Bild: Qabluna / flickr.com

Ich bin ein freiheitsliebender Mensch. Freiheit heißt für mich unter anderem, unbeschränkt mobil zu sein. In den letzten Jahren plagte mich jedoch immer öfter ein schlechtes Gewissen, wenn ich daran dachte, wie sehr meine persönliche Freiheit die Umwelt belastete. Wie also Umwelt und Freiheit unter einen Hut kriegen? „Illusorisch“, so der lapidare Kommentar meiner FreundInnen. Ich begann zu kalkulieren: Meine Freiheit kostete die Umwelt 2.700 Kilogramm CO² pro Jahr; Vignette, Versicherung, Service, Pickerl, Parkkosten, Abnutzung und vor allem Spritkosten kosteten mich im selben Zeitraum rund 4.000 Euro. Abspecken musste hier doch für beide Seiten möglich sein.

Erster Schritt: umdenken!

Als erstes verkaufte ich also mein geliebtes Auto und begann umzudenken. Kurze Strecken gehe ich seither zu Fuß: Das spart auf jeden Fall CO2 und im dichten Stadtverkehr meistens sogar Zeit, und hält ganz nebenbei auch fit. Im Gegensatz zu meinen fahrradbegeisterten KollegInnen kann ich mich für den Drahtesel nicht erwärmen. Etwas weitere Distanzen lege ich also entweder mit den Öffis zurück — es ist herrlich, keinen Parkplatz suchen zu müssen — oder aber mit einem Leihauto. Ich war angenehm überrascht, wie frei und mobil ein „autoloser“ Mensch sein kann.

Grenzenlose Freiheit ...

Nach einem Monat völliger Autoabstinenz registrierte ich mich bei car2go und erhielt neben einer kurzen Einschulung auch gleich meine Membercard. Bei der nächsten Gelegenheit testete ich meine neue car2go-Smartphone-App: Binnen Sekunden ortete ich damit das nächste freie Fahrzeug — einen Smart, versteht sich, denn car2go bietet nur den kleinen Cityflitzer an: ein enormer Vorteil, was die Parkplatzsuche betrifft. Pro Tag kostet der Zweisitzer maximal 59 Euro, pro Stunde maximal 12,90 Euro und pro Minute maximal 0,29 Euro, Spritkosten und Parkgebühren inklusive. Ich fand also meinen Smart, hielt den Anweisungen zufolge meine Membercard an das auf der Windschutzscheibe befestigte Lesegerät und los ging's. Als Nichtwiener freute ich mich über das integrierte Navigationssystem des Fahrzeugs. Ich fand problemlos meinen Zielort und ließ meinen Smart, nachdem ich wieder meine Membercard an das Lesegerät gehalten und  ordnungsgemäß geparkt hatte, einfach dort, wo er war.
 
Mittlerweile habe ich car2go schon oft genutzt: Bei einer Flotte von 600 Smarts in Wien ist jederzeit ein Fahrzeug zur Verfügung, bis dato musste ich nie mehr als 400 Meter zu meinem Auto gehen, auf der Autobahn verhält sich der Klein-PKW besser als erwartet und auch die Abrechnung erfolgt problemlos direkt über mein Konto.

… ohne eigenes Auto

An einem Donnerstag, an dem ich beruflich in der Nähe von St. Pölten zu tun hatte, beschloss ich, den nächsten Anbieter genauer unter die Lupe zu nehmen: carsharing.at. Ich nahm also den Zug — genau 21 Minuten von Wien nach St. Pölten — und reservierte über mein Handy ein Fahrzeug, Autotyp und -größe konnte ich mir aussuchen. Direkt am Bahnhof fand ich mein Fahrzeug auf dem Carsharing-Parkplatz — äußerst praktisch. Mittlerweile habe ich dasselbe Arrangement auch in Linz und Salzburg ausprobiert: mit dem Zug in die Zielstadt und von dort mit dem Leihauto direkt vom Bahnhof aus weiter. Leider fehlten hier an Bord die integrierten Navigationsgeräte, die ich bei car2go bereits zu schätzen gelernt hatte. Und bei der Bezahlung war das System für mich ohne den auf der Webseite verfügbaren Rechner auf den ersten Blick nicht ganz einfach zu durchschauen: Zwischen 7:00 und 24:00 Uhr sind je PKW-Modell 1,4 bis 2,35 Euro pro Stunde zu bezahlen, die restliche Zeit kosten alle PKWs 0,4 Euro. Für die ersten 100 Kilometer werden je nach PKW zwischen 39 und 63 Cent verrechnet, danach wird jeder weitere Kilometer billiger. Dennoch: Die Kombination von Zug mit dem direkt am Bahnhof zur Verfügung stehenden Auto für die Weiterfahrt ist einfach bestechend. Für einen Ausflug mit FreundInnen steht mir hier auch ein Viertürer mit Kofferraum zur Verfügung, und sollte ich wieder mal umziehen wollen, sogar ein Transporter.

Mehr Freiheit als vorher

Ehrlich gesagt fühle ich mich freier als vorher. Die monatlichen Kosten fürs Auto haben sich enorm verringert und ganz nebenbei ist auch mein „Umwelt-Gewissen“ leichter geworden — beides ein Gewinn für meinen Seelenfrieden.

Wann immer es geht, verzichte ich aufs Auto. Und wenn ich glaube, dass es nicht ohne geht, miete ich mir eines. Innerhalb von Wien nehme ich car2go, weil ich da mein Auto überall und nicht nur auf einem speziell gekennzeichneten Parkplatz zurückgeben kann. Ansonsten greife ich auf carsharing zurück. Übrigens: Den wöchentlichen Großeinkauf lasse ich mir gratis zustellen. Auto überflüssig!

Bild: Empty Road von Qabluna / flickr.com CC-BY-NC-ND