Neuigkeit, 19.09.2011

Holz und Wolle geben warm...

... so dachte sich das der Biobauer Josef Schett und stellt nun seit über 20 Jahren Produkte aus Schafwolle her, unter anderem auch Dämmstoffe. Im Villgratental, eine der ursprünglichsten Natur- und Kulturlandschaften in den Alpen, wird ein Drittel der in Österreich anfallenden Schafwolle von der Villgrater Natur Produkte Josef Schett KG verarbeitet. Im Interview erzählt uns Josef Schett mehr über das Unternehmen, die Entwicklung des Tals und seine Skepsis gegenüber dem dort geplanten Wasserkraftwerk.

GLOBAL 2000: Wie ist die momentane Lage der Schafswollverarbeitung in Österreich einzuschätzen?

Schett: Es gibt ja fast keine Verarbeitung von Schafwolle in Österreich. Das ist alles zusammengebrochen. Wir haben Mitte der 1980er Jahre wieder ganz bewusst begonnen, auf die Schafhaltung zu setzen. Ich habe damals meine Kühe verkauft und mit ein paar befreundeten Bauern von der Rinderwirtschaft auf Schafhaltung umgestellt. Damals hat man 300.000 Lämmer in Österreich importiert. Das war das einzige landwirtschaftliche Produkt, von dem wir zu wenig gehabt haben. Sonst hat es überall Überproduktionen gegeben.

GLOBAL 2000: Ihr sagt, ihr pflegt einen behutsamen Umgang mit Landschaft und Natur. Aber ihr geht auch in die Massenproduktion hinein. Wie lässt sich das miteinander vereinbaren?

Schett: Wir produzieren eigentlich nicht viel, wir sollten eigenlich noch mehr produzieren. Wir müssten mehr verkaufen, dann könnten wir mehr produzieren. Bei uns wurden zwölf Arbeitsplätze geschaffen, die sehr hochwertig sind. Wir legen viel Wert darauf, dass sich unsere MitarbeiterInnen wohl fühlen und die Arbeitszeiten an ihre Bedürfnisse (viele sind LandwirtInnen, haben Kinder) anpassen können. Wir haben überhaupt kein Massenprodukt. Alles ist handgefertigt von den Matratzen bis zu den Patschen und den Socken. Was aus der Maschine als fertiges Produkt herauskommt, ist die Trittschalldämmung für die Parkettböden oder die Dämmstoffe, wobei wir weit weg sind von Massenproduktion.

GLOBAL 2000: Wie viel könnt ihr davon im Jahr produzieren?

Schett: Wir könnten die gesamte österreichische Wolle verarbeiten, auch weiterhin als Kleinbetrieb. Das wäre auch eine gute Geschichte, wenn die österreichischien Schafbauern sich keine Sorgen machen müssten ob sie ihre Wolle überhaupt weiterbringen und einen Absatz dafür haben. Denn, noch immer landet viel Wolle nach der Schur auf dem Müllhaufen, weil es dafür keine Abnehmer gibt.

Josef Schett KG

GLOBAL 2000: Ihr habt ja auch einen ausgeprägten Gesundheitsaspekt bei euren Produkten dabei. Wie sieht das aus- die Schafwolle als Gesundheitsthema?

Schett: Früher hat man ja gesagt, eine Handvoll Schafwolle ist die halbe Hausapotheke und hilft für Alles. Wenn man Rheuma hatte, hat man ungewaschene Schafwolle aufgelegt. Grundsätzlich ist die Wolle eine natürliche Faser, die mit dem menschlichen Fingernagel verwandt ist. Es gibt keine Schafwollallergie. Schafwolle nimmt bis zu 30 Prozent des Eigengewichts an Feuchtigkeit auf und gibt sie dann an die Außenluft ab. Wenn hier mit Schafwolle gedämmt wäre, hätten Sie ein wesentlich besseres Raumklima.

GLOBAL 2000: Wäre es theoretisch möglich, alles mit Schafwolle zu dämmen?

Schett: Nein, das geht nicht, weil es viel zu wenig Schafwolle gibt. Generell haben diese Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen einen ganz geringen Marktanteil. Es kommen natürlich viele Förderprogramme auf, unter dem Aspekt des Energiesparens.

GLOBAL 2000: Also bleibt Dämmen mit Schafwolle weiterhin etwas Besonderes?

Schett: Ja, es ist wirklich etwas Besonderes, weil es ganz besondere Auswirkungen auf das Raumklima hat. Wolle hat einen bis zu 15 Prozent besseren Dämmwert und man erspart sich eine Dampfbremse, die heute überall vorgeschrieben ist. Denn die Schafwolle atmet, nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie dann wieder ab. Sie funktioniert wie eine natürliche Klimaanlage. Die Schafwolle hält genau so lange wie herkömmliches Dämmaterial, kann auch wiederverwendet werden und ist kein Sondermüll wie die meisten anderen Dämmstoffe.

GLOBAL 2000: Euer Unternehmen steht für Tradition und Fortschritt. Im Innervillgratental sorgt ein Wasserkraftwerksprojekt für Aufregung. Wie steht es hier um die Zukunftsentwicklung des Tals?

Schett: Worum es beim Kraftwerksprojekt auch geht, ist, dass den Gegnern des Projektes vorgeworfen wird, sie seien gegen Entwicklung. Es gibt viele Argumente, dass dem gerade nicht so ist. Villgraten konnte gerade aufgrund seiner nachhaltigen Entwicklung, aufgrund des nachhaltigen Tourismus Nächtigungszuwächse verzeichnen und ist erfolgreich.

GLOBAL 2000: Somit soll das Kraftwerk Ihrer Meinung nach nicht gebaut werden um die Region zu schützen?

Schett: Es geht nicht darum, dass ein Kraftwerk unbedingt verhindert werden soll, sondern es geht um die Stelle, wo es gebaut werden soll. Man würde eine wunderschöne Stelle einfach zerstören. Außerdem ist es auch aus energietechnischen Gründen sehr fragwürdig. Es gäbe auch andere Bäche, die schon verbaut wären und die auch aus energetischer Sicht mehr Sinn machen, weil sie auch im Winter Wasser führen. Es gäbe also sehr wohl Alternativen, die aber abgelehnt wurden. Für mich spricht die Kosten-Nutzen-Rechnung gegen den Bau des geplanten Kraftwerks, weil es einen großen Schaden für den Tourismus bedeuten würde, den wir in den letzten 20 Jahren aufgebaut haben. Die Gäste, die zu uns kommen, kommen aus einem besonderen Grund: Weil es so ist, wie es ist.

Josef Schett KG