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UmweltschützerInnen warnen vor den Auswirkungen von CCS (Carbon Capture and Storage)

Wien (5. Mai 2008). Anlässlich der heutigen Debatte im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments über CCS, erteilt die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 aktuellen Bestrebungen, CO2 aus der Luft abzuscheiden und dann in den Untergrund zu pumpen, eine klare Absage. Unter dem Kürzel CCS (Carbon Capture and Storage) will die Energiewirtschaft diese Methode als Klimaschutzmaßnahme verkaufen. Statt den Klimawandel an der Wurzel zu bekämpfen und den Ausstoß an Treibhausgasen zu reduzieren, wird hier versucht, bestehendes CO2 „aus der Welt zu schaffen“. Das ist eine klassische „end-of-pipe“-Strategie, die statt Ursachenbekämpfung auf Folgenreduktion setzt. „Statt auf Energieeffizienz zu setzen, soll damit ermöglicht werden, die alten ausgetreten Pfade weiter zu gehen“, kritisiert Heinz Högelsberger, Energiereferent von GLOBAL. Sauber gemacht werden sollen durch diese Methode zahlreiche neue Kohlekraftwerke in Deutschland. „CCS ist ein Etikettenschwindel. Niemand kann garantieren, dass das Kohlendioxid auch tatsächlich über Jahrzehnte hinweg dicht im Untergrund eingeschlossen bleibt“, so Högelsberger weiter.

Laut GLOBAL 2000 zeigt sich, dass die Speicherkapazitäten in früheren Gasspeichern begrenzt sind und ökologische Folgen obendrein nicht erforscht sind. Wird bei einem Kohlekraftwerk die CCS-Technologie angewandt, bedingen CO2-Abscheidung, Transport und Speicherung außerdem einen Energie-Mehraufwand von 10 bis 15 Prozent in den Kraftwerken. Damit wird mehr Kohle verfeuert, so dass am Ende sogar mehr CO2 in die Umwelt gelangen kann als ohne diese Technik. „Eine zukunftsfähige Energieversorgung sollte dezentral sein. CCS erfordert großtechnische Anlagen – sowohl zum Abscheiden und Einleiten des CO2, als auch für die Bereitstellung der dafür benötigten Energie. Stromfirmen, die für ihre Kohlekraftwerke die CCS-Technologie anwenden wollen, müssen sich mit Öl- bzw. Gaskonzernen zusammentun, die die Technologie und Möglichkeiten für das Einleiten von CO2 in den Untergrund haben. Diese Zentralisierung ist weder aus umwelt- noch demokratiepolitischen Gründen wünschenswert“, analysiert Högelsberger.

In Österreich wäre die OMV mehrfache Nutznießerin von CCS. Nimmt man die Produktion und den Gewinn der OMV aus dem Jahr 2006 als Bezugsgröße, machte die OMV mit jeder Tonne freigesetztem CO2 mehr als 30 Euro Gewinn. Nun möchte die OMV auch CO2 in ihre Erdgaslagerstätten verpressen, um damit noch mehr Gas gewinnen zu können. „Damit würde die OMV mit einer Klappe gleich drei Fliegen schlagen: Zuerst trägt sie mit ihrer Öl- und Gasförderung zum Klimawandel bei, dann setzt sie mittels CCS Gegenmaßnahmen und kann das dafür nutzen, noch mehr klimaschädliches Erdgas zu fördern. Und obendrein sollte jeder dieser Schritte gewinnbringend sein“, kommentiert Högelsberger die Geschäftsstrategie des heimischen Erdölkonzerns. GLOBAL 2000 beurteilt CCS daher als Experiment, das mehr Schaden als Nutzen verursachen kann. Die Umweltschutz­organisation spricht sich stattdessen für ein verbindliches Klimaschutzgesetz im Verfassungsrang aus, um den Klimawandel von der Wurzel her zu bekämpfen.

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Energiereferent Dr. Heinz Högelsberger, 01/812 57 30 18
GLOBAL 2000 Presse: Mag. Ruth Schöffl 0699/14 2000 19, presse@global2000.at