Wien/Brüssel, am 16. Dezember 2013: Die Debatte um die EU-Saatgutverordnung steht möglicherweise vor einer Wende. Im EU-Parlament wächst der Druck, die Verordnung zur gänzlichen Überarbeitung an die EU-Kommission zurück zu schicken. Auch der Vorsitzende des Agrarausschusses, Paolo De Castro (Italien), unterstützt die Initiativen von Karin Kadenbach (SPÖ) und Elisabeth Köstinger (ÖVP), die EU-Saatgutverordnung an die EU-Kommission zurückzuweisen. „Eine Zurückweisung begrüßen wir, denn das würde bedeuten, dass die EU-Kommission ihren Vorschlag grundlegend überarbeiten muss. Die Kommission bekäme dann die Gelegenheit, den Vielfaltspflanzen eine faire Chance einzuräumen. Mittlerweile haben hoffentlich auch die EU-Beamten verstanden, dass die überbürokratischen Nischen das Ende der Vielfalt bedeuten“, erläutert Iga Niznik, Referentin bei ARCHE NOAH, Verein zur Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt. Es ist zudem fraglich, ob das EU-Parlament bis zur EU-Wahl im Mai eine qualitativ hochwertige Überarbeitung der Verordnung hinbekommen kann. „Die EU-Abgeordneten stehen unter Zeitdruck, bald ist EU-Wahlkampf. Wenn das EU-Parlament versucht, die Verordnung noch vor der Wahl durchzupeitschen, wird die Qualität leiden“, befürchtet Niznik.

Inzwischen zeichnet sich ab, wie sich die neue Bundesregierung in Österreich zum Thema Vielfalt positionieren will. Im Regierungsprogramm wird als Ziel die „Erhaltung der österreichischen Vielfalt im Bereich des Saatgutes“ festgehalten. „Es ist erfreulich, dass die neue Bundesregierung versucht, dem Wunsch der BürgerInnen nach mehr Vielfalt bei Gemüse, Obst und Getreide Rechnung zu tragen“ kommentiert Heidemarie Porstner, Agrarexpertin bei der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. „Allerdings hat es leider nicht zu mehr als einem Allgemeinposten gereicht. Es wäre absolut notwendig, auch budgetäre Maßnahmen für den Erhalt der Vielfalt zu setzen. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre die konsequente Implementierung einer gut ausgestatteten nationalen Biodiversitätsstrategie.“

GLOBAL 2000 und ARCHE NOAH deponieren nun auch beim Umwelt- und Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter den Wunsch der Bürgerinnen und Bürger, für die Vielfalt einzutreten: „Wir laden den Minister Rupprechter ein, als erstes Signal an die BürgerInnen unsere Petition ‚Freiheit für die Vielfalt‘ (www.freievielfalt.at) zu unterstützen. Mittlerweile haben fast 300.000 Menschen in Österreich der Vielfalt ihre Stimme gegeben“, sagt Heidemarie Porstner von GLOBAL 2000.