Wien, 14. Juni 2013: Die Ankündigung von Landwirtschaftsminister Berlakovich, als Reaktion auf die von GLOBAL 2000 gestern präsentierte Studie über die Glyphosat-Belastungen im menschlichen Körper den Verkauf dieses Unkrautvernichtungsmittels an Private einschränken zu wollen, wird seitens GLOBAL 2000 grundsätzlich begrüßt. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass diese Maßnahme die österreichischen KonsumentInnen nicht vor der Aufnahme des hormonell wirksamen Pestizids über die Nahrung, insbesondere über Brot und Backwaren, schützen kann. Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000, erklärt: “Für unsere Glyphosat-Studie wurden ausschließlich Testpersonen ausgewählt, die dieses Unkrautvernichtungsmittel nach eigenen Angaben weder beruflich noch privat verwendet haben. Dass dennoch insgesamt die Hälfte der Untersuchten das Unkrautvernichtungsmittel in ihrem Körper hatten, kann also nicht auf den privaten Gebrauch zurückgeführt werden.“

Als primäre Ursache vermuten das Umweltnetzwerk Friends of the Earth und GLOBAL 2000 die Zunahme von sogenannten “Sikkations- bzw. Totspritzungen” von Getreide: “Diese vom Landwirtschaftsministerium als 'Ernteerleichterung' zugelassene Pestizidanwendung sieht in der Praxis so aus, dass die Landwirte ihre Getreidefelder rund eine Woche vor der Ernte mit dem Unkrautvernichtsungsmittel Glyphosat totspritzen. Ein möglicherweise ungleicher Reifegrad der Körner wird dadurch ausgeglichen und der Erntevorgang insgesamt erleichtert. In Kauf genommen wird, dass das hormonell wirksame und mit Missbildungen und Fruchtbarkeitststörungen in Zusammenhang gebrachte Pestizid in unsere wichtigsten Grundnahrungsmittel und unseren Körper gelangt”, kritisiert Burtscher.

Gestrige Aussagen seitens der Landwirtschaftskammer, wonach der Einsatz von Glyphosat zur Trocknung von Getreide „die Ausnahme“ sei und „höchsten vereinzelt“ vorkomme, stehen in Widerspruch zu den Informationen, die GLOBAL 2000 von Fachleuten und LandwirtInnen mitgeteilt worden sind. Obwohl die EU vorgibt, dass nicht nur die Inverkehrbringungsmengen von Pestizidwirkstoffen statistisch erfasst werden sollen, sondern auch deren Anwendungsmengen für die unterschiedlichen Kulturen, fehlen in Österreich entsprechende Erhebungen durch das Landwirtschaftsministerium. "Die Frage nach dem Umfang von Totspritzungen bei Brotgetreide durch Glyphosat ist von großem Interesse für die KonsumentInnensicherheit. Ihre Beantwortung darf doch bitte nicht in der Deutungshoheit derjenigen liegen, die diese Produkte und Praktiken zulassen bzw. selbst anwenden, sondern muss auf transparenten Datenerhebungen basieren", fordert Burtscher.

„Getreide ist ein Lebensmittel. Sollte Landwirtschaftsminister Berlakovich weiterhin zulassen, dass dieses Lebensmittel vor der Ernte mit Unkrautvernichtungsmitteln abgetötet wird, um den Erntevorgang zu erleichtern, was zu Glyphosat-Belastungen von Brot, Backwaren und anderen Getreideprodukten führen kann, dann sind wir sehr gespannt, wie er das den Bürgerinnen und Bürgern erklärt”, betont der Umweltchemiker von GLOBAL 2000.

GLOBAL 2000 bekräftigt die Forderung nach einem sofortigen Verbot von Glyposat-Anwendungen auf Lebensmittel und Futtermittel. Ebenso unterstützt GLOBAL 2000 den von Wolfgang Pirklhuber (Grüne) und Gerhard Huber (BZÖ) geforderten und im Parlamentarischen Unterausschuss „Pflanzenschutz“ behandelten generellen Zulassungsstopp für Glyphosat.