Wien/Bratislava, am 14. Februar 2019 - Im Regierungsprogramm* spricht sich Kanzler Kurz ganz klar gegen Atomkraft aus: Er kündigt an, dass er mit allen Mitteln gegen den Neubau von AKWs vorgehen wird – dazu ist jetzt höchste Zeit: Erstmals seit der Inbetriebnahme des tschechischen Reaktors Temelín 2 im Jahr 2002 soll in Europa wieder ein Reaktor in Betrieb gehen, 150 Kilometer von Wien. Im Juni 2019 will Slovenské Elektrárne erstmals Brennelemente in den dritten Reaktor laden, Anfang Juli soll der slowakische Uralt-Reaktor nach 34 Jahren Bauzeit in Betrieb gehen. Gravierendste Sicherheitsmängel sind immer noch nicht repariert, eine versprochene grenzüberschreitende Prüfung ist nie passiert.

Die GLOBAL 2000-Atomsprecher Patricia Lorenz und Reinhard Uhrig haben sich gestern nochmals mit den Chefs der slowakischen Atomaufsicht getroffen, um auf die bekannten Probleme hinzuweisen, und haben in einem Lokalaugenschein die Baustelle in Mochovce besucht. „Die verantwortliche Atomaufsicht schaltet auf stur, der AKW-Betreiber verweigerte das Gespräch und ließ private Securities aufrücken, um uns zu vertreiben“, so Uhrig. „Kanzler Kurz ist jetzt gefordert, wie im Regierungsprogramm angekündigt ‚mit allen Mitteln‘ die Inbetriebnahme zu verhindern.“

Die slowakische Atomaufsicht listete zwar dutzende Nachbesserungen und Reparaturen der unter anderem von Whistleblowern und Umweltschützern aufgedeckten Mängel beim Bau des Reaktors auf, konnte aber keine Antwort geben auf das fundamentale Problem, dass ein Uralt-Generation-II-Reaktor niemals die heutigen Sicherheits-Auslegung z.B. für Flugzeugabsturz-Gefahren erreichen kann. Die Betreiberfirma verweigerte auch auf Nachfrage ein Gespräch, solange die Umweltschützer ‚Atomkraft nicht als Lösung akzeptieren‘ und schickte den privaten Werkschutz.

Der Zustand des völlig veralteten Reaktors aus Sowjetzeiten ist lange bekannt. Außerdem ist der Weiterbau technisch völlig außer Kontrolle geraten, wie Whistleblower und die Vereinigung der Betreiber von Nuklearanlagen (WANO) bestätigen – aber auch die slowakische Aufsichtsbehörde selbst. Die „Kalttests“ auf Dichtigkeit der Wasserkreisläufe von Reaktor 3 wurden im letzten Sommer durchgeführt, das Projekt geht jetzt trotz enormen Verzögerungen und Kostenexplosionen in die „heiße Phase“ der Inbetriebnahme.

„Wir rufen mit einer Petition Kanzler Kurz auf, die Nachrüstung des Reaktors auf Stand der Technik (Generation III+) sowie die Reparatur der Baumängel zu verlangen“, so Uhrig abschließend.

*„Dem Neu- und Ausbau von Atomkraftwerken in Europa, insbesondere in den Nachbarländern, mit allen zur Verfügung stehenden politischen und rechtlichen Mitteln entgegenwirken“ Regierungsprogramm S. 171

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