Der französische Molekularbiologe Gilles-Eric Séralini rüttelt Europa mit seiner neuesten Studie wach. Er führte mit seinem Team an der nordfranzösischen Universität von Caen die erste Langzeitstudie an Ratten durch. Über zwei Jahre wurden die Tiere mit gentechnisch verändertem Mais NK603 vom US-amerikanischen Multi Monsanto gefüttert. Dieser Mais ist resistent gegenüber dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat - auch bekannt als Roundup. Das Ergebnis waren erschütternd: Die Ratten erkrankten zwei- bis dreimal häufiger an bösartigen Tumoren.

Warum ist die Langzeitstudie so wichtig?

Bisher wurden Studien zur Risikoabschätzung von gentechnisch veränderten Organismen über einen Zeitraum von knapp drei Monaten durchgeführt. Aus der Praxis wurde aber immer wieder berichtet, dass bei Tieren, die über diese Zeitspanne hinaus mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert wurden, Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten auftraten. Wissenschaftliche Belege gab es dafür bisher keine. Jetzt hat Séralini die erste Studie durchgeführt, die über den kritischen Zeitpunkt von drei Monaten hinausgeht. Bereits zwischen dem vierten und dem siebenten Monaten zeigten sich die ersten größeren Tumore.

Für Séralini und seine Gruppe ist damit belegt, dass die bisherige Risikoanalyse von GMOs völlig unzureichend ist. Leider gilt verlässt sich jedoch auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bei ihren Bewertungen auf 90 Tage-Studien. Die EFSA fühlt sich durch Séralini auf den Schlips getreten und bewertete seine Studie als „wissenschaftlich von nicht ausreichender Qualität“, um tatsächlich Rückschlüsse auf die Qualität der aktuellen Risikobewertung zu ziehen. Sie werde daher die Praxis der Risikobewertung der gentechnisch veränderten Maispflanze NK603 nicht ändern.

So weit, so (nicht) gut. Eines ist jedoch sicher: Vor mehr als 15 Jahren wurden gentechnisch veränderte Organismen in die Umwelt ausgebracht, ohne dass zuvor eine ausreichende Risikoabschätzung stattgefunden hätte. Man vertraute blind einer neuen Technologie und überging nonchalant jegliche Anzeichen von schädlichen Auswirkungen. Vielen WissenschaftlerInnen erteilte man wegen ihrer kritischen Haltung zur Gentechnik einfach ein Berufsverbot. Einige forschen trotzdem bis heute weiter und werden nicht müde, auf die mögliche Risiken der Gentechnik für Mensch, Tier und Umwelt hinzuweisen.

GLOBAL 2000 setzt sich weiter dafür ein, damit die Gentechnik nicht nur in Österreich, sondern auch in Europa keine Chance mehr bekommt.