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Wien, am 23. Mai 2018 - Es ist möglich, mit 100 Prozent Biolandbau die österreichische Bevölkerung mit österreichischer Bio-Produktion zu ernähren, und das, ohne die industrielle Wertschöpfung oder die Wertschöpfung aus dem Export einschränken zu müssen, so das zentrale Ergebnis der heute von der Initiative Mutter Erde vorgestellten Studie „100% Biolandbau in Österreich – Machbarkeit und Auswirkungen“ der Autoren Martin Schlatzer (FiBL) und Thomas Lindenthal (Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit).

Nicht nur, dass eine hundertprozentig ökologische Landwirtschaft zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in Österreich beitragen würde, die Umstellung hätte auch beträchtlichen volkswirtschaftlichen Nutzen: Die Studie prognostiziert in einer konservativen Schätzung Einsparungen in der Höhe von fast einer halben Milliarde Euro pro Jahr, die derzeit für die Behebung von externen Kosten konventioneller landwirtschaftlicher Produktion nötig sind (wie z.B. zur Klärung des Wassers von Pestizid- und Nitrateinträgen). Das Szenario setzt dabei einen geringeren Fleischkonsum voraus, der sich an den Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung orientiert, sowie eine deutliche Steigerung der Effizienz der Lebensmittelnutzung durch die durchgängige Vermeidung des als vermeidbar klassifizierten Anteils der derzeitigen Lebensmittelabfälle.

„Die Studie von FiBL und BOKU zeigt deutlich, dass eine durchgängig nachhaltige, ökologisch verträgliche Landwirtschaft ein positives Zukunftsszenario für Österreich ist“, sagt Leonore Gewessler, Geschäftsführerin der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. „100 Prozent Bio wäre eine Win-Win-Situation für österreichische LandwirtInnen, KonsumentInnen sowie die Umwelt und macht deutlich, dass Landwirtschaft und Umweltschutz keine Gegensätze sein müssen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und die Politik die entsprechenden Maßnahmen setzt.“

Die Studie prognostiziert im angestrebten 100-Prozent-Bio-Landwirtschafts-Szenario auch eine verbesserte Biodiversitätssituation. Der Biolandbau setzt auf eine kleinstrukturierte Landwirtschaft, außerdem wird dadurch der Pestizideinsatz in Österreich massiv reduziert. „Es ist höchst an der Zeit, dass sich Österreich nicht zuletzt angesichts von Insekten- und Vogelsterben auf seine historische Vorreiterrolle im Biolandbau besinnt, und die Ökologisierung der Landwirtschaft wieder zum zentralen politischen Ziel macht“, betont Gewessler. „Leider ist das Regierungsprogramm aber gerade in diesem Bereich mehr als enttäuschend. Es findet sich darin weder ein klares Bekenntnis zur Förderung der Biolandwirtschaft noch zur Reduktion des Pestizideinsatzes, weiters mangelt es an gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung“, erklärt Gewessler weiter. „Ein Flächenschutzplan zur Erhaltung fruchtbarer landwirtschaftlicher Böden steht ebenfalls nicht in Aussicht“, nimmt Gewessler zusätzlich auf die hohe Verbauungsrate Österreichs und unser Produktionspotential Bezug.

Gleichzeitig übernimmt die österreichische Präsidentschaft des Rats der Europäischen Union eine der großen Zukunftsaufgaben der EU - die anstehende Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP). „Ministerin Köstinger muss daher nicht nur in Österreich, sondern auch auf europäischer Ebene das dringend notwendige Umdenken einleiten. Öffentliche Gelder sollen für öffentliche Leistungen und hier vor allem für die naturverträgliche Landwirtschaft  eingesetzt werden. Das bedeutet, LandwirtInnen wie KonsumentInnen in diesem Systemwechsel zu unterstützen und gemeinsam den Weg in Richtung zukunftsfähige und nachhaltige Landwirtschaft einzuschlagen“, so Gewessler abschließend.

Mutter Erde ist eine Initiative des ORF und der führenden Umwelt- und Naturschutzorganisationen Österreichs, darunter GLOBAL 2000. Nähere Infos unter www.muttererde.at

Hier geht’s zur Studie „100% Biolandbau in Österreich – Machbarkeit und Auswirkungen“