Nein zu Glyphosat! Foto: iStockPhoto/fotokostic

In Reaktion auf die am 14.3.2018 in der peer-reviewten Fachzeitschrift Journal of Epidemiology and Community Health erschienene Analyse „Pesticides and public health: an analysis of the regulatory approach to assessing the carcinogenicity of glyphosate in the European Union“ (1) erklärte ein Sprecher der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gegenüber der Austria Presseagentur, dass einige der Vorwürfe ‚schlichtweg nicht korrekt‘ seien. Der Fachartikel enthielte keine Inhalte, die nicht bereits schon vorher öffentlich gegenüber den EU-Behörden angesprochen worden wären, und wo sich jeweils ergeben hätte, dass die EFSA- und ECHA-Bewertungen im Einklang mit den EU-Kriterien und -Leitlinien durchgeführt wurden.

Dazu halten die Autoren der Publikation, Peter Clausing, Claire Robinson und Helmut Burtscher-Schaden folgendes fest:

* Die Behauptung der EFSA, ihre Bewertung sei im Einklang mit den EU-Kriterien und -Leitlinien durchgeführt worden, widerspricht den Tatsachen. Ihre stetige Wiederholung ändert daran nichts. Die Diskrepanz zwischen der Vorgehensweise der EU-Behörden (dokumentiert in ihren jeweiligen Bewertungsberichten) und den Empfehlungen in den einschlägigen Leitlinien, lässt sich anhand unserer Publikation und der darin zitierten Dokumente leicht nachvollziehen und verifizieren.

* Zutreffend ist hingegen, dass zahlreiche der in der aktuellen Analyse ausgeführten Kritikpunkte an der Bewertung der Behörden nicht erstmalig formuliert wurden. Vielmehr wurde seit 2015 die missbräuchliche Verwendung von historischen Kontrolldaten oder das systematische Ignorieren signifikanter Tumorinzidenzen im Trendtests mehrfach in öffentlichen Stellungnahmen und auch wissenschaftlichen Publikationen (2) kritisiert.

* Ein systematischer Vergleich der Vorgehensweise der Behörden mit den OECD- und EU-Leitlinien erfolgte erstmals im Juni 2017 durch Peter Clausing in dem von Global 2000 herausgegebenen Report: Glyphosate and cancer: Authorities systematically breach regulations.

* Obwohl sich die Kritik insbesondere auch gegen die Vorgehensweise des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und der EFSA richtete, blieb eine Antwort seitens dieser Behörden aus.

* Einzig die EU-Chemikalienagentur ECHA reagierte auf die Kritik. In einem öffentlichen Brief begrüßte sie die von GLOBAL 2000 angestoßene wissenschaftliche Debatte, wies jedoch "Anschuldigungen" und die (angeblich) abwertende Sprache zurück. Die ECHA stellte eine ausführliche Antwort auf unsere Kritikpunkte für Anfang August in Aussicht.

* Am 17.7.2017 antworteten der Autor und die Herausgeber des Reports auf das Schreiben der ECHA und begrüßten die Bereitschaft der ECHA zu einem wissenschaftlichen Austausch.

* Am 8. August kam die angekündigte ausführliche Antwort der ECHA. Darin wies die ECHA die im Global 2000-Report geäußerten Kritikpunkte zurück, ohne diese jedoch tatsächlich zu entkräften.

* Auf diesen Umstand machten die Autoren des Global 2000-Reports am 21. August die ECHA aufmerksam. Sie wiesen auf die nach wie vor offenen Kritikpunkte hin und erbaten Aufklärung.

* Doch auch das Antwortschreiben der ECHA vom 1. September konnte die Kritikpunkte nicht entkräften, worauf Global 2000 und Peter Clausing in einem letzten Brief am 14. September nochmal hinwiesen.

Da die Reaktion von ECHA bzw. die Nicht-Reaktion von EFSA und BfR auf unsere Kritik, unbefriedigend war, formulierten wir die Kritikpunkte in Form einer wissenschaftlichen Analyse und reichten diese am 24. Oktober 2017 bei der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Journal of Epidemiology and Community Health zur Publikation ein. Das Manuskript wurde einem Begutachtungsverfahren (Peer Review) unterzogen und am 22. Februar akzeptiert. Die Veröffentlichung erfolgte am 14. März 2018.

(1) http://jech.bmj.com/content/jech/early/2018/03/06/jech-2017-209776.full.pdf

(2) Portier CJ, Armstrong BK, Baguley BC, et al. Differences in the carcino-genic evaluation of glyphosate between the International Agency for Re-search on Cancer (IARC) and the European Food Safety Authority (EFSA). J Epidemiol Community Health 2016;70. S. 741-5: http://jech.bmj.com/content/early/2016/03/03/jech-2015-207005