Diese drei Fragen haben wir den Spitzenkandidaten gestellt:

  1. Wie hoch soll der Anteil erneuerbarer Energie ihrer Meinung nach im Jahr 2030 in Kärnten sein und was sind für Sie die wichtigsten Maßnahmen zur Umsetzung?
  2. Sind Sie für klare rechtliche Regelungen, die sicherstellen, dass statt dem Neu-Einbau von Ölheizungen klimafreundliche Heizsysteme installiert werden?
  3. Welche konkreten Maßnahmen für umweltfreundliche Mobilität wollen Sie umsetzen?

SPÖ, ÖVP, Grüne, Liste Kärnten und NEOS: Das sind ihre Antworten

Die SPÖ will den Anteil erneuerbarer Energie bis zum Jahr 2030 auf 100 % erhöhen. Dafür soll es vor allem mehr Bewusstseinsbildung geben, mehr Einsatz von Photovoltaik und Wärmepumpen statt Ölheizungen. Zudem verweist die SP auf ein neues Wohnbaufördergesetz, womit keine fossilen Brennstoffe mehr gefördert werden. Im Mobilitätsverhalten will man mit verbesserten Analysen die Steuerung der Verkehrsinfrastruktur verbessern. 

Die ÖVP will ebenfalls 100 % erneuerbare Energie in Kärnten, dafür sollen öffentliche Gebäude auf Wärmeversorgung auf Basis erneuerbarer Energie umgestellt werden, Industriedächer mit Photovoltaik bestückt werden und das Best-Bieter-Prinzip verankert werden. Vorschriften, Verbote und Gebote sollen nicht kommen, stattdessen Bewusstsein in der Bevölkerung geschaffen werden. Gleichzeitig soll es Umstiegsförderungen für klimafreundliche Heizsysteme geben. Im Mobilitätsbereich soll der öffentliche Verkehr ausgebaut werden, insbesondere damit Menschen aus den Tälern pendeln können. 

Die Grünen wollen 100 Prozent erneuerbare Energie bei Strom und Wärme bis 2025 und bei der Mobilität im Jahr 2035, wie im Energiemasterplan festgehalten. Mit gezielten Förderungen und kostenlosen Energieberatungen sollen Fortschritte gelingen. Fossile Heizanlagen sollen durch erneuerbare ersetzt werden und neue Regeln erlassen werden, die verhindern das weiter Ölkessel eingebaut werden. Die Grünen verweisen darauf, dass die ÖVP aber gegen ein Gebot für erneuerbare Energie gestimmt hat. Auch die Fernwärme soll auf 100 % Biomasse umgestellt werden. Im Mobilitätsbereich soll vor allem der öffentliche Verkehr mit günstigen und sogar kostenlosen Angeboten forciert werden und die Elektrifizierung bei der Bahn durch E-Carsharing und E-Räder vorangetrieben werden. 

Das Team Kärnten will den Anteil erneuerbarer Energie durch weniger Energieverschwendung, die Steigerung der Energieeffizienz und den Ersatz fossiler Energieträger wie Biomasse, Wasserkraft, etc. erhöhen. Für klimafreundliche Heizsysteme soll es extra Förderungen geben. Thermische Gebäudesanierung mit natürlichen Materialien gefördert werden. Ein Verbot von Ölheizungen soll nicht kommen. Im Mobilitätsbereich will das Team Kärnten Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger und die Zersiedelung stoppen. 

Die NEOS sehen eine hohe Abhängigkeit von der Klima- und Energiestrategie des Bundes und deren Vorgaben. Maßnahmen sind Gebäudesanierungen oder die Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs. NEOS sieht das Problem, das alte Ölheizungen durch neue ersetzt werden und will Anreize für den Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme setzen. Im Mobilitätsbereich sollen Verursacher von Schäden auch dafür aufkommen. So soll eine kilometerabhängige Autobahn-Maut kommen und über eine Steuerstrukturreform gemäß NEOS ineffiziente Umweltsteuern durch eine effiziente CO2-Steuer ersetzt werden. 

