Erster Schritt in die richtige Richtung - Beschränkung auf Trinkfläschchen nicht ausreichend – BM Stöger muss angekündigtes BPA-Verbot für alle kindernahen Produkte umsetzen

(Wien, 24. November.2010). Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 begrüßt den ersten Schritt der EU-Kommission gegen den Einsatz der hormonähnlichen Chemikalie Bisphenol A (BPA). Einem Exklusiv-Bericht von „Food Quality“ zu Folge beabsichtigt die EU-Kommission nun ein europaweites, allerdings nur auf Trinkfläschchen beschränktes, Verbot der Chemikalie. „Ein erstes Zeichen, dass endlich ein Umdenken in die richtige Richtung stattfindet. Doch um dem Gesundheitsrisiko durch BPA wirklich entgegenzuwirken, muss diese hormonell wirksame Chemikalie in allen Lebensmittel-Kontaktmaterialien verboten werden“, fordert Daniela Hoffmann, Chemieexpertin von GLOBAL 2000.

Laut Insiderinformationen haben sich die Lobbyingaktivitäten der chemischen Industrie auf Brüsseler Ebene bereits verstärkt. „Chemiekonzerne und LebensmittelproduzentInnen bangen jetzt um die unbeschränkte Nutzung des billigen Chemikalie Bisphenol A. Die Industrie versucht nun jegliche Einschränkung der Verwendung von Bisphenol A abzuwenden. Die Europäische Kommission täte gut daran die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu schützen, statt wie bisher hauptsächlich die Interessen der Industrie“, so Hoffmann.

BM Stöger muss weitergehendes Verbot verhängen

Österreich ist in dieser Hinsicht schon einen Schritt voraus. Nach einer Kampagne von GLOBAL 2000 kündigte Bundesminister Alois Stöger bereits im September ein nationales Verbot von Bisphenol A in allen kindernahen Produkten an. „Minister Stöger muss jetzt das versprochene BPA-Verbot auch umsetzen. Denn auf EU-Ebene ist in absehbarer Zeit keine Regelung zu erwarten, die dem Vorsorgeprinzip Rechnung trägt“, so Hoffmann. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte nach monatelanger Verzögerung letztlich im September einen industriefreundlichen Bericht zur Sicherheit von Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen verfasst. Lediglich ein Mitglied des befassten ExpertInnengremiums der EFSA räumte gewisse Zweifel an der Sicherheit der Chemikalie ein. „Die kürzlich bekannt gewordene Nähe der EFSA-ExpertInnen zur chemischen Industrie, setzen diese Risikobewertung von BPA allerdings in ein sehr schlechtes Licht. Der Verdacht, dass sich die Industrie günstigen Risikobewertungen kauft, liegt nahe“, kommentiert Hoffmann.

Studien belegen, Höchstwert ist nicht sicher

Zahlreiche unabhängige Studien belegen, dass Bisphenol A bereits in Mengen weit unter dem gesetzlich geregelten Höchstwert der erlaubten Tagesdosis negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben kann. Die Chemikalie steht unter dringendem Verdacht ins menschliche Hormonsystem einzugreifen und dadurch die Gesundheit zu gefährden. Aufgrund der hormonähnlichen Wirkung von Bisphenol A müssen besonders Kinder und schwangere Frauen vor der Aufnahme von Bisphenol A geschützt werden.

Die Aufnahme von Bisphenol A erfolgt hauptsächlich über mit der Chemikalie in Kontakt gekommene Nahrungsmittel. Aufgrund der kostengünstigen Produktion und Verarbeitung findet Bisphenol A in polymerisierter Form als Polycarbonat Plastik und Epoxidharz zahlreiche Anwendung in alltäglichen Gebrauchsgegenständen und Lebensmittelverpackungen.

Food Quality Bericht:

PA BM Stöger 24.9.2010: