Einer Umfrage von Klimabündnis und „Erneuerbare Energie Österreich“ zufolge sind 79 Prozent der ÖsterreicherInnen mit der derzeitigen Klimapolitik unzufrieden und wollen eine rasche Umsetzung der Energiewende. Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, dazu: „Diese Umfrage ist ein klares Votum für eine nachhaltige Energiezukunft in Österreich und soll als Leitfaden für Politik und Wirtschaft verstanden werden. Denn leider ist das notwendige Umdenken noch nicht in allen Konzernzentralen der Energieversorger angekommen. Der ebenfalls heute präsentierte Bericht von E-Control über die Stromkennzeichnung in Österreich zeigt klar, dass viele Energiekonzerne Wölfe im Schafspelz sind.“

Bericht „Stromkennzeichnung in Österreich“ zeigt Widersprüche

Im Jahr 2013 wurden nicht weniger als 25 neue Grünstromanbieter registriert. Die Zahl an Ökostromanbietern ist damit österreichweit auf 81 Lieferanten gestiegen. Was erfreulich klingt, ist aber nur allzuoft auf einen Widerspruch zwischen der Realität und der Stromkennzeichnung zurückzuführen. So vermeiden es manche Energiekonzerne, ihren gesamten Strommix bei den Kunden anzugeben, indem sie Tochtergesellschaften für jeweils sauberen Grünstrom und fossile Energie geschaffen haben. „Der private Stromkonsument glaubt ein Unternehmen zu unterstützen, das auf 100 Prozent grüne Energie setzt. Gleichzeitig wird aber dreckiger, fossiler Strom über Tochtergesellschaften an weniger umwelbewusste Kunden verkauft – ein lukratives Geschäft, das dem Umweltschutzgedanken, dem sich die überwältigende Mehrheit der ÖsterreicherInnen verbunden fühlt, leider wenig bringt“, so Johannes Wahlmüller weiter.

Konkret führt GLOBAL 2000 an, dass beispielsweise der Verbund mit 100 Prozent Wasserkraft wirbt, über die Tochtergesellschaft Verbund Sales GmbH aber gleichzeitig fossile Energie und Atomenergie verkauft, weil 73 % der abgegebenen Strommenge aus dem europäischen ENTSO-E-Mix kommen. Nach wie vor gibt es auch keinen klaren Ausstiegsplan des Konzerns aus der Verstromung von Kohle. Auch die EVN, Co-Betreiber des Kohle-Kraftwerks Dürnrohr, vertreibt Grünstrom über eine Beteiligung an einer Tochtergesellschaft. Wahlmüller: „Wir brauchen ein Umdenken in den Zentralen der Energiekonzerne, das über die Verkaufsstrategien von grünem Strom hinausgeht. Als nächster Schritt muss Kohle ein Ablaufdatum bekommen. Die Verbrennung von Kohle in Österreich zur Stromerzeugung ist mit Klimaschutz und mit der Energiewende nicht vereinbar“, so Wahlmüller abschließend.