Bienengift für Maisanbau in Österreich noch immer erlaubt, in Deutschland und Italien bereits seit zwei Jahren verboten – UmweltschützerInnen fordern sofortiges Verbot

(Wien, 4. Mai 2010). Nach Recherchen der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 kommt es in Oberösterreich und der Steiermark auch heuer wieder zu einem Bienensterben durch Vergiftungen aus der Chemie im Maisanbau. Während in Deutschland und Italien Verbote zum Schutz der Bienen verhängt wurden, wurde in Österreich dieser Tage wieder mit Clothianidin gebeiztes Mais-Saatgut ausgebracht. „Wir fordern, das für das Bienensterben verantwortliche Insektengift sofort aus der Landwirtschaft zu verbannen. Solche Nervengifte gehören in den fest verschlossenen Giftschrank und nicht auf unsere Äcker", empört sich Werner Müller, Bienenexperte von GLOBAL 2000.

Bei der Saatgutbeize wird Clothianidin direkt auf das Maiskorn aufgetragen, um die Maispflanzen vor Insekten wie dem Drahtwurm und dem Maiswurzelbohrer zu schützen. Clothianidin wirkt als Nervengift. Es blockiert die Acetylcholinrezeptoren im Zentralen Nervensystem und kann daher auch Vögeln und Säugetieren gefährlich werden. Für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten dürfte neben dem giftigen Beizstaub, der bei der Aussaat freigesetzt wird, auch die Maisjungpflanze noch wochenlang durch so genannte maiseigene Tautropfen (Gutationswasser) eine Giftquelle darstellen.

Vertrösten statt handeln?

Bereits im Jahr 2007 ignorierten die Behörden die Warnungen der ImkerInnen vor der Saatgutbeize. Nach dem Bienensterben 2008 wurde den ImkernInnen zugesichert, den Zusammenhang zwischen den Maisbeizmitteln Clothianidin und Thiametoxam und dem Bienensterben zu untersuchen. Sollte sich herausstellen, dass Clothianidin für das Bienensterben verantwortlich ist, wird es verboten werden, so der offizielle Kommentar.

2009 wurde im Rahmen eines AGES-Projektes der klare Nachweis erbracht, dass das Beizmittel die Ursache für das Bienensterben ist. Die langjährigen Beobachtungen der ImkerInnen wurden bestätigt. Jedoch wurde auch 2009 kein Verbot ausgesprochen, sondern lediglich zugesagt, dass durch neue Auflagen für die Landwirtschaft wie zum Beispiel die Verwendung von speziellen Geräten für die Maisaussaat, das Bienensterben im Jahr 2010 verhindert würde.

Bereits im Sommer 2008 rechneten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des österreichischen Imkerbundes und GLOBAL 2000 die Obmänner des Imkerbundes und des Erwerbsimkerbundes dem damaligen Landwirtschaftsminister Pröll vor, dass auch in Österreich mehr als 3.500 Bienenvölker geschädigt worden waren. Sie forderten die sofortige Aufhebung der Zulassung der bienengefährlichen Pestizide.

GLOBAL 2000 fordert zum Schutz der Bienen und der Wildbienen angesichts der wiederholten Fälle von Bienenvergiftungen ein sofortiges Verbot der Verwendung von Neonicotinoiden, vor allem zur Maisbeizung.

Fruchtfolge statt Chemiekeule

Es gibt eine einfache und absolut wirksame Alternative zum Einsatz von bienengefährlichen Ackergiften: die altbewährte Fruchtfolgewirtschaft. Schädlinge wie der Maiswurzelbohrer werden erst durch Monokulturen zum Problem. Das Unterbrechen des monotonen Maisanbaus durch eine Fruchtfolge hindert den Maiswurzelbohrer in seiner Entwicklung, und löst das Problem auf natürliche Weise“, so Werner Müller.

Rückfragehinweis: GLOBAL 2000 Presse: Jens Karg, Tel.: 0699/14 2000 20, Simonne Baur, Tel.: 0699/14 2000 23, E-Mail: presse@global2000.at