Stopp AKW Mochovce

Wien, am 24. Mai 2019 – Derzeit ist nur die nationale Atomaufsicht für die Betriebsgenehmigung von Atomkraftwerken zuständig - Störfälle und Unfälle haben aber grenzüberschreitende Folgen, sogar Routine-Emissionen aus dem Betrieb von Reaktoren haben internationale Auswirkungen. Im Falle des slowakischen Uralt-Reaktors Mochovce 3 mit Baubeginn 1985, der nach einer neuerlichen Verschiebung möglicherweise im November 2019 in Betrieb gehen soll, ist dies die slowakische Atomaufsicht UJD. Eine internationale Überprüfung des Reaktors kann nur auf Anfrage der Betreibergesellschaft durch die internationale Atomenergieagentur IAEO mit Sitz in Wien erfolgen.

Nach slowakischen Medienberichten bestätigt nun die Betreibergesellschaft Slovenské elektrárne, dass ein OSART-Team (Operational Safety Assessment Review Team) der IAEO eine Inspektion der Baustelle durchführen wird, auf der es nach Information von immer neuen Whistleblowern, die sich an die österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 wandten, weiterhin zu gravierenden Missständen und Sicherheitsproblemen kommt.

„Wir begrüßen als Zwischenerfolg unserer Kampagne, dass es zu einer internationalen Überprüfung der völlig aus dem Runder gelaufenen Mochovce-3-Baustelle kommen wird“, sagt Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher von GLOBAL 2000. „Jetzt müssen die Regierungen der europäischen Staaten dafür Sorge tragen, dass dies keine reine Alibi-Überprüfung wird: unabhängige, kritische ExpertInnen auch aus Österreich müssen Teil dieser Kontrolle werden.“

GLOBAL 2000 deckte Anfang April durch einen am Projekt beteiligten Baustatik-Ingenieur gravierende Missstände auf der Baustelle auf, so wurden die so genannten „hermetischen Kammern“ rund um den Reaktordruckbehälter für seismische Verstärkungen tausendfach „blind“ angebohrt – die Bohrungen mit einem Durchmesser bis zu zehn Zentimeter und einer Tiefe von einem halben bis zu einem Meter in Stahlbeton-Wände mit einer Stärke von 1,5 Metern könnte möglicherweise in vielen Fällen die Stahl-Armierung des Betons getroffen und die Statik der Wände im Falle von Erdbeben oder Dampfexplosionen bei einem Störfall beeinträchtigt haben. GLOBAL 2000 fordert hierzu die Offenlegung der gesamten Projektdokumentation, nicht nur von Alibi-Fotos einiger ausgewählter Bohrungen.

Weiters sind die von Maschinenbauingenieur Mario Zadra aufgedeckten Probleme mit dem Zustand der jahrzehntealten Dieselgeneratoren, die im Falle eines Störfalls die Notstrom-Versorgung übernehmen sollen, sowie dem allgemein desolaten Zustand der Baustelle zu prüfen und offenzulegen.

„Wir freuen uns, dass wir mit Unterstützung von einer Viertelmillion Unterschriften, aller österreichischer Parteien sowie der Regierung diesen wichtigen Teilerfolg erreichen konnten“, sagt Uhrig. „Durch eine transparente internationale Überprüfung kann unserer Meinung nach nur der katastrophale Zustand der Baustelle bekannt werden – und die zahllosen Nachrüstungen, die nötig wären, um das Projekt auf einen immer noch sicherheitstechnisch völlig veralteten Zustand zu bringen.“

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