Wien, am 06. Oktober 2015 - Erfreut zeigt sich die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 über die nun erfolgreich abgeschlossene Umstellung des Hofer-Eigenmarkensortiments im Bereich der Kosmetik- und Körperpflegeprodukte auf "hormonfreie" Inhaltsstoffe. "Parabene, Weichmacher & Co sind damit Geschichte in allen Hofer-Eigenmarken", freut sich der GLOBAL 2000 Umweltchemiker Helmut Burtscher über die Initiative der Lebensmittelkette: "Mit dem konsequenten Verzicht auf hormonähnliche Chemikalien setzt die Handelskette einen verantwortungsvollen und wichtigen Schritt zur Vermeidung unnötiger Gesundheitsrisiken für Konsumentinnen und Konsumenten."

Der vor zwei Jahren von GLOBAL 2000 durchgeführte Kosmetikcheck hatte ergeben, dass mehr als ein Drittel der rund 400 untersuchten Bodylotions, Zahnpasten, Aftershaves und Parfums Stoffe enthielten, die auf der EU-Verdachtsliste für hormonell wirksame Chemikalien in der höchsten Priorität eingestuft sind.

"Parabene, UV-Filter und Weichmacher werden über die Haut aufgenommen und sind schon wenige Stunden nach dem Auftragen auf die Haut im Blut und in weiterer Folge auch in der Muttermilch nachweisbar", erläutert Burtscher: "Da diese Stoffe im Verdacht stehen, hormonelle Steuerungsprozesse zu stören und zelluläre Entwicklungs- und Stoffwechselprozesse in eine falsche Richtung zu lenken, haben sie in Körperpflegeprodukten nichts verloren."

Handel handelt, Politik schläft, Mediziner warnen

Unter Österreichs Diskontern und Lebensmittelhändlern hat Hofer als erster die Zeichen erkannt hat und hormonell wirksame Inhaltsstoffe aus seinen eigenen Körperpflegeprodukten verbannt. Ein Jahr zuvor hatte bereits BIPA als erster Drogeriemarkt diesen Weg beschritten und seine Körperpflege-Eigenmarken hormonfrei gemacht. "Wir hoffen nun, dass weitere Drogeriemärkte und Handelsketten, ebenso wie Nivea, L`Oreal und Co diesem Beispiel folgen werden", sagt Umweltchemiker Burtscher.

Denn vergangene Woche hatte die "Endocrine Society" als weltweite Dachorganisation von Medizinern und Wissenschaftern auf dem Themenfeld der Endokrinologie ihr zweites "Scientific Statement" präsentiert. Dieses verweist erneut auf einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg zahlreicher Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Adipositas, Fortpflanzungsstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen sowie Brust- bzw. Prostatakrebs und der Exposition durch hormonell wirksame Chemikalien aus Alltagsprodukten wie beispielsweise Lebensmittelverpackungen oder Kosmetika. Der Bericht empfiehlt, ein entschlossenes Handeln um jede unnötige Exposition durch diese Chemikalien zu vermeiden.

EU-Politik bei Kosmetik-Verordnung säumig

In der EU ist man sich zwar dieser Problematik bewusst und hat schon Ende der 90er-Jahre einen politischen Prozess mit dem Ziel des Umwelt- und Gesundheitsschutzes gestartet. Doch die gesetzliche Regulierung wird durch den enormen Widerstand aus Wirtschaft und chemischer Industrie seit Jahren verzögert. So ist das bereits 2009 beschlossene Verbot für hormonell wirksame Pestizide noch immer nicht umgesetzt worden, weil die EU-Kommission die hierfür nötigen formalen und wissenschaftlichen Grundlagen seit Dezember 2013 schuldig bleibt. In weiterer Folge ließ sie auch die mit Jänner 2015 anberaumte Frist für eine Neubewertung hormonell wirksamer Kosmetikinhaltsstoffe tatenlos verstreichen lassen.

"Daher ist es sehr wichtig, dass der Handel proaktiv und verantwortungsvoll agiert", sagt Burtscher. "Leider haben wir den Eindruck dass noch immer manche, vor allem die großen Marken, die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. GLOBAL 2000 wird daher zum Jahreswechsel eine Neuauflage seines Kosmetikchecks durchführen und darüber berichten, welche Hersteller und Händler den Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten vor hormonell wirksamen Chemikalien ernst nehmen."

Weitere Infos über den Kosmetikcheck: www.global2000.at/kosmetikcheck