Tiroler Fahne

Diese drei Fragen haben wir den Spitzenkandidaten gestellt:

  1. Wie hoch soll der Anteil erneuerbarer Energie ihrer Meinung nach im Jahr 2030 in Tirol sein und was sind für Sie die wichtigsten Maßnahmen zur Umsetzung?
  2. Sind Sie für klare rechtliche Regelungen, die sicherstellen, dass statt dem Neu-Einbau von Ölheizungen klimafreundliche Heizsysteme installiert werden?
  3. Welche konkreten Maßnahmen für umweltfreundliche Mobilität wollen Sie umsetzen?

ÖVP, SPÖ, Grüne, Liste Fritz und NEOS: Das sind ihre Antworten

Die FPÖ hat als einzige Partei unsere Fragen nicht beantwortet. Generell haben alle anderen Parteien eine Vorstellung skizziert wie Klimaschutz und die Energiewende ihrer Meinung nach umgesetzt werden sollen. Auf die Frage wie hoch der Anteil erneuerbarer Energie im Jahr 2030 in Tirol sein soll, nannte allerdings keine Partei einen klaren Wert. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass an klaren mittelfristigen Zielsetzungen noch gearbeitet werden muss. Denn das Jahr 2030 ist nicht mehr weit weg und für das erklärte Ziel einer Energieautonomie in Tirol bis 2050 wird es Zwischenziele brauchen. Nicht alle Fragen wurden immer von allen klar beantwortet, aber eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen findest du hier:

Langfristig will die ÖVP ohne fossile Energieträger auskommen und die Wasserkraft ausbauen. Es gibt auch ein Bekenntnis zur E-Mobilität und Bewusstseinsbildung. Der Umbau des Energiesystems soll aber ohne harte Gesetze erreicht werden. Im Mobilitätsbereich sollen sinnlose LKW-Fahrten durch Tirol verhindert werden und die Korridormaut München-Verona kommen. Die VP will den Schienenverkehr mit mehr Kostenwahrheit im Verkehr attraktivieren, eine LKW-Obergrenze einführen und Radwege in Tirol ausbauen.

Die SPÖ will eine Effizienzoffensive starten und bis 2030 ein Viertel des Energieverbrauchs einsparen. Der Rest soll über erneuerbare Energien gedeckt werden, auch hier wird die Wasserkraft als wichtige Energiequelle genannt. Für den Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme sollen Förderungen längerfristig eingeplant werden. Im Mobilitätsbereich will die SP bei der Errichtung von Wohnhäusern Ladesäulen für E-Mobilität vorsehen, Schnellladestationen entlang von Verkehrsrouten erreichten die öffentliche Verkehrsanbindung verbessern.

Die Grünen verfolgen die Vision Energie gänzlich ohne CO2-Ausstoß zu erzeugen, wollen den Anteil der Solarenergie verdoppeln, die Öffi-Wende im Verkehr erreichen und den Transitverkehr halbieren. Der Einbau klimafreundlicher Heizsysteme soll zum rechtlichen Standard werden und der Einbau von neuen Ölheizungen damit zurückgedrängt werden. Stattdessen soll Sonnenenergie und Erdwärme verstärkt genutzt werden. Die Grünen verweisen darauf, dass durch die Tarifreform im öffentlichen Verkehr die Anzahl der Jahreskarten verzehnfacht werden konnte. In Zukunft sollen Radwege verstärkt ausgebaut werden und der öffentliche Verkehr auch mit Hilfe der Digitalisierung besser abgestimmt werden.

Die Liste Fritz will eine Sonnenstromoffensive gekoppelt mit dem Ausbau der E-Mobilität. Ein Verbot des Einbaus von neuen Ölheizungen kann sich die Liste Fritz nicht vorstellen, stattdessen sollen Anreize und Förderungen geboten werden. Beim öffentlichen Verkehr soll es bessere Verbindungen von den Bahnhöfen in die Täler geben, zudem will die Liste Fritz eine E-Mobilitätsoffensive und Gratisparken für E-Autos.

