Wien, 11.9.13: Das EU-Parlament beschloss heute, Agrarkraftstoffe auch weiterhin zu fördern - allerdings mit einer Deckelung der Beimengung von Treibstoffen, die auf Basis von Nahrungsmittelpflanzen gewonnen werden, auf sechs Prozent. Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von GLOBAL 2000, erklärt: "Das zeigt klar, dass das EU-Parlament die Problematik zwar erkannt hat, jedoch ist der Schritt sehr zaghaft. Eine Deckelung von sechs Prozent bedeutet, dass das Problem nicht so stark wie ursprünglich weiterwachsen wird, aber dass immer noch gegenüber dem jetztigen Stand mehr Biodiesel den Treibstoffen beigemengt wird."

"Während in Indonesien der Regenwald abgeholzt wird, kann sich die EU nicht dazu durchringen, die Beimengung von Agrosprit strenger zu begrenzen - auch wenn Biodiesel ursächlich mit der Abholzung in Verbindung steht“, sagt Wahlmüller. Am vergangenen Montag veröffentlichte GLOBAL 2000 als Partner von Friends of the Earth Daten, die zeigen, dass der Zuwachs von Palmölimporten von 1,9 Mio. Tonnen zwischen 2006 und 2012 zu 80 Prozent auf die steigende Nachfrage nach Biodiesel zurückzuführen ist. „Dass das EU-Parlament diese Chance, Regenwälder und damit die grüne Lunge der Welt zu retten, nicht genutzt hat, ist unverständlich. Die EU sollte die Subventionen für diese unnachhaltige Technologie beenden und stattdessen eine echte nachhaltige Mobilitätspolitik verfolgen", sagt Wahlmüller.

Außerdem verpasste das EU-Parlament heute die Chance der Einführung einer europaweiten UVP-Pflicht für Fracking zur Gewinnung von Schiefergas – die Entscheidung darüber wurde verschoben. Das bedeutet, dass weiter die Gefahr besteht, dass in Europa blind die Fehlentwicklungen der USA nachgeahmt werden. „Die Verschiebung der Entscheidung ist ärgerlich, eine verpflichtende UVP für Fracking ist längst überfällig“, erklärt Wahlmüller. Ein Hintergrundpapier von GLOBAL 2000 und Friends of the Earth zeigt, dass Schiefergas nicht nur umweltpolitisch, sondern auch wirtschaftspolitisch in die Sackgasse führt und sich erst bei einer Verdoppelung des Gaspreises wirtschaftlich rechnen würde. „Anstatt in gefährliche und unnachhaltige Technologien zu investieren, sollten wir auf nachhaltig erneuerbare Energie und Energieeffizienz setzen. Das sind die einzigen Wege aus der Klimakrise und der Abhängigkeit von endlichen fossilen Energieträgern“, sagt Wahlmüller abschließend.