PRESSEINFORMATION

GLOBAL 2000 erfreut über substantielle Verbesserungen, Kritik an Ausnahmeregelungen und Schlupflöchern




Wien (13. Jänner 2009)
Nach einem drei Jahre andauernden politischen Diskussionsprozess beschloss heute das Europäische Parlament in Straßburg ein Gesetzespaket, welches zukünftig europaweit die Rahmenbedingungen für die Zulassung und die Anwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft vorgibt. Wichtiges Element der Verordnung ist das generelle Verbot von Pestiziden, die Krebs auslösen, das Erbgut verändern, zu Missbildungen führen oder die Fruchtbarkeit schädigen können. „Dass bestimmte Stoffe aufgrund ihrer gefährlichen Eigenschaften zukünftig von vornherein keine Zulassung erhalten dürfen, stellt einen Paradigmenwechsel dar und wird einen wesentlichen Beitrag zum Schutz von LandwirtInnen und KonsumentInnen leisten“, sagt GLOBAL 2000 – Biochemiker Helmut Burtscher. Aus Sicht des Umwelt- und Konsumentenschutzes positiv zu bewerten sind auch die Verankerung strengerer Bewertungskriterien für hormonell wirksame, nervengiftige, oder das Immunsystem schädigenden Pestizide, sowie für Pestizide, die für Bienen gefährlich sind. Die Mitgliedstaaten werden zukünftig dazu verpflichtet, nationale Aktionspläne zur Verringerung der Risiken und der Abhängigkeit von Pestiziden zu erstellen, wenngleich diese Aktionspläne detaillierte Zielvorgaben vermissen lassen.

Die erzielten Verbesserungen im Zuge des politischen Entscheidungsprozesses werden aber durch Schlupflöcher und großzügige Ausnahmeregelungen verwässert, etwa mit der Möglichkeit von bis zu fünfjährigen Ausnahme-Zulassungen für krebserregende, erbgutverändernde oder reproduktionstoxische Pestizide. „Enttäuscht sind wir auch darüber, dass das vom EU-Parlament in erster Lesung befürwortete Verbot von immun-toxischen und entwicklungs-neurotoxischen Pestiziden dem politischen Kompromiss zum Opfer fiel“, so Burtscher weiter. „Zu befürchten ist zudem, dass Mitgliedstaaten, die zukünftig strengere Sicherheitsstandards als die der Kommission anlegen wollen, von der Pestizidindustrie geklagt werden können.“


Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Biochemiker: DI Dr. Helmut Burtscher 0699/14 2000 34

GLOBAL 2000 Presse: Mag. Ruth Schöffl 0699/14 2000 19, presse@global2000.at