Die NEOS sehen bei dem Thema vor allem die Bundespolitik mit der Ausarbeitung einer Klima- und Energiestrategie gefordert und wollen den Verbrauch fossiler Energie durch Gebäudesanierung, Ausbau des öffentlichen Verkehrs und Verlagerung des Transitverkehrs auf die Schiene eindämmen. Als Herausforderung sehen die Neos alte Ölheizungen nicht wieder durch neue Ölheizungen zu ersetzen. Auf Landesebene sollen Anreize entwickelt werden verstärkt in Richtung klimafreundliche Heizsysteme zu agieren. Im Mobilitätsbereich soll eine verbesserte Taktung des öffentlichen Verkehrs das Zweitauto überflüssig machen. Beim Schwerverkehr soll der Ausbau des Brenner-Basis-Tunnels Abhilfe schaffen. 

Die Antworten verdeutlichen, dass sich die Parteien generell sehr stark auf Anreize verlassen und weiterführende Maßnahmen nur wenig vorkommen. Dabei hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass öffentliche Förderungen zwar wichtige Umstiegshilfen sind, oft aber nicht ausreichen, um ehrgeizige Ziele zu erreichen. Rechtliche Regelungen und das Setzen von klaren Standards, wie zum Beispiel beim Einbau klimafreundlicher Heizsysteme, erfordern mehr Entschlossenheit und sollten ebenso in den politischen Konzepten mitbedacht werden. Noch dazu wo die Mineralölwirtschaft eine eigene Förderinitiative für den Einbau von Ölheizungen gestartet hat und damit die Klimaschutzpläne der Tiroler Landesregierung konterkariert. Es ist einfach wichtig, dass man ehrgeizige Ziele auch mit den entsprechenden Maßnahmen hinterlegt. 

Die Antworten der Spitzenkandidaten im Wortlaut

1. Wie hoch soll der Anteil erneuerbarer Energie ihrer Meinung nach im Jahr 2030 in Tirol sein (bezogen auf Endenergiebedarf) und was sind für Sie die drei wichtigsten Maßnahmen zur Umsetzung?

Günther Platter (ÖVP): Das Ziel ist den Energiebedarf halbieren und energieautonom werden. Durch die Nutzung von Wasser, Holz, Sonne, Luft, Erde sowie durch intelligente Ansätze soll Tirol langfristig ohne fossile Energieträger auskommen. Ich bekenne mich zum Ausbau der Wasserkraft. Ziel ist 40 Prozent des nutzbaren Wasserkraftpotenzials für die Energieerzeugung zu nutzen. Maßnahmen sind Nutzung der Wasserkraft, Revitalisierung von Kleinwasserkraftanlagen, Bekenntnis zur E-Mobilität, Förderung der Bewusstseinsbildung.

Elisabeth Blanik (SPÖ): Wir verbrauchen unnötig Energie. Nicht nur in der Politik, sondern auch in den eigenen vier Wänden. Dem wollen wir mit einer Effizienzoffensive begegnen und auch alternative Formen der Energiegewinnung fördern. Bis 2030 können wir ein Viertel unseres Energieverbrauchs einsparen. Den Rest wollen wir über erneuerbare Energieträger gewinnen. Daher gibt es von der neuen SPÖ Tirol auch ein klares Bekenntnis zum umweltverträglichen Ausbau der Wasserkraft in Tirol.

Ingrid Felipe (Grüne): Bezogen auf den Endenergiebedarf ist diese Frage schwierig zu beantworten, weil heute noch nicht abschätzbar ist wo die Entwicklung der E-Mobilität im Jahr 2030 stehen wird. Unsere Vision ist natürlich eine Vision Zero, also überhaupt Energie ohne CO2-Ausstoß. Auf diesem Weg ist jeder Schritt wichtig, klein und groß. Wichtigste Sofortmaßnahmen: 1. Solarenergie verdoppeln, 2. Öffi-Wende im Verkehr vorantreiben, 3. Transit halbieren.

