Kurz nach der Veröffentlichung des Vorschlags zur neuen Saatgutverordnung der EU machte sich positive Stimmung in der Politik breit: Der Vorschlag biete ausreichend Möglichkeiten für alte und seltene Sorten und die Vielfalt in der Landwirtschaft sei damit gut berücksichtigt. Wir haben den neuen Vorschlag nochmals unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: Die Vielfalt bleibt gefährdet.

Will zum Beispiel ein Kleinbetrieb (bis 10 MitarbeiterInnen, 2 Mio. Umsatz) alte/seltene Sorten verkaufen, so müssen diese zugelassen sein. Das Zulassungsverfahren bleibt aber weiterhin kostspielig und viele der seltenen Sorten würden dieses nicht bestehen. Will ein Betrieb nicht-industrielle Sorten von Obst und Gemüse verkaufen, muss er klein bleiben: er darf nicht mehr als 10 MitarbeiterInnen haben und 2 Mio. Umsatz machen. Solche Kleinbetriebe dürfen nicht registrierte Sorten verkaufen, jedoch wird die Menge von der EU reglementiert: sie muss „klein“ bleiben. Wie groß „klein“ ist, will die EU-Kommission hinter verschlossenen Türen festlegen) alte/seltene Sorten verkaufen, so müssen diese zugelassen sein. Das Zulassungsverfahren bleibt aber weiterhin kostspielig und viele der seltenen Sorten würden dieses nicht bestehen.

Auch die „erleichterte Registrierung“ in der EU-Verordnung ist reine Kosmetik. Denn sie gilt nur für Sorten, die beim in Kraft treten der Verordnung bereits am Markt waren (Artikel 57). Das ist absurd: Die Biologie bleibt nicht an einem Tag X stehen, sondern entwickelt sich weiter. Diese „historische Klausel“ wäre für viele Sorten das Aus, da sie seit jeher nur lokal genutzt oder weitergegeben wurden und nie offiziell am Markt waren. Auch muss eine oder mehrere „Ursprungsregion(en)“ (innerhalb eines Landes ) angegeben werden. Aber kaum eine Sorte hat ihren Ursprung wirklich in Europa (Tomaten, Äpfel, Weizen, …).

Ein besonderes Schmankerl: Die Verordnung macht auch vor Privatpersonen nicht halt. Für sie ist die Weitergabe von Saatgut in dieser Verordnung geregelt. Artikel 2 besagt etwa, dass Saatgut nur getauscht, nicht aber gegen Geld weitergegeben werden darf. Eine Pensionistin, die ihr Saatgut am Markt für ein paar Euro abgibt, müsste Etikettierungsvorschriften einhalten.

Dies sind nur ein paar Beispiele. Das Handout zum Download fasst unsere wichtigsten und dringlichsten Anmerkungen und Bedenken zum neuen EU- Saatgutverkehrsrecht aus der Perspektive der Erhaltungsarbeit und der landwirtschaftlichen Artenvielfalt zusammen.