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BM Pröll darf bei Gentechfreiheit keine faulen Kompromisse eingehen

Wien (4. Juni 2008). Anlässlich des morgen stattfindenden EU-Umwelt­ministerrates warnt die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 vor einem weiteren Kniefall der EU-Kommission vor der Gentech-Lobby. „Unter dem Deckmantel der aktuellen Lebensmittel-Krise wirbt die Kommission für die Legalisierung von nicht zugelassenen Gentech-Konstrukten. Schiffe aus Übersee sollen künftig nicht mehr zurückgewiesen werden, wenn bei ihrer Ladung illegale Gentech-Konstrukte bis zu einem bestimmten Grenzwert gefunden werden. Dieser Plan der Kommission soll morgen im Ministerrat präsentiert werden. Das ist ein weiterer Schlag ins Gesicht der europäischen Kosumentinnen und Konsumenten und damit völlig inakzeptabel“, kritisiert Jens Karg, Gentechniksprecher von GLOBAL 2000.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Diskussion um die Lebensmittelkrise behaupten die Gentech-LobbyistInnen, Europa hätte einen Marktnachteil, wenn die in den USA angebauten Gentechpflanzen nicht auch in Europa akzeptiert würden. Ein konsequentes Verbot von nicht zugelassenen Gentech-Pflanzen würde die Futtermittelpreise weiter in die Höhe treiben. „Bei Mais ist Europa Selbstversorger und Soja beziehen wir im Wesentlichen aus Brasilien und Argentinien. Diese Märkte achten sehr genau darauf, welche Pflanzen in Europa zugelassen sind, weil sie es sich nicht leisten können, an so einem großen Markt wie Europa vorbei zu produzieren. Ein konsequentes europäisches Verbot von nicht zugelassenen Gentech-Pflanzen grenzt also auch in Brasilien und Argentinien die Ausbreitung dieser Risikopflanzen ein“, so Jens Karg.

Seit Jahren versichern Gentechnikkonzerne wie Monsanto, Syngenta und Bayer, ein Nebeneinander von gentechnikfreier Landwirtschaft und dem Anbau von Gentech-Pflanzen sei problemlos möglich. Dagegen zeigen Dutzende von Fällen, dass Kontamination durch Gentech-Konstrukte bereits weltweit Realität ist. Diese Verunreinigung entsteht nicht nur durch Pollenflug, sondern auch durch Insektenbestäubung, Deklarationsfehler, verunreinigte Maschinen, Vertauschen von Saatgut und beim Transport. „Die Unfähigkeit oder der Unwille der Biotech-Konzerne ihre Produkte unter Kontrolle zu halten, zeigt auf, wie wichtig es ist unnachgiebig gegen sie vorzugehen. Minister Pröll muss dafür sorgen, dass die Kommission nicht schon wieder lediglich die Profitinteressen der Konzerne im Auge hat, sondern das Recht auf eine gesunde, gentechnikfreie Landwirtschaft und gentechfreie Lebensmittel einfordern“, betont Karg.

Auf dem morgigen Umweltministerrat ist auch ein „Gedankenaustausch“ über das Gentech-Zulassungsverfahren geplant. Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 wertet diesen als Chance für Österreich, die Mängel des Verfahrens aufzuzeigen und die schon lange angemahnte Reform Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zu konkretisieren. „Wir haben dem Minister unsere Anforderungen für eine Reform des Verfahrens vorgelegt. Morgen wird sich zeigen, wie durchsetzungsfähig unser Minister in der europäischen Runde ist“, so Karg.

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Presse: Ruth Schöffl, Tel.: 0699/14 2000 19 und Lydia Matzka-Saboi, Tel.: 0699/14 2000 26 E-Mail: presse@global2000.at
GLOBAL 2000 Gentechniksprecher: Jens Karg, Tel.: 0699/14 2000 20