Markus Abwerzger (FPÖ): Keine Antwort erhalten.

Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz): Der Anteil an erneuerbaren Energien soll so hoch wie möglich sein. Dafür hat die Tiroler Landesregierung bisher aber viel zu wenig Engagement gezeigt. Wir als Liste Fritz haben schon seit Jahren eine Sonnenstrom-Offensive für Tirol gefordert. Es gibt das Interesse und die Nachfrage vieler Privater, unsere heimische Wirtschaft könnte die Aufträge gut brauchen und die Umwelt würden wir entlasten. Im Ausbau der Photovoltaik gekoppelt mit einer E-Mobilitätsoffensive sehen wir eine Riesenchance für Tirol. Außerdem gibt es dringenden Handlungsbedarf, zumal das Inntal Luftsanierungsgebiet ist.

Dominik Oberhofer (Neos): Hier besteht eine hohe Abhängigkeit von der bundesweiten Umsetzung der Klima- und Energiestrategie und deren sektoralen Vorgaben. Wir hoffen, dass diese von Bundesministerin Köstinger ehebaldigst präsentiert und mit der Umsetzung begonnen wird. Klar ist: wir müssen den Verbrauch fossiler Energie eindämmen. Möglichkeiten sehen wir hier im Bereich von Gebäudesanierungen, Ausbau und Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs und Maßnahmen zur Verlagerung des Transitverkehrs auf die Schiene.

2. Sind Sie für klare rechtliche Regelungen, die sicherstellen, dass statt dem Neu-Einbau von Ölheizungen klimafreundliche Heizsysteme installiert werden?

Günther Platter (ÖVP): Der Anteil an erneuerbarer Energie liegt in Tirol derzeit bei rund 40 Prozent. Eine sichere, saubere und leistbare Energieversorgung stellt heute einen bedeutenden Faktor für den Wirtschaftsstandort Tirol dar. Saubere Energie ist zudem unverzichtbar für einen aktiven Klimaschutz. Saubere Energie ist ein Generationenprojekt. Ich denke, dass wir dieses Ziel auch ohne harte Gesetze erreichen können.

Elisabeth Blanik (SPÖ): Unsere privaten Haushalte müssen bei der Energieeffizienz gefördert werden. Die konzentrierte Förderung des Umstiegs auf energieeffiziente Heizungs- und Warmwassersysteme muss in einer entsprechenden Richtlinie verankert werden und die finanziellen Mittel müssen längerfristig eingeplant werden. Es braucht eine konsequente Förderungsstrategie. Es sollen jene alternativen Energien gefördert werden, die die höchste Effizienz, die geringsten Emissionen und das größte Potenzial mit sich bringen.

Ingrid Felipe (Grüne): Ja. Und wir ärgern uns, dass es bisher nicht möglich war eine politische Mehrheit für ein Verbot neuer Ölheizungen zu finden. Tirol hat den höchsten Anteil an Ölheizungen in ganz Österreich und leider werden derzeit viele Ölheizungen durch Gas substituiert. Wir wollen vor allem die direkte Nutzung der Sonnenenergie und die Bodenwärme forcieren.

Markus Abwerzger (FPÖ): Keine Antwort erhalten.

Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz): Wenn sie damit ein Verbot von Ölheizungen meinen, so ist das nicht unser Weg. Wir halten wenig von Verboten, sondern viel mehr davon, den Menschen Anreize zu bieten. Etwa in Form von Steuerersparnissen oder Förderungen.

Dominik Oberhofer (Neos): Wir sehen die Probleme weniger bei der Neuinstallation von Ölheizungen – die passieren nur mehr in geringem Ausmaß, zumeist sind die Heizsysteme bei neuen Bauten deutlich umweltfreundlicher. Die Frage ist vielmehr, wie setzt man Anreize, dass man einen alten Ölheizkessel nicht gegen einen neuen Ölheizkessel tauscht und somit für weitere Jahre in der Abhängigkeit von Heizöl verbleibt. Wir sind uns sicher, dass es hier auf Landesebene Möglichkeiten gibt, Anreize in die Richtung des Umstiegs auf umweltfreundliche und nachhaltige Heizsysteme zu setzen.

