Wien, am 11. Jänner 2018 - Noch bis 15. Jänner können Stellungnahmen zum Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren für den geplanten AKW-Neubau in Dukovany an das tschechische Umweltministerium abgeben werden. „Je mehr Menschen sich an diesem Verfahren mit einer Stellungnahme beteiligen, desto klarer wird das Zeichen, dass die Bevölkerung Mitteleuropas diese unwirtschaftliche, unsichere und veraltete Technologie des vorigen Jahrhunderts ablehnt“, betont Dr. Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. „Gleichzeitig fordern wir die Bundesregierung auf, sich für eine Anhörung zum Projekt in Wien einzusetzen und jetzt endlich die überfällige Nichtigkeitsklage gegen die Atom-Subventionen im ungarischen Paks vorzubereiten – sonst droht eine weitere Subventionsentscheidung in Dukovany.“

Atomkraft nicht wirtschaftlich – Subventionen drohen
Der aktuelle Vergleich der US-Investmentbank Lazard zeigt, dass Atomkraft im Vergleich zu den technologisch immer ausgereifter und damit günstiger werdenden Erneuerbaren weiter zurückgefallen ist: Bei der Atomkraft sind Durchschnitts-Investitionskosten von 112 bis 183 Dollar pro Kilowatt installierte Leistung zu erwarten, das liegt weit über den Kosten von Windkraft (30 bis 60 Dollar) oder Photovoltaik (43 bis 53 Dollar). Im Sommer 2017 wurden zwei US-Reaktoren mitten im Bau aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben. „Damit wird immer klarer, dass der Technologie-Zombie Atomkraft nur durch massive Subventionen der SteuerzahlerInnen künstlich am Leben erhalten werden soll – diese Subventionierung mit versteckten Tricks wie dem veralteten EURATOM-Vertrag gilt es jetzt mit Stellungnahmen und Rechtsschritten der Republik Österreich zu bekämpfen“, sagt Uhrig.

Die neue Regierung der Tschechischen Republik setzt jedoch ungebrochen auf den Ausbau der Atomenergie: laut Regierungsprogramm vom Dezember 2017 ist bei Strom ein „Mix mit steigendem Anteil von Atomenergie und erneuerbaren Energien“ vorgesehen. Laut dem geltenden Aktionsplan für die Atomenergie von 2015 soll der Atomstromanteil 50 Prozent erreichen. Die Regierung wird die „Errichtung neuer AKW und des geologischen Endlagers für Atommüll zu den nötigen Terminen sicherstellen“. Keine Erwähnung findet die Frage nach der Finanzierung der neuen AKW, die seit Jahren sehr kontrovers diskutiert wird. Immer klarer zeigt sich aber, dass der zu zwei Drittel staatliche Energieversorger und Betreiber der Atomreaktoren ČEZ die neuen AKW nicht errichten will: Bereits die verbindliche Ankündigung könnte zum Einbruch der Aktienkurse führen, es wird befürchtet, dass die Kleinaktionäre ČEZ klagen würden. Die Allianz der Ausbau-Befürworter – Regierungsvertreter, Lokalpolitiker rund um Dukovany – rufen daher lautstark nach staatlicher Finanzierung, egal wie.

„Viele Fragen zum Atom-Projekt Dukovany 5 sind auch durch die vorgelegten UVP-Unterlagen nicht beantwortet worden, wie wir in unserer Musterstellungnahme herausgearbeitet haben. Wir fordern alle betroffenen BürgerInnen auf, gegen den Ausbau von Dukovany Stellung zu beziehen“, so Uhrig abschließend.

Hier geht's zur GLOBAL 2000 Musterstellungnahme Dukovany 5
Hier geht's zur Lazard Levelized Cost of Energy 2017-Studie