Kurz nach dem Super-GAU in Fukushima verschärft sich die Lage, da radioaktives Wasser in die Reaktoren 1 und 2 eintritt. Die Arbeiten müssen gestoppt werden. Auch bei Reaktor 3 hat man radioaktives Wasser gefunden. Wie stark die Radioaktivität ist, weiß man zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch woher das Wasser kommt ist bis dahin unklar. Vermutet wird ein Schaden eines wichtigen Reaktormantels. Das Wasser strahlte 10.000-fach stärker als gewöhnlich.

Ein Jahr nach der Katastrophe

Reaktor 1

Am 12. März 11 riss eine Wasserstoffexplosion das Dach des Reaktorgebäudes fort, dies war bereits, nachdem flüchtige radioaktive Spaltprodukte (Cäsium) in der Umgebung gemessen werden konnten. In Folge wurde seitens des Betreibers immer wieder über eine teilweise Kernschmelze im Reaktor spekuliert. Ab dem 23. März wurde zunächst Meerwasser und zwei Tage später Süßwasser in den Reaktorkern geleitet, um den Kernbrennstoff zu kühlen, was aber wiederum zur Freisetzung von radioaktivem Wasserdampf führt.

Ein Jahr später steht fest: In Reaktor 1 kam es zur Kernschmelze, 400 Brennelemente schmolzen vollständig durch, fast 300 weitere waren teilweise beschädigt. Zur Kühlung wurden 6.300 Liter Wasser pro Stunde benötigt.

  • Fortschritt: Im Oktober 2011 wurde eine Abdeckhülle mit Filtern installiert.
  • Gefahren: Brennelemente-Klumpen sind im Containment durchgeschmolzen, die genaue Lage ist unklar. Es wird geschätzt, dass sie sich 65 cm tief in den Beton gebrannt haben, eine 37 cm dicke Betonhülle verbleibt.

Reaktor 2

Am 15. März 2011 kam es zu einer Explosion und zu einem Druckabfall in der Druckabbaukammer des Reaktors, was auf eine Verletzung der Integrität des Reaktordruckbehälters hindeutet. Auch dieser Reaktor wurde seit 26. März nicht mehr mit Meerwasser, sondern mit Süßwasser gekühlt, das zusätzlich als Neutronenabsorber mit Borsäure versetzt wurde.

2012 weiß man, dass es auch in Reaktor 2 zu einer Kernschmelze gekommen ist. Hier sind etwa 550 Brennelemente im Reaktordruckbehälter vollständig geschmolzen. Wie es im Abklingbecken aussieht weiß man nicht. Für die Kühlung des Reaktors wurden 8.800 Liter Wasser pro Stunde eingesetzt.

  • Fortschritt: Im Jänner 2012 schaute man mit einer Endoskop-Kamera in den Reaktordruckbehälter, die Brennelemente-Klumpen konnten aber nicht gefunden werden
  • Gefahren: Das Kühlwasser läuft in allen Reaktoren unkontrolliert durch die Gebäude, insbesondere unter Reaktor 2 sammelt sich hochradioaktives Kühlwasser und läuft ins Grundwasser und ins Meer.

Reaktor 3

Am 14. März kam es auch hier zu einer Wasserstoffexplosion mit Verlust des Daches und der Außenwände des Reaktorgebäudes und zur Freisetzung von radioaktivem Wasserdampf. Hier kam es immer wieder zu Rauchentwicklung mit unklarer Ursache, teils heller Rauch, teils dunkler (Brand-)Rauch. Der Reaktor wird ebenfalls seit 25. März mit Süßwasser gekühlt.

Wie man ein Jahr später weiß, kam es auch im dritten Reaktor zur Kernschmelze. Über 540 Brennelemente schmolzen vollständig, fast genauso viele wurden teilweise beschädigt. 6.800 Liter Kühlwasser pro Stunde wurden eingesetzt.

  • Fortschritt: Im Februar 2012 wird der Lasteneingang verschlossen, durch den hochradioaktive Stoffe in die Luft gelangten.
  • Gefahren: Durch die massive Explosion wurde das Gebäude vollständig zerstört und somit nach unten hin undicht, es besteht die Gefahr weiterer Einstürze.

Reaktor 4

Reaktor 4 war glücklicherweise beim Erdbeben und Auftreffen der Tsunami-Welle für Revisionsarbeiten heruntergefahren. Das Problem entstand hier im Nass-Abklingbecken für die abgebrannten Brennstäbe, das erst am 19. März wieder gekühlt wurde – zwischenzeitlich lagen die Brennstäbe frei, starke Strahlung trat aus und die Brennstäbe überhitzten sehr, es ist unklar, ob sie dabei beschädigt wurden.

Über 1.300 Brennelemente im Abklingbecken wurden durch den Brand beschädigt.

  • Fortschritt: Im November 2011 wurden Stahlstützen unter Abklingbecken installiert, das durch die Explosion und den Brand beschädigt wurde.
  • Gefahren: Ein weiteres Nachbeben ab Stärke 7 kann das Abklingbecken zum Einsturz bringen und einen Brand der Brennelemente verursachen – massive Freisetzung von Radioaktivität in weitem Umkreis wäre die Folge.

Quellen: TEPCO, JAIF, Stand: 29.2.2012