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Wien/Marrakesch, am 16. November 2016 – Heute wurde der „Climate Change Performance Index” von „Germanwatch“ bei der Klimakonferenz in Marrakesch präsentiert, der die Klimabilanz von 58 Staaten auf den Prüfstand stellt. Die ersten drei Plätze bleiben wie in den vergangenen Jahren frei, weil noch keines der großen Emittentenländer ausreichend Klimaschutz betreibt. Auf den Rängen 4 bis 6 befinden sich Frankreich, Schweden und Großbritannien, wobei das Gastgeberland Marokko einen wahren Höhenflug hinlegt und den 8. Platz belegt. Die schlechteste Klimaschutzperformance unter den entwickelten Industrienationen weisen Japan, Australien und Kanada auf. Österreich landet nur auf dem 41. Platz und ist damit auf den hinteren Rängen vertreten. „Österreich ist bei der weltweiten Klimaleistungsschau weit von einem Stockerlplatz entfernt. Die Klimaschutzpolitik wird seit Jahren vernachlässigt und deswegen gibt es auch schlechte Ergebnisse“, betont Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, auch heuer wieder vor Ort bei der Klimakonferenz in Marrakesch.

Wahlmüller weiter: „Gegenüber 1990 sind praktisch keine CO2-Reduktionen vorzuweisen und die Ziele bis 2020 sind lächerlich gering. Das ist im internationalen Vergleich einfach zu wenig. Es braucht jetzt ein Klimaschutzpaket, das diesen Namen auch verdient und eine Energie- und Klimastrategie, mit einem Umsetzungsfahrplan für den Ausstieg aus fossiler Energie in Österreich, damit wir zumindest zu den anderen europäischen Ländern aufschließen können!“

Österreich schlecht bei Treibhausgasmissionen, gut bei erneuerbarer Energie

Der Grund für das schlechte Abschneiden Österreichs liegt an dem anhaltend hohen Stand der Treibhausgasemissionen pro Kopf und den viel zu schwach ausgeprägten Reduktionstrends. So sind in Österreich laut Umweltkontrollbericht im Jahr 2015 die Treibhausgasemissionen wieder um 3,2 Prozent gestiegen und damit wieder etwa auf dem Niveau von 1990, während die Treibhausgasemissionen EU-weit in diesem Zeitraum um mehr als 24 Prozent gefallen sind. Positiv schneidet Österreich hingegen beim Anteil erneuerbarer Energien ab.

Positive Trends bei Entwicklungsländern – Europäische Länder unter Zugzwang

Generell sieht der Index heuer positive weltweite Trends hin zu mehr erneuerbarer Energie und Energieeffizienz. Hervorgehoben werden Indien, Argentinien und Brasilien, die sich stark verbessern konnten. Die EU-Staaten sind dabei unter Zugzwang, ihre Vorreiterrolle nicht vollends zu verspielen. Zuletzt wurden Investitionen in erneuerbare Energien in Ländern wie Schweden, Deutschland, Großbritannien und Dänemark gekürzt. Dänemark, das jahrelang den führenden 4. Platz innehatte, ist deswegen heuer auf den 13. Platz abgerutscht. Auch anderen EU-Ländern droht ein Abrutschen, wenn sich Rückschritte in den Klimabilanzen bemerkbar machen.

Indikator orientiert sich an Treibhausgasemissionen

Der „Climate Change Performance Indikator” errechnet sich aus zahlreichen Indikatoren. Das Emissionsniveau und der Emissionstrend gehen mit jeweils 30 Prozent in den Index ein, der Anteil erneuerbarer Energien, der Stand der Energieeffizienz, internationale und nationale Klimaschutzpolitik mit jeweils 10 Prozent. Es ist somit ein Indikator, der sich überwiegend an harten Treibhausgasemissionsfakten orientiert.