Bezugnehmend auf die Klimagespräche in Alpbach, bei denen sich Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl für 100 % Gratiszertifikate für die Industrie ausspricht, pocht die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 ebenfalls auf eine Reform der EU-Klimaschutzpolitik. Aber auch die Industrie soll dabei ihren fairen Beitrag leisten.

GLOBAL 2000 ortet die Ausgabe von zu vielen Gratiszertifikaten: Daten der EU-Kommission zufolge wurden europaweit etwa 1,5 Milliarden CO2-Zertifikate zu viel ausgegeben. „Derzeit ist der CO2-Emissionshandelsmarkt von Gratiszertifikaten geflutet. Die Folge ist ein massiver Preiseinbruch, der Energie aus Kohle gegenüber weniger umweltbelastenden Alternativen begünstigt. Eine Reform der EU-Klimapolitik muss daher einen ausreichenden Preisanreiz für die Vermeidung von CO2-Emissionen bieten. Erster und wichtigster Schritt ist dabei das Ende des Freikaufens über sogenannte Offset-Projekte“, so Johannes Wahlmüller, Energie- und Klimasprecher GLOBAL 2000.

Dabei können Unternehmen über die Finanzierung von Projekten in anderen Ländern CO2-Gutschriften erwerben. Häufig sind diese Projekte jedoch auf Grund mangelnder Umweltintegrität oder Sozialstandards höchst umstritten. In Zeiten überhöhter Ausgabe von Zertifikaten sollte diese Möglichkeit des Freikaufens gänzlich abgestellt werden. Gemäß den Daten der EU-Kommission, die zuletzt im Carbon Market Report veröffentlicht wurden, gehen 75 Prozent der derzeitigen Überschüsse von CO2-Zertifikaten am Markt auf diese Projekte zurück.

Österreichs Unternehmen profitieren von Klimaschutz

Eine Analyse von GLOBAL 2000 zeigt zudem, dass die österreichischen Unternehmen bis dato durchwegs vom Emissionshandel profitiert haben. Von 95 österreichischen Unternehmen im Emissionshandel haben 77 mehr Zertifikate bekommen als benötigt. Diese können sie dann am Markt verkaufen. „Österreichs Industrie profitierte damit von Investitionen in Energieeffizienz und vom Klimaschutz. Wer effizienter wirtschaftet bekommt so einen Wettbewerbsvorteil. An dieser grundsätzlichen Ausrichtung soll die EU-Klimapolitik auch festhalten. Wer umweltfreundlicher wirtschaftet, soll belohnt werden. Wer zu den Nachzüglern gehört, soll stärkere Anreize bekommen um zum Rest aufzuschließen“, so Wahlmüller.

Neue Ansätze für EU-Klimapolitik

Kritisch sieht GLOBAL 2000 daher die übermäßige Ausgabe von Gratiszertifikaten. Stattdessen soll ein CO2-Preis branchenübergreifend und europaweit wirken - und sogenannte Grenzausgleichsmechanismen geschaffen werden: Beispielsweise könnten Importe von Produkten wie Stahl oder Papier aus Ländern, die keinen CO2-Preis eingeführt haben, mit einem CO2-Zoll belegt werden, Exporte in diese Länder durch entsprechende CO2-Gutschriften gleichgestellt werden. „Diese Konzepte verdienen in der zukünftigen EU-Klimapolitik viel größere Aufmerksamkeit, weil sie die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gegenüber Konkurrenten berücksichtigen, aber trotzdem zu Anreizen für Klimaschutzinvestitionen führen“, so Wahlmüller abschließend.