Unsere Bewertung der Antworten

An den Antworten erkennt man, dass zwar die meisten Parteien ehrgeizige Ziele verfolgen, die vorgeschlagenen Maßnahmenpakete damit aber oft nicht konsistent sind. So ist es zwar sinnvoll mit Bewusstseinsbildung und Anreizen zu arbeiten, die Vergangenheit zeigt aber, dass diese Maßnahmen oft nicht ausreichen. Gerade im Gebäudebereich wird von der Mineralölwirtschaft eine Förderinitiative für Heizen mit Öl betrieben was die Ziele der öffentlichen Hand konterkariert. Hier sollten die Maßnahmenprogramme der Parteien erweitert werden und der Einbau von klimafreundlichen Heizsystemen zum Standard erklärt werden. Im Mobilitätsbereich versprechen die meisten Parteien Verbesserungen für öffentlichen Verkehr und RadfahrerInnen, was nach den Wahlen in konkreten Konzepten umgesetzt werden muss.

Die Antworten der Spitzenkandidaten im Wortlaut

1. Wie hoch soll der Anteil erneuerbarer Energie ihrer Meinung nach im Jahr 2030 in Kärnten sein (bezogen auf Endenergiebedarf) und was sind für Sie die drei wichtigsten Maßnahmen zur Umsetzung?

Peter Kaiser (SPÖ): Kärnten liegt über 50 % erneuerbarer Energie an der Europa-Spitze. Ziel ist es, bis 2030 Richtung 100 % zu kommen. Dafür müssen wir einerseits die Energieverschwendung stoppen – dazu bedarf es auch einer Bewusstseinsbildung dafür, dass Energie nicht immer und überall genutzt werden muss – zweitens muss Energie effizienter eingesetzt werden (smarte Energieanlagen, Photovoltaikanlagen ausbauen…) und drittens fossile Energieträger durch erneuerbare ersetzen (etwa Wärmepumpen statt Ölheizungen)

Gernot Darmann (FPÖ): Keine Antwort erhalten 

Christian Benger (ÖVP): 100 %! Das hält den Wirtschaftskreislauf in Schwung, unser Geld fließt nicht ins Ausland ab, wir schaffen neue Arbeitsplätze und sichern die flächendeckende Land- und Forstwirtschaft und damit die Strukturen in den Tälern und Gemeinden. Umsetzung: Gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen, damit öffentliche Gebäude zu 100 % auf die Wärmeversorgung durch erneuerbare Energie umstellen können. 1.000-Dächer-Aktion – Bereitstellung von Industrie-Dächern für Photovoltaik-Anlagen, auch dafür gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen. Verwendung heimischer Baustoffe als Fördervoraussetzung verankern, das Best-Bieter-Prinzip in allen Bereichen verankern, damit der CO2-Ausstoss durch kurze Strecken reduziert wird.

Rolf Holub (Grüne): Im Gesamtendenergieverbrauch wollen wir in den Bereichen Strom und Wärme bis 2025 100% Erneuerbare erreichen; bei der Mobilität 2035. Das sind die Ziele unseres Energiemasterplans, den wir konsequent umsetzen. Mit Ende 2016 waren wir bei 55,4% das zeigt wir sind am richtigen Weg. In der Stromproduktion waren wir verglichen mit dem bilanziellen Stromverbrauch bereits 2017 bei 100%. 
Maßnahmen: gezielte Förderungen, kostenlose Energieberatungen, neue Regeln (z.B. Verbot von fossilen Heizanlagen). Heizen mit Biomasse und Solarthermie; Förderung der E-Mobilität. Ausbau der Erneuerbaren.

