Wien, 30.9.2013: Heute, Montag, berät der Agrarausschuss des EU-Parlaments erstmals über die EU-Saatgutverordnung. Im Mai dieses Jahres hatte die EU-Kommission einen Vorschlag vorgelegt, der zahlreiche neue Auflagen für die Vermarktung und Weitergabe von Saatgut vorsieht. Alte und seltene Sorten können die Auflagen für die Zulassung nicht oder nur schwer erfüllen. Die Umweltorganisation GLOBAL 2000 und der Verein ARCHE NOAH haben die Verordnung bereits im Vorfeld diese Gefährdung der alten und seltenen Sorten von Obst, Gemüse und Getreide scharf kritisiert und wurden dabei von über einer Viertelmillion Menschen unterstützt. Heidemarie Porstner, Agrarsprecherin von GLOBAL 2000, erklärt: „Die neuen Regelungen sind ganz klar auf die Bedürfnisse der Agrarindustrie zugeschnitten. Alte und seltene Sorten sind durch den derzeitigen Vorschlag massiv in Gefahr. Die Kartoffel Sieglinde oder die Ochsenherz-Paradeiser könnten für immer von den Feldern verschwinden.“

Jetzt starten die Verhandlungen – wenn alles nach Plan geht, soll das Plenum des EU-Parlaments Mitte April 2014 über die Saatgutverordnung abstimmen. Bis 4. Dezember können die EU-Abgeordneten Abänderungsanträge zur Verbesserung des Vorschlags der Kommission einbringen. „Die EU-Abgeordneten haben nun die Gelegenheit, das Saatgutrecht zu reparieren“, sagt Iga Niznik, Referentin für Saatgutpolitik beim Verein ARCHE NOAH. „Die NGOs haben dazu konkrete Vorschläge formuliert. Die Vielfalt an Obst, Gemüse und Getreide darf nicht die Ausnahme sein, sondern die Regel – das fordern auch die KonsumentInnen. Wir appellieren an die EU-Abgeordneten und an die neue österreichische Bundesregierung, diesen Auftrag umzusetzen.“ Die NGOs erinnern auch daran, dass auch der zukünftige Landwirtschaftsminister oder die zukünftige Landwirtschaftsministerin durch den Beschluss des EU-Ausschusses des Nationalrats von Anfang Juli daran gebunden ist, die Vielfalt zu verteidigen.

Trotz Beteuerungen der Kommission, der Entwurf sei entschärft worden, bleibt die Kritik der NGOs aufrecht. „Die EU-Saatgutverordnung diskriminiert weiterhin alle Kulturpflanzen, die nicht auf Industriebedürfnisse getrimmt sind“, sagt Iga Niznik. „Die Vielfalt wird in eine winzige Nische gepresst und soll laut der Logik der Verordnung die klare Ausnahme bleiben. Menschen, die Vielfalts-Saatgut weitergeben wollen, werden mit unverhältnismäßiger Bürokratie daran gehindert. Diese Verordnung lehnen wir ab.“

Die Petition „Freiheit für die Vielfalt“ von GLOBAL 2000 und der ARCHE NOAH kann weiterhin unterzeichnet werden unter: www.freievielfalt.at