Blauschwarzer Eisvogel von Alex Sommer / App "Schmetterlinge Österreichs"

Wien, am 14. März 2019 - Die größte Schmetterlingszählung Österreichs über die App „Schmetterlinge Österreichs“ von Blühendes Österreich und GLOBAL 2000 umfasst nach drei Jahren knapp 120.000 gezählte Schmetterlinge von 13.000 Citizen-Scientists in ganz Österreich. 2018 ist der Kaisermantel der häufigste Schmetterling Österreichs. Niederösterreich weist mit 122 gemeldeten Tagfalterarten die höchste Artenvielfalt auf und liegt mit 29.047 Beobachtungen an erster Stelle des Landes. Eine Auswertung für jedes Bundesland liegt vor.

Kaisermantel ist Schmetterling des Jahres 2018

Die häufigsten gemeldeten drei Schmetterlinge 2018 sind der Kaisermantel (5.246 Meldungen), gefolgt von Tagpfauenauge (4.470) und Großes Ochsenauge (4.176).
2018 erbrachte die App 88.885 Schmetterlings-Meldungen in Österreich. 2017 waren es noch 26.010, was eine Erhöhung um das drei- bis vierfache bedeutet. 80 Prozent (71.105 Meldungen) davon sind Tagfalter, 20 Prozent (17.780 Meldungen) Nachtfalter.
Insgesamt meldeten die Freiwilligen 142 unterschiedliche Tagfalterarten, was zwei Drittel aller 215 bisher in Österreich nachgewiesenen Tagfalterarten entspricht.
Artenreichstes Bundesland mit 122 gemeldeten Tagfalterarten ist Niederösterreich, gefolgt von der Steiermark mit 105 Arten und Kärnten mit 103 Arten.
Die meisten Beobachtungen kamen aus Niederösterreich (29.047 Meldungen), mit Oberösterreich auf Platz 2 (13.591) und Kärnten auf Platz 3 (11.049).

Daten für die Wissenschaft

Der wissenschaftliche Betreuer der App und Schmetterlingsexperte Dr. Helmut Höttinger sagt: „Das Insektensterben ist in aller Munde und auch in Österreich Fakt. Die BenutzerInnen der App leisten einen bedeutenden Beitrag, mehr Wissen über die Verbreitung und Häufigkeit von Schmetterlingen zusammenzutragen. Dies ist als Grundlage zur Eruierung der Gefährdung einzelner Arten und für Schutzmaßnahmen unerlässlich. Zudem sind dadurch auch die Effekte des Klimawandels besser abschätzbar.“

Wissenschaftliche Sensationen: Erstnachweise von Schmetterlingen

Unter den gemeldeten Schmetterlingen befinden sich fünf Arten, die noch nie zuvor in einzelnen Bundesländern erfasst wurden. Der Pelargonien-Bläuling (Cacyreus marshalli) aus Kärnten und Niederösterreich, der Schwarze Trauerfalter (Neptis rivularis) aus Salzburg, ein Schwarzbrauner Trauerfalter (Neptis sappho) ebenfalls aus Salzburg und der Feigen-Spreizflügelfalter (Choreutis nemorana) aus dem Burgenland.

Ein klares Bekenntnis Österreichs für die Artenvielfalt

Die App hilft nicht nur der Wissenschaft, sondern ist auch Treffpunkt von tausenden Gleichgesinnten, die sich über die Faszination der Schmetterlinge austauschen. „Die Österreicherinnen und Österreicher machen die Schmetterlingsapp zu einem lebendigen Ausrufezeichen für unsere Schmetterlinge und Insekten. Wir sehen, dass in den letzten drei Jahren das Bewusstsein in Österreich für die Bedeutung unserer Insektenvielfalt zugenommen hat. Ein Anstoß, uns weiterhin diesem Thema zu widmen“, erzählt Ronald Würflinger, Geschäftsführer von Blühendes Österreich.
Blühendes Österreich, die gemeinnützige Privatstiftung der REWE International AG fördert die natürliche Vielfalt in der Landwirtschaft und setzt sich für den Erhalt von bedrohten Lebensräumen wie Streuobstwiesen, Mooren und Auen ein.
Österreichweit fördert Blühendes Österreich Menschen, die einen Beitrag zum Erhalt unserer Schmetterlingsvielfalt leisten. Derzeit wird das erste Tagfalter Monitoring Projekt von Blühendes Österreich in Tirol unterstützt, oder das Barcoding Projekt der Tiroler Landesmuseen. Über FLORA, dem Programm zur „Förderung von LandwirtInnen und Organisationen zur Rettung der Artenvielfalt“ erhalten aktuell125 LandwirtInnen Prämien, um 570 Hektar wertvolle Flächen zu pflegen. Auch GLOBAL 2000 ist Teil von FLORA und schützt wertvolle Wiesen für Bienen am Bisamberg in Wien.

Vorrang für Umweltpolitik

Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 kämpft für das Schöne und setzt sich für politische Rahmenbedingungen ein, die Umwelt- und Insektenschutz den nötigen Vorrang geben. "Heute gibt es um bis zu achtzig Prozent weniger Insekten als noch vor 30 Jahren. Auch das stille Sterben der bezaubernden Schmetterlinge schreitet voran. Es ist höchste Zeit, an den Ursachen des Schmetterlingssterbens anzusetzen", sagt Leonore Gewessler, Geschäftsführerin von GLOBAL 2000. "Zwei Drittel der wichtigsten landwirtschaftlich genutzten Pflanzenarten werden durch Insekten bestäubt. Die Bedeutung der Insekten für die Versorgungssicherheit der Menschen ist somit unbestritten. Daher gilt es auch in Österreich ihren Lebensraum vor Zerstörung, Verbauung und Umweltgiften zu schützen. Nur so können wir die von unseren App-BenutzerInnen so wunderbar dokumentierte Vielfalt unserer Heimat bewahren!"

Schmetterlingsschwerpunkte 2019

Zählung der Aurorafalter (07. März bis 02. Juni) sowie Schmetterlingszählung in Österreichs Gärten (05. - 28. Juli)
Schmetterlingszählung 2018: Die Highlights mit anschaulichen Grafiken sowie der wissenschaftliche Bericht von Helmut Höttinger unter www.schmetterlingsapp.at
Die 2016-2018 veröffentlichten Reporte zum Zustand der Biodiversität "Ausgeflattert I bis III – in allen Bundesländern und national finden sich hier.

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