GLOBAL 2000: Warum habt ihr einen Frozen-Yogurt-Laden gegründet?

Ronald: Ich habe meine Frau Shelley in Kalifornien kennen gelernt, wir waren beide in der Hotelbrache tätig und haben diese Karriere nach einiger Zeit an den Nagel gehängt. Wir sind dann nach Wien gezogen und hatten den Traum uns selbstständig zu machen. Ein Jahr lang haben wir überlegt, bis meine Frau die Idee hatte, einen Frozen-Yogurt-Laden aufzumachen, unser Freund und ebenfalls Gründer von „Kurt“ Yong-Beom Kang war auch ganz begeistert von ihrem Einfall. Zu diesem Zeitpunkt war Frozen Yogurt in Kalifornien schon sehr lange populär, in Wien gab es in dem Bereich noch gar nichts. Unsere Idee war, ein qualitativ hochwertiges Premiumprodukt in einem leichten, unaufdringlichen Ambiente mit hoher Servicequalität und freundlichem Personal anbieten. Für uns war auch von Anfang an klar: Entweder wir versuchen unser Unternehmen 100 Prozent nachhaltig zu führen, oder wir lassen es.

GLOBAL 2000: Was ist der Grund für den wirtschaftlichen Erfolg von Kurt? Ist es einfach ein „In“-Produkt aus den USA, weil es gesünder ist, oder wegen dem „grünen“ Konzept?

Ich glaube, dass wir mit unserem Konzept viele unterschiedliche Kunden und Interessen ansprechen. Da wäre erstens der Kunde, dem - ganz banal ausgedrückt - Frozen Yogurt einfach schmeckt. Zweitens kommen viele aufgrund des Gesundheitsfaktors. Unser Produkt garantiert einen niedrigen Fett- und Zuckergehalt, sprich es enthält wenige Kalorien, außerdem verwenden wir für unsere Joghurts zu 100 Prozent reine Bio-Produkte. Ein weiterer Punkt, der viele anspricht, ist natürlich auch der Lifestyle des Produkts, sie vertrauen der Marke Kurt. Der vierte und für uns sehr wesentliche Punkt ist die Umweltfreundlichkeit von Kurt Frozen Yogurt. Wir machen uns Gedanken über eine umweltschonende Verpackung, Herstellung und vieles mehr. Last but not least kommt der Service-Faktor. Bei Kurt achten wir sehr auf Freundlichkeit und das soll der Kunde auch spüren. Die Gesamtheit dieser Faktoren macht den Erfolg von Kurt aus.

GLOBAL 2000: Aber ist dieses „grüne Konzept“ nicht auch eine Lifestyle-Geschichte?

Es ist so, dass wir bei Kurt dieses „grüne Konzept“ nicht mit der Brechstange durchziehen. Wir vermitteln die Message subtil, unaufdringlich und prangern unser Anliegen nicht groß an. Ich will aus der Umweltfreundlichkeit unseres Unternehmens kein Aushängeschild machen, dazu ist uns das zu wichtig. Wir haben zum Beispiel oben im Laden an der Wand einen Baum abgebildet, auf dem unser Konzept angeführt wird. Wer sich dafür interessiert, kann sich das anschauen, oder zum Beispiel auf unserer Homepage nachlesen.

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GLOBAL 2000: Und wie achtet ihr auf die Umweltfreundlichkeit in eurem Unternehmen und die Qualität der Produkte?

Wenn es um die Qualität eines Produktes geht, muss man genauer hinschauen. Viele sagen, sie bieten Bio-Frozen-Yogurt an, wo in Wahrheit nur das Yogurt selbst und nicht die anderen Bestandteile Bio sind. Im Frozen Yogurt gibt es ja schließlich mehr Zutaten als nur Yogurt. Bei uns sind alle Zutaten im Yoghurt Bio-zertifiziert. Nicht so einfach ist es leider bei den Toppings, weil zum Beispiel nicht alle Früchte zu jeder Zeit Bio verfügbar sind. Um das Angebot zu halten, müssen wir deswegen leider zum Teil auch auf Nicht-Bio-Produkte zurückgreifen. Bei der Verpackung kommen wir ganz ohne Plastik aus, unsere Becher sind aus Zuckerrohr, die Löffel aus Maisstärke und somit biologisch abbaubar. Weiters verwenden wir Ökostrom und versuchen den CO2-Ausstoss unseres Unternehmens möglichst niedrig zu und unsere Transport– und Arbeitswege kurz zu halten. Zudem lassen wir uns regelmäßig den Betrag des ausgestoßenen CO2s von der Firma „Co2ol“ ausrechnen. Die Firma errechnet die Menge an CO2, die wir verursacht haben und die Menge an Bäumen, die wir pflanzen müssen, um diesen Wert auszugleichen. Aus diesem Grund spenden wir dann Geld für ein Aufforstungsprojekt in Panama und legen noch etwas drauf, um quasi einen „Puffer“ zu haben.

GLOBAL 2000: Ist euch abseits von Kurt ein umweltfreundlicher Lebensstil wichtig und woher kommt dieses Denken?

Diese Frage wurde mir schon einmal bei einem Interview gestellt und ich habe damals ehrlich gesagt keine Antwort gewusst. Ich glaube das Umdenken hat bei mir in der Zeit eingesetzt, als ich in Amerika in einem Hotel gearbeitet habe. Sie hatten dort riesige Mülltonnen, in denen einfach alles entsorgt wurde, egal ob Fleisch, Coladosen oder Papier. Das mit anzusehen, hat mir damals einen Stich versetzt und noch heute schmerzt mich so etwas. Das ist einfach eine egoistische Lebensweise, nach dem Motto: „Hauptsache der Dreck ist nicht bei mir.“ Die Antwort lautet also: Ja, wir achten auch persönlich auf einen umweltfreundlichen Lebensstil. Sei es beim Einkaufen oder beim Weg ins Büro.

GLOBAL 2000: Wo du es schon erwähnst: Wie sieht es deiner Meinung nach mit dem Klimaschutzbewusstsein bei den Menschen aus?

Ich glaube ehrlich gesagt, dass viele Leute zu faul sind, ihren Lebensstil zu ändern und mit Gewohnheiten zu brechen. Ein umweltbewusster Lebensstil soll nichts außergewöhnliches, sondern etwas selbstverständliches sein. Umweltschutz wird politisch in die linke Ecke gerückt und man wird gleich als „Alternativer“ bezeichnet, wenn man sich dafür einsetzt. Verantwortungsvolles „grünes“ Handeln kann genauso „Mainstream“ sein und muss es auch werden. Man sollte die Kinder mit einem Bewusstsein für die Natur erziehen, denn Bildung ist sicher ein erster Schritt, um die Situation zu verbessern.

GLOBAL 2000: Kleine Schlussfrage: Kannst du überhaupt noch Frozen Yogurt essen, nachdem du jeden Tag damit zu tun hast?

(Lacht) Ja, ich esse es immer noch sehr gerne, vor allem das pure Yogurt. Im Arbeitsalltag komme ich aber nicht wirklich dazu. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich es bestimmt noch öfter konsumieren. Zum Glück ist Frozen Yogurt ein Produkt, von dem man sich nicht satt sehen und essen kann, ich könnte zwei Stunden, nachdem ich einen Becher gegessen habe, den nächsten essen.

Das Interview führte Barbara Tunkowitsch.