Abschalten, nicht Ausbauen! Stellung nehmen gegen Neubau AKW Dukovany

Wien, am 20.11.18 - Heute wurde bekannt, dass das grenznahe tschechische Atomkraftwerk Dukovany 4 letzte Nacht wieder hochgefahren wurde, obwohl es weiterhin Komplikationen im hochradioaktiven Primärkreislauf gibt. „Diese Komplikationen sind nach unabhängigen Angaben weiter ungelöst und könnten jederzeit einen schweren Zwischenfall auslösen“, warnt Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher von GLOBAL 2000. „Offenbar ist der Not-Verschluss einer Röhre des Dampferzeugers im Primärkreislauf verloren gegangen – nicht nur leckt der Dampferzeuger in den Sekundärkreislauf, sondern auch das Teil wurde bisher nicht gefunden. Trotzdem wurde der Reaktor wieder angefahren.“

Von Mitarbeitern aus dem KKW selbst ist heute durchgesicherkt, warum Reaktor 4 am fünften November nach zweimonatiger Revision wieder abgeschaltet werden musste: Es kam zu „Unregelmäßigkeiten“ beim Dampferzeuger und zum Übertritt von radioaktivem Wasser aus dem Primär - in den Sekundärkreislauf, was nicht geschehen darf -- auch da vom Sekundärkreislauf der Austritt in die Umgebung möglich ist.

Dampferzeuger, die mit vielen Tausend Stahlröhren die hochradioaktive Wärme aus dem Reaktorkern abführen, sind neuralgische Punkte zwischen den unter hohem Druck stehenden Primär- und Sekundärkreisläufen eines Atomkraftwerks: Immer wieder treten gerade bei alten Atomreaktoren Leckagen und technische Probleme auf, die notdürftig durch den Verschluss einzelner Heizrohre gelöst werden – der Austausch des gesamten, durch die hochradioaktive Kühlflüssigkeit im Primärkreislauf ebenfalls radioaktiven Dampferzeugers ist machbar, kostet aber bis zu einem Viertel des gesamten Kraftwerks.

Die Sicherheitsrolle des Dampferzeugers ist ebenfalls essentiell, um die Leckage von hochradioaktivem Wasser aus Primär- in Sekundärkreislauf und damit potenziell in die Umwelt zu verhindern. Diese Barriere ist in Dukovany-Reaktor 4 offenbar undicht, hochradioaktives Wasser ist ausgetreten.

„Die Frage ist nun, wieso das Atomkraftwerk trotz des fehlenden Dampferzeuger-Deckels von der Nuklearaufsicht die Genehmigung zum Wiederanfahren erhalten hat – es läuft bereits - bzw. ob dieses vagabundierende Teil nun andere Anlagen im Primärkreis beschädigen kann“, sagt Uhrig. „Da der Betreiber hier offenbar Kosten vor Sicherheit stellt und mit einem alten und schadhaften Teil den Reaktor weiterbetreiben will, ist die Bundesregierung aufgerufen, sich umgehend für die Stilllegung mindestens bis zur Klärung der Sicherheitsumstände einzusetzen.“

Website des Betreibers mit den Betriebsdaten der Atomkraftwerke: www.cez.cz

GLOBAL 2000-Seite zu Atomkraft in Tschechien und den laufenden Störfällen: www.global2000.at/atomkraft-tschechien