3. Welche konkreten Maßnahmen für umweltfreundliche Mobilität wollen Sie umsetzen?

Günther Platter (ÖVP): Verhinderung von sinnloses LKW-Fahrten durch Tirol durch Korridormaut München-Verona, Blockabfertigungen (zur Vermeidung von Verkehrschaos und Emissionen), LKW Obergrenze, Attraktivierung der Schiene Stichwort Kostenwahrheit und Modernisierung der Infrastruktur (siehe Unterinntal, BBT), Personenverkehr: Ausbau des Angebotes durch neue Park&Ride Anlagen, neue Haltestellen. Ausbau der Radwege in ganz Tirol, Forcierung der E-mobilität und auch anderer alternativer Systeme.

Elisabeth Blanik (SPÖ): Bei der Errichtung von Eigenheimen oder Wohnhäusern ist pro Wohneinheit die Grundinstallation einer Ladesäule vorzusehen. Entsprechend dem hohen Leistungsbedarf von Schnellladestationen soll der Ausbau dieser Ladeinfrastruktur gezielt an Hauptverkehrsrouten und Langstrecken forciert werden. Zudem gilt es die Verbesserung der öffentlichen Verkehrsanbindung sowie den Ausbau von Park-and-Ride-Plätzen zu forcieren und einen flächendeckenden Ausbau der Car-Sharing-Modelle voranzutreiben.

Ingrid Felipe (Grüne): Mit der Tarifreform im öffentlichen Verkehr haben wir den größten Schritt in Tirol seit Jahrzehnten gemacht, die Anzahl der Jahreskarten hat sich mehr als verzehnfacht! Nun brauchen wir einen Schwerpunkt bei Radwegen, vor allem bei Alltagsradwegen. Der öffentliche Verkehr kann noch viel besser abgestimmt werden, die Digitalisierung ist hier eine große Hilfe und kann zu mehr Komfort führen. Und dann kommt der große Brocken Güterverkehr, die schwierigste Herausforderung!

Markus Abwerzger (FPÖ): Keine Antwort erhalten.

Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz): Wir als Liste Fritz wollen den Öffentlichen Nahverkehr weiter ausbauen. Das vergünstigte, tirolweit gültige Ticket war ein erster richtiger Schritt, jetzt braucht es einen kräftigen Ausbau der Park & Ride Plätze sowie mehr und bessere Verbindungen zu und von den Bahnhöfen in die Täler.
Einen Schwerpunkt wollen wir mit einer E-Mobilitätsoffensive setzen. Dazu gehören die Schnellladestationen tirolweit ausgebaut. Zusätzlich wollen wir Anreize schaffen, etwa mit Gratis-Parken für E-Autos.

Dominik Oberhofer (Neos): Um die Mobilität umweltfreundlicher zu gestalten braucht es Anreize um Mobilitätsgewohnheiten langfristig zu ändern. Daher muss es aus unserer Sicht attraktive Alternativen geben, um ein Zweitauto überflüssig zu machen und die letzte Meile mit Mikro-ÖV und stärkeren Angeboten des öffentlichen Verkehrs abzudecken. Gerade im öffentlichen Verkehr braucht es daher eine Verbesserung der Taktung, eine Optimierung der überregionalen Anschlüsse, sowie gemeindeübergreifende Kooperationen zur Förderung von Mobilitätsprojekten.
Gleichzeitig setzen wir uns für die Intensivierung des Umstiegs von der Straße auf die Schiene beim LKW-Schwerverkehr ein, wobei hier besonders der rasche Ausbau des Brenner-Basis-Tunnels und dessen Zulaufstrecken von zentraler Bedeutung ist.