GLOBAL 2000 und Greenpeace fordern „Atomstromfreies Österreich“

(Wien, 30. Juni 2011) – Angesichts des bevorstehenden Anti-Atomgipfels am 1. Juli 2011, betonen GLOBAL 2000 und Greenpeace, die Dringlichkeit eines Importverbots für Atomstrom. Von dem Gipfel erwarten sich die Umweltorganisationen, dass die Atomstromfreiheit Österreichs so schnell wie möglich – und nicht erst 2015 – erreicht wird. Gleichzeitig gilt es Erneuerbare Energiequellen zu fördern. Ziel muss hierbei sein, bis spätestens 2030 einen hundertprozentigen Anteil von Erneuerbaren Energien am Inlandsstromverbrauch zu erreichen. "Alle Versuche der E-Wirtschaft, die obsolete 'Strom hat kein Mascherl'-Diskussion vorzuschieben, darf nicht mehr von der Tatsache ablenken, dass es Österreich rechtlich und wirtschaftlich möglich ist, das schmutzige Geschäft mit Atomstrom zu beenden. Inzwischen ist hinlänglich bekannt, dass nicht die 'physischen' Stromflüsse sondern die Geldflüsse des Stromhandels die Energielandschaft prägen", so GLOBAL 2000-Geschäftsführer Klaus Kastenhofer und Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit. Entscheidend sind für die Umweltorganisationen auch die Herstellung einer vollständigen Transparenz von Stromimporten und -exporten, die Überprüfbarkeit der Umsetzung sowie die lückenlose Kontrolle.

„Österreich muss seine Chance wahrnehmen, Glaubwürdigkeit in seiner Anti-Atom-Politik zu beweisen und mit einem Importverbot von Atomstrom zum europäischen Vorreiter mit Vorbildfunktion für andere Staaten zu werden“, so GLOBAL 2000-Geschäftsführer Klaus Kastenhofer im Hinblick auf den morgigen Gipfel. Vor allem für die Risiko-Atomkraftwerke an Österreichs Grenzen ist diese Entscheidung maßgeblich, wie Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit betont: „Die Abkehr von Atomstrom-Importen wird weitreichende Auswirkungen unter anderem auch auf grenznahe Atomkraftwerke haben. Österreich ist für die benachbarten AKW-Betreiber ein attraktiver Markt. Nach dem deutschen Atomausstieg scharren diese bereits wieder in den Startlöchern. Mit einem Importverbot von Atomstrom könnte Österreich der Atomindustrie zum Beispiel bei der Erweiterung von Temelin oder Bohunice einen Strich durch die Rechnung und ihre Ausbaupläne machen.“ 23 Atomreaktoren stehen an Österreichs Grenzen, darunter Risikomeiler wie Krsko, der in einem erdbebengefährdeten Gebiet steht, oder Temelin, mit dessen geplantem Ausbau zusätzliche Exportkapazitäten geschaffen werden sollen.

Die Ablehnung von Atomkraft in Österreich ist bezeichnend: 80 Prozent der kürzlich im Rahmen einer Market-Umfrage befragten ÖsterreicherInnen sind demnach gegen den Handel mit Atomstrom durch heimische Energieversorger. Drei von vier ÖsterreicherInnen sprechen sich sogar dezidiert für ein entsprechendes Importverbot aus. „Das aktuelle Meinungsbild ist ein klarer Handlungsauftrag an die Politik und richtungsweisend für den bevorstehenden Gipfel. Österreich muss atomstromfrei werden und das so schnell wie möglich“, so Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit. Derzeit importiert Österreich zwischen sechs und fünfzehn Prozent Atomstrom – das entspricht in etwa der Produktionsmenge von zwei durchschnittlichen Atomreaktoren. Nach Österreich kommt dieser Atomstrom zu rund zwei Drittel über bilaterale Verträge und zu einem Drittel über Strombörsen. "Die ÖsterreicherInnen lassen sich nicht länger durch die gängige Stromhandelspraxis hinters Licht führen. Die Geschäftemacherei österreichischer Stromversorger mit Atomstrom und das Verfassungsgesetz gegen Atomkraft sind nicht vereinbar", so Klaus Kastenhofer abschließend.

 

Weitere Information:

http://www.global2000.at/site/de/wissen/energie/stromkennzeichnung/article-stromfilz.htm

http://www.greenpeace.at/atomstrom-raus

 

Rückfragehinweis:

Simonne Baur, Pressesprecherin GLOBAL 2000, Tel.: +43-699-14200023

Melanie Aldrian, Pressesprecherin Greenpeace, Tel.: +43-664-6126725