Unterschriftenübergabe 100% Erneuerbare Energie

Wien, am 21. Juli 2016 – Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 sieht nach der Präsentation des Klimaschutzberichtes des Umweltbundesamts jetzt akuten Handlungsbedarf vor allem im Verkehrs- und Gebäudebereich. Gegenüber 2014 sind die Treibhausgasemissionen in Österreich deutlich um drei Prozent gestiegen. Somit konnte nicht an den positiven Trend der letzten Jahre angeknüpft werden. „Die Politik hat zulange weggeschaut und gehofft, dass der Kelch an ihr vorübergeht. Die Treibhausgasemissionen verschwinden aber nicht, wenn wir die Augen zumachen. Es braucht jetzt ein Sofortmaßnahmenpaket mit den Eckpunkten Abbau umweltschädlicher Subventionen, nachhaltige Mobilität und Gebäudesanierung. Die Bundesregierung muss beim Klimaschutz jetzt endlich anpacken und Maßnahmen in die richtige Richtung setzen“, betont Johannes Wahlmüller, GLOBAL 2000 Klimasprecher.

Sorgenkind Verkehr

Laut dem Klimaschutzbericht ist der Anstieg der Treibhausgasemissionen im Verkehrsbereich auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Ein Anstieg der Fahrleistung bei PKW um 60 Prozent, ein Anstieg des sogenannten Tanktourismus und ein Anstieg der Fahrleistung bei LKW um 70 Prozent.

„Wenn die Emissionen im Verkehr zwischen 1990 und 2014 um 57,6 Prozent steigen, dann darf das nicht länger ignoriert werden. Es braucht jetzt die Abschaffung der steuerlichen Begünstigung von Diesel, für die es keine sachliche Begründung gibt, eine Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs, um das Umsteigen einfacher zu machen und ein Paket für Elektromobilität. Außerdem muss Schluss sein mit planloser Zersiedelung, die die massive Verkehrslawine erst hervorbringt“, so Wahlmüller weiter.

Gegenmaßnahmen bei rückläufiger Sanierungsrate notwendig

Handlungsbedarf sieht GLOBAL 2000 aber auch im Gebäudebereich. Dort ist es zwar gelungen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, aber die Bilanz zeigt nur die halbe Wahrheit: Erstens führen zuletzt warme Winter zu niedrigeren Emissionen, ohne dass damit direkte Klimaschutzmaßnahmen verbunden wären, zweitens stieg der Anteil der Fernwärme in dem Bereich seit 1990 um mehr als das Doppelte. Die Treibhausgasemissionen der Fernwärme werden aber nicht dem Sektor Gebäude zugerechnet, sondern dem Sektor Energie.

Die scheinbar hohen Reduktionen dürfen für GLOBAL 2000 nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Sanierungsrate rückläufig ist und derzeit laut Bericht bei etwa 0,8 Prozent liegt. Dazu gibt es zu geringe Fortschritte bei der Anhebung der Sanierungsqualität. Auf diese Weise dauert es mehr als 100 Jahre bis der gesamte Bestand einmal durchsaniert wird. Kritisch sieht GLOBAL 2000 auch, dass es vor allem im Dienstleistungsbereich zu einem Anstieg des Ölverbrauchs um drei Prozent gekommen ist. Der niedrige Ölpreis setzt hier falsche Anreize. Wahlmüller: „Wir können uns nicht mehr als 100 Jahre Zeit lassen, um unsere Gebäude zu modernisieren. Wir müssen jetzt handeln. Es braucht deutlich mehr Akzente für die thermische Sanierung und Maßnahmen gegen den Anstieg des Ölverbrauchs. Es braucht jetzt daher wieder eine Aufstockung der Mittel für den Sanierungsscheck und ein Verbot für den Einbau von Ölheizungen im Neubau. Dazu muss die Bundesregierung die Länder bei den Finanzausgleichsverhandlungen beim Klimaschutz in die Pflicht nehmen. Nur so können die anstehenden Probleme gelöst werden.“

Kein Warten auf integrierte Klima- und Energiestrategie

Aktuell hat die Bundesregierung die Arbeiten an einer integrierten Klima- und Energiestrategie gestartet. GLOBAL 2000 sieht hier die Chance, grundlegende Weichen zu stellen, Ziele klar zu formulieren und entscheidende Fragen zu klären, warnt aber davor, mit dem Setzen von Maßnahmen auf die Finalisierung der Strategie zu warten: „Die Bundesregierung darf nicht noch ein Jahr auf die Formulierung der Strategie warten, sie kann bereits jetzt bekannte Maßnahmen umsetzen. Der Bericht zeigt nur allzu deutlich, dass Klimaschutz in Österreich politische Priorität haben sollte“, betont Wahlmüller abschließend.