Österreichisches Parlament muss den Einsatz gefährlicher Bienenkiller stoppen und ein Zeichen für ernst gemeinten Bienenschutz setzen.

Wien (8. Mai 2013) – Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 nimmt mit großem Bedauern, aber wenig überrascht, zur Kenntnis, dass der gestern von Landwirtschaftsminister Berlakovich spontan anberaumte „Bienengipfel“ nur schöne Worte, aber keine einzige Maßnahme zum Bienenschutz gebracht hat. Auf Nachfrage bestätigte die Europäische Kommission, dass eine nachträgliche Änderung des Votums rechtlich gar nicht möglich sei, die Umsetzung des Verbots sei ohnehin gesetzlich verpflichtend. „Berlakovich` Bienengipfel wird keine einzige Biene vor dem Vergiftungstod retten. Ob er den Minister retten kann, bleibt noch abzuwarten“, kommentiert Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000. „Leider ist das fortschreitende Bienensterben viel zu ernst, um sich durch skurrile Inszenierungen wie diesen Bienengipfel von den tatsächlich notwendigen Maßnahmen zum Bienenschutz ablenken zu lassen.“

Neonicotinoide Insektizide sind rund 7000 Mal giftiger für Bienen als das schon lange verbotene DDT. Bereits vier Nanogramm dieser „modernen“ Insektizide sind für eine Biene tödlich. „Wenn wir die zehn Tonnen Jahresaufwandmenge gleichmäßig auf die rund 1,4 Millionen Hektar Ackerfläche verteilen, macht das 70 Nanogramm Gift pro cm2, bzw. 18 getötete Bienen pro cm² “, rechnet Burtscher vor. „Dieses Beispiel veranschaulicht, wie toxisch die Natur mittlerweile für Bienen und andere Insekten gemacht wird. Doch sind durch den massiven Gifteinsatz auch Würmer, Wasserlebewesen und Vögel massiv bedroht, wie umfangreiche Untersuchungen in den Niederlanden gezeigt haben. Wir steuern derzeit sehenden Auges auf ein ökologisches Disaster zu“, warnt Burtscher. Und weiter: „80 Prozent der Pflanzenarten sind auf bestäubende Insekten angewiesen. Wenn diese ausbleiben, wird ein Artensterben bislang nie da gewesenen Ausmaßes die Folge sein.“

Besonders heimtückisch an diesen Giften ist, dass sie sich im Boden und im Wasser nur langsam abbauen und daher eine Anreicherung und Übertragung auf andere Pflanzen erfolgen kann. Dieser Effekt kam zum Tragen, als der Imkermeister Toni Reitinger aus Oberösterreich im Vorjahr 53 Bienenvölker verlor: „Die Untersuchungen der mit diesen Giften kontaminierten Pollen in den Bienenstöcken hat ergeben, dass meine 53 Bienenvölker durch gesammelte Blütenpollen einer Grünbrache vergiftet worden sind, die selbst gar nicht mit diesen Giften behandelt wurde, sondern diese aus dem Ackerboden aufgenommen hat. Die derzeit von der EU beschlossenen Teilverbote hätten daher meine 53 Bienenvölker nicht retten können.”

Wir werden das Bienensterben und das sich anbahnende ökologische Disaster nicht aufhalten können, wenn wir nicht entschlossen handeln und Neonicotinoide so schnell wie möglich zur Gänze aus der Natur verbannen. Dass in Österreich trotz EU-Teilverboten auch zukünftig Neonicotinoid-gebeiztes Wintergetreide auf ca. 350.000 Hektar Ackerfläche ausgebracht werden kann, ist nicht akzeptabel und ökologisch unverantwortlich. „Die ÖVP hat eine Kehrtwende bezüglich der Pestizid-Verbote versprochen. Am 15. Mai wird sie – ebenso wie die anderen Parlamentsparteien – ihr wahres Gesicht zeigen und Farbe bekennen müssen. Denn dann steht im parlamentarischen Landwirtschaftsausschuss ein vom Grünen Abgeordneten Wolfgang Pirklhuber eingebrachter Antrag zur Abstimmung, der das Ausbringen von neonicotinoid-gebeiztem Wintergetreide verbieten will“, sagt Burtscher. Deutschland hat ein entsprechendes Verbot bereits 2009 zum Schutz der Bienen umgesetzt. GLOBAL 2000 fordert alle Parlamentsfraktionen auf, für ein generelles Verbot von neonicotinoiden Saatgutbeizmittel zu stimmen.