 65 Prozent reduziert und nicht um mindestens 40 Prozent, wie es derzeit der Plan ist. Bis 2040 soll die EU klimaneutral sein.

Entwickelte Industrieländer haben eine jährliche Unterstützung von 100 Milliarden USD bis zum Jahr 2020 für Entwicklungsländer zugesagt. Diese Mittel benötigen Entwicklungsländer dringend, um sowohl ihre Bevölkerung vor den Klimaauswirkungen zu schützen, als auch ihre Treibhausgasemissionen zu minimieren. „Die Ziellinie des 100-Milliarden-Dollar Versprechens nähert sich rasch und es gilt, noch eine große finanzielle Lücke bis dahin zu schließen, damit das notwendige Vertrauen der Staaten zueinander nicht gebrochen wird“, zeigt Martin Krenn von der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz auf. „Österreich hat bei den seit Jahren stagnierenden öffentlichen Zuschüssen für die internationale Klimafinanzierung seine Hausaufgaben nicht gemacht. Es ist notwendig, dass die Bundesregierung die öffentlichen Zuschüsse als Sofortmaßnahme bis 2020 auf 150 Millionen Euro anhebt und bis 2025 auf jährlich 300 Millionen Euro verdoppelt. Ebenso muss Österreichisch seinen Beitrag zum Green Climate Fund auf 100 Millionen Euro erhöhen, um seinen Platz im Board des Fonds ohne Gesichtsverlust einnehmen zu können“, legt Martin Krenn einen klaren finanziellen Pfad für die österreichischen Beiträge dar.

Lisa Plattner, WWF-Klimasprecherin, mahnt die internationale Gemeinschaft zum Handeln: „Die Herausforderungen der Klimakrise brauchen gemeinsame globale Lösungen aller Staaten. Am Ende des diesjährigen Klimagipfels erwarten wir uns konkrete Pläne, der Klimaschutzzug muss endlich einen verbindlichen Fahrplan erhalten. Die Trendwende bei Emissionen und Naturschutz muss sehr schnell passieren, wenn wir die Erderhitzung auf maximal 1,5°C eindämmen und fatale Folgen für Menschen und Umwelt verhindern wollen.“ Auch die zukünftige Österreichische Bundesregierung muss ihren Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise leisten: „Wir erwarten uns konsequente Maßnahmen in Einklang mit dem Paris-Abkommen. Dazu zählen eine ökosoziale Steuerreform, ein Energiespar-Programm, eine umfassende Mobilitätswende, ein naturverträglicher Ausbau erneuerbarer Energien und der Abbau von umweltschädlichen Subventionen. Wir können es uns nicht mehr leisten, eine weitere Legislaturperiode ohne entscheidende Weichenstellungen gegen die Klimakrise und gegen die Biodiversitätskrise verstreichen zu lassen.“

Der Klimawandel ist eine zentrale Herausforderung für nachhaltige Entwicklung und humanitäre Hilfe. Schon heute sind jährlich 108 Millionen Menschen von internationaler Hilfe nach Stürmen, Fluten oder Dürren abhängig. Nach den Ergebnissen einer aktuellen Rotkreuz-Studie „The Cost of Doing Nothing“ könnte sich diese Zahl bis 2050 verdoppeln. „Die Kosten für humanitäre Hilfe bei klimabedingten Katastrophen werden sich allerdings schon 2030 mehr als verdoppelt haben, wenn sich nichts ändert“, sagt Barbara Busch, Advocacy Advisor für Internationale Zusammenarbeit beim Österreichischen Roten Kreuz. „Mit Investition in Klimaschutz, Katastrophenvorsorge und Klimawandelanpassung könnten wir die Zahl der betroffenen Menschen sogar deutlich senken.“