Offener Brief an die Bezirkshauptmannschaft Korneuburg

Wien/Korneuburg (23.11.2012) - Sehr geehrte Bezirkshauptmannschaft Korneuburg, Sehr geehrter Herr Dr. Suchanek!

Wie wir Anfragen durch Journalisten entnehmen mussten, planen Sie kommenden Montag die Einleitung von mit Pestiziden kontaminiertem Grundwasser direkt in die Donau. In den Augen von GLOBAL 2000 wäre dies ein unfassbarer und in keiner Weise zu rechtfertigender Schritt. Damit würden Sie den zahlreichen schweren Fehlern, die Sie in Bezug auf die Verhinderung bzw. Eindämmung des Umweltschadens zu verantworten haben, einen weiteren gravierenden folgen lassen.

Eine solche Einleitung stellt keine Lösung des Problems dar, sondern böte ein Paradebeispiel für den verantwortungslosen Umgang einer Behörde mit einem Umweltproblem, das sie selbst mitverschuldet hat. Vor diesem Hintergrund möchten wir Sie noch einmal auf ihre bisherigen Versagen und die bisher daraus entstandenen Schäden aufmerksam machen:

Versagen Nummer 1: Gewerbliche Grundwasserkontamination nicht verhindert

Die GewO§84d (5) verpflichtet die Bezirkshauptmannschaft beim Seveso II Betrieb Kwizda Agro ein Inspektionsprogramm, welches Umweltschäden verhindert, vorzuschreiben und mindestens jährlich zu kontrollieren.

Versagen Nummer 2: Wahres Ausmaß der Kontamination zwei Jahre nicht festgestellt

Nachdem Kwizda den Austritt von Pestiziden ins Grundwasser 2010 bekannt gegeben hatte, versäumte die BH, das Kwizda-Grundwasser auf alle Kwizda-Chemikalien zu untersuchen und das Kontaminationsgebiet abzugrenzen.

Versagen Nummer 3: Bürger zuerst nicht und dann irreführend informiert

Die Bezirkshauptmannschaft hätte die Bevölkerung nach UIG §9 (5) unmittelbar und unverzüglich über die gemeldete Kontamination im August 2010 informieren müssen. Die erste öffentliche Information erfolgte erst im Mai 2011. Das Grundwasser wurde und wird als unbedenklich eingestuft, negative Auswirkungen auf Pflanzen wurden in Abrede gestellt. Seitens der BH hieß es zudem bis zum 30.10.2012, dass das Trinkwasser nie gefährdet gewesen sei.

Versagen Nummer 4: Weitere Umweltschäden durch falsche Maßnahmen verursacht

Ohne Kenntnis der tatsächlichen Chemiebelastung und ohne effiziente Kontrollen erlaubte die BH Korneuburg die Einleitung von kontaminiertem Wasser in den Tresdorfer- bzw. Donaugraben.

Versagen Nummer 5: Hinweise auf Pflanzenschäden ignoriert

Trotz vieler Hinweise aus der Bevölkerung auf Pflanzenverkrüppelungen durch das Grundwasser, und trotz eines AGES-Gutachtens, welches ein Herbizid als mögliche Erklärung dafür nannte, hat die Bezirkshauptmannschaft Korneuburg bis zu den Grundwasseruntersuchungen von GLOBAL 2000 nie nach einem Herbizid im Grundwasser gesucht.

Die Konsequenzen all dieser Fehlleistungen sind:

- Pestizide gelangten mehrfach aus schadhaften Auffangbecken in das Grundwasser.

- Die Kontamination konnte sich ausbreiten und unerkannt die Trinkwasserversorgung Brunnenfeld-Bisamberg erreichen, welche bis September 2012 50.000 Menschen im Raum Korneuburg mitversorgt hat.

- Untersuchungen von GLOBAL 2000 ergaben, dass in Korneuburg der Tresdorfer Graben, der Donaugraben und sogar ein Badeteich pestizidverseucht sind.

- Die Bevölkerung wurde irreführend informiert: Die Konsequenz ist Verunsicherung und Angst in der Bevölkerung und ein tiefes Misstrauen gegenüber amtlichen Informationen, da sich vergangene Informationen wiederholt als falsch herausgestellt hatten.

Gemeinsam mit der Bürgerinitiative "PRO REINES WASSER" fordert GLOBAL 2000 Sie daher im Sinne einer Schadensbegrenzung auf, die Einleitung des kontaminierten Wassers in die Donau zu unterlassen und stattdessen effiziente Maßnahmen zur Beseitigung der Pestizide aus dem Grundwasser zu ergreifen. Sollten Sie tatsächlich - wie uns zugetragen worden ist - mit einer "Gefahr im Verzug - Situation" in Bezug auf private Trinkwasserbrunnen konfrontiert sein, empfehlen wir, das abgepumpte Grundwasser bis zur baldigen Installierung einer geeigneten Filteranlage ungereinigt stromaufwärts wieder dem Grundwasserstrom zuzuführen!

Mit freundlichen Grüßen,

Helmut Burtscher GLOBAL 2000

Matthias Schabl Bürgerinitiative "PRO REINES WASSER"