GLOBAL 2000: Wie hat man bei Ihnen den Morbus Basedow entdeckt?

Schreiber: Vor mittlerweile zwölf Jahren ist es mir einmal ziemlich schlecht gegangen. Ich habe damals die Diagnose bekommen: Die Schilddrüse spinnt und ich habe diesen Morbus Basedow. Ich habe das eineinhalb bis zwei Jahre schulmedizinisch behandelt. Man hat mir gesagt, ich solle jodiertes Salz meiden und Meerurlaub komme nicht in Frage. Dann hat es geheißen, ich soll mir die Schilddrüse raus operieren lassen. Damit könne man gut leben. Ich als Blasmusiker habe mir gedacht, ich lasse mir nicht in den Hals hineinschneiden. Der Basedow geht deshalb auch nicht weg, nur weil die Schilddrüse raus ist. Mein Hausarzt hat dann gemeint, jetzt stoppen wir die Behandlung einmal. Danach hatte ich vier Jahre Ruhe, aber dann ist es wieder gekommen. Erst beim zweiten Mal habe ich mich ein bisschen mehr mit den Ursachen und mit alternativen Behandlungsmethoden beschäftigt. Ich muss Tabletten nehmen. Aber Ich kann mein Wohlbefinden auch ziemlich gut über die Ernährung steuern.

GLOBAL 2000: Der Zusammenhang zwischen Kropfbildung und Jodmangel ist in der Schweiz Anfang des 20 Jahrhunderts erkannt worden. Damals hat man begonnen, die Bevölkerung flächendeckend zu versorgen.

Schreiber: Die allgemeine Versorgung hat sicher etwas bewirkt. Aber man muss jetzt langsam evaluieren. Die Nebenwirkungen sind mittlerweile stärker als die Hauptwirkungen gegen die Kröpfe. Es gibt aus den 60er-Jahren Untersuchungen, die besagen, dass es nicht der Jodmangel alleine war, der die Kröpfe verursacht hat. Ich fände es dringend notwendig, dass man bei Gesundenuntersuchungen den Jodzustand eines jeden einzelnen misst.

GLOBAL 2000: Ernährungswissenschafter meinen nach wie vor, dass es wichtig ist, über die Ernährung möglichst viel Jod aufzunehmen. Sie sagen aber, es ist eigentlich zu viel Jod in der Nahrung und wir wissen gar nicht so genau, wo es drinnen ist. Wie haben Sie das für sich gelöst?

Schreiber: Ich kaufe hauptsächlich Bio-Lebensmittel und esse naturnah. Ich koche wenig, esse sehr viel roh. Ich habe in einer Akutphase einmal für drei Monate überhaupt nur Rohkost gegessen. Nur Salat, rohes Gemüse, nichts Gekochtes. Das war eine Phase, wo ich mich sehr wohl gefühlt habe, wo meine Werte sehr gut waren. Auch wenn das keinen direkten Zusammenhang mit dem Jod hat. Ich salze nur mit unjodiertem Salz. Im jodierten Salz ist das unnatürliche Jodid drinnen. Das natürliche Jod, das in der Nahrung vorkommt, ist nicht so problematisch für mich. Ich schaue auch beim Einkauf darauf, dass kein jodiertes Salz drinnen ist. Das Einkaufen wird aber immer schwieriger. Fertigprodukte findet man gerade in Österreich kaum mehr ohne jodiertes Salz. Ich bin Vegetarier geworden. Ich esse kein Fleisch und keinen Fisch. Die Tiere werden mit Jod gefüttert. Daher sind auch Fleisch und Milch mit Jod belastet. Natürlich braucht man ein gewisses Maß an Jod. Aber es gibt auch Jod-kritische Stimmen, die sagen, wir sind einfach schon überjodiert. Sogar die Schulmediziner sagen, im Akutstadium soll ich Jod beim Morbus Basedow meiden. Ich selbst merke sofort, wenn ich was esse, wo jodiertes Salz drinnen ist. Ich bilde es mir zumindest ein… Es gibt natürlich Leute, die in Regionen leben, wo Jodunterversorgung herrscht. Aber dann jodiert man die ganze Welt? Das wäre so, wie wenn 30 Prozent der Bevölkerung regelmäßig Kopfweh haben, aber 100 Prozent bekommen regelmäßig zwangsweise Aspirin.

GLOBAL 2000: Wie weiß man denn, ob in einem Lebensmittel jodiertes Salz drinnen ist?

Schreiber: Seit ein paar Jahren gibt es eine Verordnung, dass jodiertes Salz deklariert werden muss. Wenn Vollsalz draufsteht, ist es jodiert, sonst kann Salz draufstehen oder unjodiertes Salz, oder Steinsalz. Dann weiß man, dass es nicht jodiert ist. Aber bei vielen Produkten wird eben jodiertes Salz verwendet. Das Badischler Salz, das man überall bekommt, gibt es auch unjodiert, aber leider eben selten im Supermarkt. Dann gibt es das Meersalz, das viele Bio-Hersteller verwenden, das einen natürlichen Jodgehalt hat, der aber weit geringer ist als die künstliche Jodierung. Das Himalayasalz oder das Steinsalz aus den Alpen sind unjodiert.

GOBAL 2000: Was würden Sie sich denn von der Lebensmittelkennzeichnung wünschen, um Betroffenen den Alltag zu erleichtern?

Schreiber: Es gibt glutenfreie oder laktosefreie Produkte. Es wäre einfach schön, wenn es auch mehr Produkte gäbe, wo kein jodiertes Salz enthalten ist. Generell wäre eine Information wichtig, dass nicht alle Jod in diesen Mengen brauchen, nicht einmal die, die einen erhöhten Bedarf haben, sondern dass Jod ein Spurenelement ist, das man sehr vorsichtig einsetzen muss. Und es wäre wahnsinnig wichtig, das einmal richtig zu stellen.

GLOBAL 2000: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Schreiber: Ich hoffe, dass die Bevölkerung einfach aufmerksam wird und dass Widerstand aufkommt, weil in Zukunft immer mehr Lebensmittel mit Spurenelementen angereichert werden sollen. Ich wünsche mir, das die Information einerseits und das Konsumentenbewusstsein andererseits verbessert wird.

(Von Heidi Porstner)