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Agro-Treibstoffe sind hauptverantwortlich für Preissteigerungen bei landwirtschaftlichen Produkten.

Wien (7. Juli 2008). Die Agrarpreissteigerungen gehören zu den wichtigsten Themen des heute startenden G8-Gipfels in Japan. Anlässlich dieser Debatte fordert die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 von Landwirtschaftsminister Pröll, die heimischen Beimischungsziele für Agro-Treibstoffe zu korrigieren. Laut einer vergangene Woche durch die britische Zeitung „The Guardian“ bekannt gewordenen Studie der Weltbank sind bis zu 75 Prozent der Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln auf den Verbrauch von Agrarprodukten und -flächen für die Herstellung von so genannten „Biofuels“ zurückzuführen. „Steigende Nahrungsmittelpreise haben dazu geführt, dass in den letzten Jahren weltweit zusätzlich etwa 100 Millionen Menschen in die Armut abgerutscht sind. Während Minister Pröll weiterhin versucht durch Agro-Treibstoffe Klimaschutzmaßnahmen vorzutäuschen, können sich Menschen in armen Ländern ihr Essen nicht mehr leisten. Diesen Irrweg muss der Minister schnellstens korrigieren“, fordert Jens Karg, Landwirtschaftssprecher von GLOBAL 2000.

Auch die EU-EnergieministerInnen sprachen sich bei einem informellen Treffen am vergangenen Samstag in Paris dafür aus, den Agro-Sprit-Anteil am Treibstoffverbrauch nicht auf zehn Prozent bis 2020 zu steigern. Damit stellen sie sich gegen die bisherigen EU-Ziele. Agrar- und Umweltminister Pröll hingegen will in Österreich das Beimischungsziel von zehn Prozent bereits 2010 umsetzen. „Jetzt wo alle Abstand von der Mogelpackung Agro-Fuels nehmen, darf sich auch Österreichs Minister nicht länger den Fakten verweigern. Es ist keine Schwäche Fehler einzugestehen und neue Erkenntnisse umzusetzen, dafür hätte BM Pröll unsere volle Unterstützung“, so Karg. Berechnungen der Europäischen Umweltagentur ergaben, dass die EU zwei Drittel des Agro-Sprits importieren müsste. Die Agentur, eine Einrichtung zur Beratung der EU, hatte deshalb bereits im April gefordert, das Zehn-Prozent-Ziel aufzugeben. „Wir bräuchten etwa die Hälfte der Agrarfläche Österreichs, um das heimische Ziel von 20 Prozent Beimischung im Jahr 2020 zu erreichen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir für den Teller oder für den Tank produzieren wollen“, fordert Karg. In Österreich müssen seit 1. Oktober 2005 2,5 Prozent aller in Verkehr gebrachten Otto- und Dieselkraftstoffe durch Agro-Kraftstoffe ersetzt werden, seit 2007 4,3 Prozent und ab 1. Oktober 2008 5,75 Prozent. Bis 2010 will Österreich nach den Vorgaben im Regierungsprogramm einen Anteil von zehn Prozent an alternativen Kraftstoffen erreichen und 2020 sogar die Marke von 20 Prozent.

Mittlerweile strebt auch das Europäische Parlament eine Korrektur des bisherigen Kurses an. In den kommenden Wochen wird das Parlament über die zukünftige Richtung der Agrofuels-Politik entscheiden. GLOBAL 2000 hat mit seinem internationalen Netzwerk Friends of the Earth den ParlamentarierInnen bereits alle Argumente zukommen lassen und sie aufgefordert, sich gegen das Zehn-Prozent-Beimischungsziel zu stellen.


Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Presse: Ruth Schöffl, Tel.: 0699/14 2000 19 und Lydia Matzka-Saboi, Tel.: 0699/14 2000 26 E-Mail: presse@global2000.at

GLOBAL 2000 Landwirtschaftssprecher: Jens Karg, Tel.: 0699/14 2000 20