Admiralfalter gesehen in St.Johann in Tirol von Ingrid Tschugg

Alle Schmetterlinge, die 2017 im Rahmen der größten heimischen Schmetterlingszählung von Blühendes Österreich und GLOBAL 2000 über die App "Schmetterlinge Österreichs" einlangten, sind nun ausgewertet.

Wichtigste Fakten der Jahresauswertung der Schmetterlingszählung 2017

* Häufigster Schmetterling: Admiral (1.604 gezählte Individuen), dicht gefolgt von Kaisermantel mit nur 35 Exemplaren weniger, Großes Ochsenauge (1.413) auf drittem Platz

* Artenreichstes Bundesland ist Niederösterreich mit 96 Tagfalterarten – wenig verwunderlich, bietet dieses Bundesland mehr Lebensraum für Schmetterlinge als alle Länder in Nordeuropa zusammen, gefolgt von Kärnten mit 94 Arten und der Steiermark auf dem dritten Platz, wo dank der engagierten UserInnen 92 Arten gezählt werden konnten

* Ergebnisse nach Bundesland, wissenschaftliche Highlights, häufigste gemeldete Tag- und Nachtfalter sowie fleißigste Citizen Scientists Österreichs finden sich in der Auswertung

* 2017: 26.010 Meldungen zu Schmetterlingen in Österreich, davon Tagfalter 21.517 Meldungen (82,7 %) und Nachtfalter 4.492 (17,3 %) Meldungen

* Wachstum der Meldungen um 450 Prozent in einem Jahr auf insgesamt 32.000 Meldungen

* 140 beobachtete Tagfalterarten = das deckt zwei Drittel aller bisher in Österreich nachgewiesenen Tagfalterarten ab

* 100 Citizen Scientists meldeten jeweils mehr als 30 Tagfalter

* 20 Citizen Scientists meldeten jeweils mehr als 150 Tagfalter

Wissenschaftliche Highlights

Unter den gemeldeten Schmetterlingen befinden sich vom Aussterben bedrohte Arten und lange nicht mehr nachgewiesene Bläulingsarten. Zum Beispiel konnte die Sichtung der Berghexe 2016 zum ersten Mal überhaupt in St. Pölten bestätigt werden. 2018 versuchen die Citizen Scientists deshalb diese seltene Art in dieser Umgebung erneut zu finden. Zahlreiche Beobachtungen des Russischen Bären tragen zu einer deutlich besseren Kenntnis seiner Verbreitung bei.

Wissenschaft freut sich über Daten zur Schmetterlingsvielfalt

Der wissenschaftliche Betreuer der Schmetterlingsapp Helmut Höttinger verbrachte die letzten Wochen mit der Auswertung der Daten von 2017. „Ich bin überrascht und gleichermaßen überwältigt von der umfangreichen Datenmenge, die in einem Jahr übermittelt wurde. Mehr als 26.000 Meldungen – viele davon von hoher Naturschutzrelevanz – zeugen von einem enormen Interesse breiter Bevölkerungskreise, Schmetterlinge zu beobachten und ihre Erkenntnisse mit anderen zu teilen. Es ist ein Ansporn für uns, die App noch anwenderfreundlicher zu gestalten.“

Eine App die begeistert und sich weiterentwickelt

Die Schmetterlingsapp passt sich den Anforderungen der Citizen Scientists an. 2018 werden auf Wunsch der SchmetterlingsbeobachterInnen 32 Nachtfalterarten, 11 weitere Arten der Mohrenfalter, sowie benutzerfreundlichere Funktionen in die Schmetterlingsapp aufgenommen.

Vorrang für Umweltpolitik

Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 sieht eine besondere Verantwortung Österreichs als landschaftlich vielfältiges und artenreiches Land und verweist auf die im europäischen Vergleich besonders ausgeprägte Artenvielfalt bei Schmetterlingen. Mit rund 4.070 registrierten Schmetterlingsarten übertrifft Österreich alle anderen nord- und mitteleuropäischen Staaten in dieser Hinsicht. "Der behutsame Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen ist Grundvoraussetzung für die Bewahrung der Vielfalt unserer Heimat. Dazu braucht es politische Rahmenbedingungen, die Umweltschutz den nötigen Vorrang geben und an den Ursachen des Schmetterlingssterbens ansetzen“, so Leonore Gewessler von GLOBAL 2000.

Ein klares Bekenntnis Österreichs für die Artenvielfalt

Die Stiftung Blühendes Österreich fördert die natürliche Vielfalt und setzt sich für den Erhalt von bedrohten Lebensräumen wie Mooren, Auen und Wiesen ein. Mit der Nutzung der App helfen die ÖsterreicherInnen den Bestand der Schmetterlinge zu erheben. Jeder Schmetterling zählt, lautet das Motto: „Alle derzeit 8.000 aktiven BeobachterInnen und deren Engagement motivieren uns dieses Projekt weiterhin voranzutreiben. Wir sind von der österreichweiten Resonanz und des großartigen Erfolges der App „Schmetterlinge Österreichs“ überrascht. Zwei Drittel der österreichischen Tagfalterarten konnten über die App bestätigt werden. Die gemeldeten 26.000 Beobachtungen alleine im Jahr 2017 tragen zum besseren Verständnis über unsere Schmetterlinge bei“, freut sich Ronald Würflinger von Blühendes Österreich.

2018 geht die Zählung mit unterschiedlichen Schwerpunkten wie dem Aurorafalter (21. März bis 22. April), Schmetterlinge im Garten (12. Juli bis 5. August) oder Berghexe (Juli bis Oktober) weiter.

Die Ergebnisse der Schmetterlingszählung 2017 mit einer Zusammenfassung der Auswertung sowie den wissenschaftlichen Endbericht finden sich unter www.schmetterlingsapp.at

Den bereits 2017 veröffentlichten Report zum Zustand der Biodiversität "Ausgeflattert II - im Burgenland, Niederösterreich, der Steiermark und Wien" finden Sie im Downloadbereich dieser Seite.