CAPTOR Messgerät

Kurz vor dem einjährigen Jubiläum des Citizen Science-Programms CAPTOR zieht die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 eine Zwischenbilanz.

CAPTOR (Collective Awareness Plattform for Tropospheric Ozone Pollution) ist ein Projekt in dem BürgerInnen und WissenschaftlerInnen gemeinsam gegen die Ozonbelastung Europas kämpfen. Mit günstigen Messgeräten, die von interessierten BürgerInnen aufgestellt, betreut und teilweise selbst gebaut werden, wird ein Netzwerk zur Ozonmessung in belasteten Regionen aufgebaut. Entwickelt wurden die Prototypen der Messgeräte, welche mit Halbleiter-Sensoren und elektrochemischer Technologie messen, von der Politechnischen Universität Barcelona und der Universität Blaise Pascal in Clermont Ferrant. Mittlerweile sind in Ost-Österreich und speziell in der Steiermark zahlreiche Geräte im Einsatz.

Ozon in Österreich – an 5 Captor-Messstellen in den Regionen Weiz und Hartberg über dem WHO-Grenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit (von 120 µ/m3)

In insgesamt drei europäischen Ländern wurden letzten Sommer Ozondaten mit CAPTOR-Messgeräten erhoben, die Ergebnisse: die Ozonbelastung ist nach wie vor nicht zu unterschätzen. Die gesetzlichen Informations- und Alarmschwellen wurden zwar nicht überschritten, der Grenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit laut WHO jedoch sehr häufig: 5 von 11 CAPTOR-Geräte in den Regionen um Weiz und Hartberg haben Überschreitungen gemessen.

“Diese Messdaten sind die Grundlage für die Erforschung des Luftschadstoffes. Noch wichtiger als eine Vielzahl an Messdaten ist uns aber, dass der Schadstoff Ozon wieder ins Bewusstsein gerückt wird. Ozon ist gesundheitsschädigend und wirkt sich vor allem auf Lungenfunktionen und Atemwege negativ aus. Nur weil das Thema medial nicht mehr so präsent ist, heisst das nicht, dass das bodennahe Ozon verschwunden oder nicht mehr schädlich ist!“, kommentiert Sibylle Egger, Projektverantwortliche von GLOBAL 2000 die Messungen.

Gutes Feedback von ForscherInnen und BürgerInnen

Marc Pardorsa vom CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas ist die größte öffentliche Forschungseinrichtung Spaniens): “Es ist gut, dass es wenigstes keine Überschreitungen der gesetzlichen Grenzwerte gab, aber wir benötigen Messdaten mehrerer Jahre um zu sehen, ob diese Messungen auch repäsentativ sind.“

Ein privater Messgerätebetreiber ergänzt: “Es ist wirklich interessant zu wissen wie hoch die Werte sind. Besonders wenn man sie quasi selber ermittelt. Es wäre wirklich gut, wenn die zuständigen Stellen das ernst nehmen und reagieren würden! Das Thema Ozon ist etwas, das aus den Gedanken der Menschen verschwunden ist und die Feinstaubproblematik hat das alles überdeckt. Aber Ozon ist noch immer da und noch immer gesundheitsgefährdend!“

Sibylle Egger weiter: „Ozon ist natürlich nicht der einzige Schadstoff in der Luft, der Gesundheit und Umwelt schädigt. Wir haben auch eine App entwickelt, die verschiedene Schadstoffe anzeigt. Airact.org stellt aktuelle Luftgütedaten, eingespeist von der Europäischen Umweltagentur (EEA), dar. Dieses Daten sind tagesaktuell und für verschiedene Luftschadstoffe abrufbar: SO2, NO2, Ozon und Feinstaub. Wir wollen mit CAPTOR nicht nur auf Ozon aufmerksam machen, sondern auch auf andere Schadstoffe. Stickoxide sind Vorläufersubstanzen von Ozon.“

Neue Geräte mit mehr Sensorik für 2018

Auch 2018 wird natürlich wieder gemessen, vor allem Ozon und NO2 im Sommer in Niederösterreich und Burgenland. Sensoren für weitere Schadstoffe befinden sich derzeit in der Entwicklung und werden in der nächsten CAPTOR-Serie angeboten. Ab Frühjahr wird es dann wieder CAPTOR–Bau-Workshops für Interessierte in Wien geben. Die Bauanleitungen sind open source und das Herz der Messgeräte sind Arduino- bzw. Raspberry Pi Platinen.

Alle Infos zum Projekt und über bodennahes Ozon: https://www.global2000.at/captor

Anmeldung zum Captor Host: https://www.global2000.at/werden-sie-captor-sensor-host

Luftschadstoff-Belastungs-Info airACT: http://www.airact.org

Die EU-Projekt-Website: https://www.captor-project.eu/

 

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