Gerhard Köfer (Team Kärnten): Kärnten produziert heute schon die Strommenge, die es rein rechnerisch selber verbraucht. Der Anteil der Erneuerbaren Energie am Endenergieverbrauch beträgt über 50 Prozent. Dieser Anteil soll sukzessive gesteigert werden und das durch folgende Maßnahmen:  Energieverschwendung reduzieren (bspw. durch Beratung), Energieeffizienz steigern und fossile Energieträger durch Erneuerbare Energie ersetzen: Biomasse, Wasserkraft inkl. Speichernutzung, Photovoltaik, Kraftwärmekopplung, Windkraft, etc.

(Neos): Hier besteht eine hohe Abhängigkeit von der bundesweiten Umsetzung der Klima- und Energiestrategie und deren sektoralen Vorgaben. Wir hoffen, dass diese von Bundesministerin Köstinger ehebaldigst präsentiert und mit der Umsetzung begonnen wird. Klar ist: wir müssen den Verbrauch fossiler Energie eindämmen. Möglichkeiten sehen wir hier im Bereich von Gebäudesanierungen, Ausbau und Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs und Maßnahmen zur Verlagerung des Transitverkehrs auf die Schiene.

2. Sind Sie für klare rechtliche Regelungen, die sicherstellen, dass statt dem Neu-Einbau von Ölheizungen klimafreundliche Heizsysteme installiert werden?

Peter Kaiser (SPÖ): Mit dem neuen Kärntner Wohnbauförderungsgesetz legt das Land bei der Wohnbauförderung den Schwerpunkt auf Sanierung und Förderung erneuerbarer Energie. Demnach werden keine fossilen Brennstoffe und keine Elektroheizungen gefördert. Ziel ist die Umstellung auf ausschließlich erneuerbare Energie und Heizungsoptimierung. Die Verwendung fossiler Brennstoffe (Öl-, Kohle-, Stromheizung) im Neubau ist nicht zulässig und auch bei der Förderung der umfassenden energetischen Sanierung ausgeschlossen.

Gernot Darmann (FPÖ): Keine Antwort erhalten 

Christian Benger (ÖVP): Ich bin ein Gegner von Vorschriften, Verboten und Geboten. Wir brauchen die Eigenständigkeit, die Eigenverantwortung. Die Menschen müssen selbst das Bewusstsein entwickeln, dass wir ein enkeltaugliches Land übergeben müssen. Gebote und Verbote, Gesetze und Verordnungen entmündigen die Menschen und das eigene Handeln leidet darunter. Ich bin für mehr Bewusstseinsschaffung schon von Kindesbeinen an und dann auf allen weiteren Ebenen, Schule, Ausbildung usw. Und ja, ich bin für attraktive Umstiegsförderungen und in den Förderkriterien müssen klimafreundliche Heizsysteme dafür fix verankert werden. Wer öffentliches Geld will, muss an die Zukunft des Landes denken. Wer was anderes will, bekommt keine Förderung.

Rolf Holub (Grüne): Ja! Wir arbeiten seit Jahren daran, dass 100% Biomasse bei den Fernwärmeanlagen eingesetzt wird. Es geht noch weiter – wir arbeiten daran Fernwärmeanlagen nachzurüsten 
und Solarthermie zur Teilabdeckung zu nutzen. Das gilt auch für die Kessel in Einfamilienhäusern und im mehrgeschossigen Wohnbau. Alle fossilen Heizsysteme sollen durch ökologische ersetzt werden und im Neubau nur noch fossilfreie Heizsysteme eingebaut 
werden. Wir haben das immer schon vertreten – konkret hat die ÖVP bei der Bauordnungsnovelle aber gegen ein Gebot für Erneuerbare gestimmt.

Gerhard Köfer (Team Kärnten): Die Ausstattung muss sich immer über die Preise regeln. Folgende Maßnahmen wären notwendig: Günstige Wärme aus Fernwärmeversorgung, erschwingliche Preise für Pellets bzw. Hackschnitzel, Wohnbauförderung mit extra Förderungen für klimafreundliche Heizsysteme, thermische Gebäudesanierung/Dämmung mit natürlichen Materialien, Heizkesseltausch forcieren, Niedertemperaturheizsysteme gekoppelt mit thermischen Solaranlagen fördern. Ein Verbot von Ölheizungen lehnen wir ab.

