Umweltschützer fordern das Glück von Passanten heraus - und morgen auf der Klimakonferenz Taten ein

(Wien, 8. Dezember 2011) - GLOBAL 2000-AktivistInnen präsentieren am heutigen Donnerstag von 11.00 - 13.00h auf der Wiener Mariahilferstraße das "Klimaglücksrad". Passanten drehen an dem Rad, das in mehrere "Gradzonen" eingeteilt ist. Danach werden sie informiert, welche Auswirkung eine Klimaerwärmung mit der von ihnen erdrehten Gradanzahl hätte. "Wenn es in Durban nicht bald zu verbindlichen Entscheidungen kommt, wird dieses Glücksspiel bald zum realistischen Szenario werden." GLOBAL 2000-Klimaexperte Johannes Wahlmüller ist unterdessen als Teil der österreichischen Delegation bei der UN-Klimakonferenz in Durban vor Ort. Er betont: "Es geht um die Zukunft des gesamten UN-Prozesses. Die EU soll hier ein Zeichen setzen und das Kyoto-Protokoll ratifizieren. Es wäre keine zusätzliche Anstrengung damit verbunden, würde aber zeigen, dass die EU es ernst meint."

Wahlmüller erklärt weiter: "Gleichzeitig muss es gelingen, den Green Climate Fund aufzusetzen - ein Versprechen von Cancun, das endlich eingelöst werden soll. Dieser Fonds muss umgehend befüllt werden, damit so bald wie möglich die Arbeit zum Klimaschutz aufgenommen werden kann. Besonders Afrika, das heute schon stark von der globalen Erwärmung betroffen ist, kann nicht länger auf Unterstützung warten." Der Klimaexperte warnt eindringlich vor den Schlupflöchern, die in ein kommendes Klimaregime eingebaut werden sollen: "Es liegen Vorschläge auf dem Tisch, die die Ziele der Industrienationen auf Null reduzieren würden. Das darf die EU nicht akzeptieren: Man kann nicht glaubhaft weiterverhandeln, wenn man seine eigenen Ziele nur über Schlupflöcher erreichen will."

Konkret handelt es sich bei den Schlupflöchern einerseits um die Waldbilanzierung (LULUCF) und andererseits um sogenannte "Hot Air":

- In Sachen Waldbilanzierung hat der auch von Österreich unterstützte Vorschlag völliges Chaos ausgelöst. Eigentlich sollte jedes Land Emissionen aus der Waldnutzung korrekt bilanzieren. "Jetzt soll sich aber jedes Land einen Referenzwert für 2020 setzen - und nur die Abweichung von diesem selbst gesetzten Szenario soll bilanziert werden", erklärt Wahlmüller: "Zusätzlich verwendet jedes Land seine eigene Bilanzierungsmethode, einige Länder scheinen das auszunutzen - Russland konnte Experten zufolge beispielsweise über diese Bilanztricks einen großen Teil seiner Ziele erreichen. Möglich wird das, wenn die selbst erstellten Szenarien einfach so gesetzt werden, dass viele Gutschriften generiert werden - Millionen Tonnen CO2 können so aber unbilanziert in die Atmosphäre gelangen. Für Österreich kann es kein Ziel sein, CO2-Emissionen einfach nur zu verstecken, anstatt sie zu reduzieren - denn CO2 lässt sich nicht wegbilanzieren."

- Einige Staaten haben große Überschüsse an Zertifikaten angehäuft, die für die jetzige Kyoto-Periode von 2008-2012 gelten. Nun wird gefordert, dass diese Überschüsse in die nächste Kyoto-Periode übertragen werden können: "Passiert das, würde das die Ziele der Industriestaaten völlig verwässern", sagt Wahlmüller. Zertifikate im Wert von über einer Milliarde Tonne CO2 (!) drohen überzuschwappen: "Unterschreibt nun die EU ein Kyoto-Protokoll, das diese Erlaubnis enthält, würde man aus Durban sogar mit weniger Ambitionen hinausgehen als man hineingegangen ist. Das kann nicht das Ziel der EU sein: Wir brauchen MEHR Anstrengungen im Klimaschutz und nicht weniger!", so Wahlmüller.

Österreichs Umweltminister Nikolaus Berlakovich hat in den Augen von GLOBAL 2000 die Aufgabe, sich für ein Klimaschutzabkommen einzusetzen, das diesen Namen auch verdient. "So kann er innerhalb Europas Leadership zeigen und höhere Ziele unterstützen."

 

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