NEOS: Wir sehen die Probleme weniger bei der Neuinstallation von Ölheizungen – die passieren nur mehr in geringem Ausmaß, zumeist sind die Heizsysteme bei neuen Bauten deutlich umweltfreundlicher. Die Frage ist vielmehr, wie setzt man Anreize, dass man einen alten Ölheizkessel nicht gegen einen neuen Ölheizkessel tauscht und somit für weitere Jahre in der Abhängigkeit von Heizöl verbleibt. Wir sind uns sicher, dass es hier auf Landesebene Möglichkeiten gibt, Anreize in die Richtung des Umstiegs auf umweltfreundliche und nachhaltige Heizsysteme zu setzen.

3. Welche konkreten Maßnahmen für umweltfreundliche Mobilität wollen Sie umsetzen?

Peter Kaiser (SPÖ): Mobilitätsverhalten und der räumlichen Entwicklung befassen. Die Schwerpunkte liegen auf Agent-Based Mobility Modelling, Shaping Spatial Solutions und Smart Track. Die Ergebnisse sollen u.a Analysen, Gutachten für die Bewertung und Steuerung der Verkehrsinfrastruktur und der Raumgestaltung sein. 

Gernot Darmann (FPÖ): Keine Antwort erhalten 

Christian Benger (ÖVP): An erster Stelle steht der Ausbau des öffentlichen Verkehrs. In den letzten Jahren haben wir hier an der falschen Stelle gespart. Damit der aber funktioniert, müssen die Täler und Gemeinden so attraktiv sein, dass genug Menschen vor Ort wohnen, die dank der Lebensqualität vor Ort gerne Pendeln. Andere Städte und Regionen leben es uns vor: Die Elektrifizierung bzw. alternative Antriebssysteme müssen im öffentlichen Verkehr selbstverständlich sein. Wie überhaupt viele Regionen Europas hier als Beispiel dienen können, wo die CO2-Reduktion mit vielen Einzelmaßnahmen gelingt.

Rolf Holub (Grüne): Wir haben einen Mobilitätsmasterplan für Kärnten erarbeitet. Die Vision bis 2035 ist, dass wir den öffentlichen Verkehr auf 20% bringen, die Rad und Fußwege auf 40% hoch bringen und die individuelle Mobilität auf 40% drücken. Wir wollen vor allem den öffentlichen Verkehr forcieren. Günstige oder sogar kostenlose Nutzung der Öffis ermöglichen. In allen Bereichen soll es zur Elektrifizierung kommen. Bei der Bahn schaffen wir das bereits bis 2023. E-Carsharingsysteme werden gefördert. Mobilitätsknoten sollen den komfortablen Umstieg ermöglichen z.B. vom Öffi zum E-Carsharing oder E-Rad.

Gerhard Köfer (Team Kärnten): Wir stehen für die Verbesserung der Situation für Radfahrer und Fußgänger, ohne aber auf die berechtigten Anliegen der Autofahrer zu vergessen. Zahlreiche Pendler sind in Kärnten aufgrund der geographischen Situation auf ihr Auto angewiesen. Was wir wollen ist der konsequente Ausbau des Radwegenetzes sowie die Forcierung einer Kombination Rad und öffentlicher Verkehr. Ebenfalls gilt es die Zersiedelung zu stoppen und sinnvolle Infrastruktur zu entwickeln.

NEOS: Als eines der Prinzipien bei der Festlegung von Abgaben soll verstärkt die Verursachung herangezogen werden – wer Schäden verursacht, muss dafür aufkommen. Dies gilt für vor allem beim Verkehr. Eine Umstellung auf eine km-abhängige Autobahn-Maut ist genauso wünschenswert, wie die Etablierung des 3V-Konzept (Verlagern, Vermeiden, Verbessern). Im Zuge einer Steuerstrukturreform sollen ineffiziente Umweltsteuern abgeschafft werden und durch eine effiziente Co2 Steuer ersetzt werden.