Die heutige Anhörung im EU-Parlament zu den “Monsanto Papers“ konnte den im Raum stehenden Verdacht der illegitimen Beeinflussung des EU-Zulassungsverfahrens von Glyphosat nicht entkräften. Kritische Fragen, die an den Antragsteller Monsanto zu richten gewesen wären, mussten ebenso unbeantwortet bleiben, wie entsprechende Fragen an die bewertende Behörde, das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Denn weder Monsanto noch das BfR leisteten der Einladung des Europäischen Parlaments zu der Anhörung Folge.

„Es ist absolut inakzeptabel, wenn eine Behörde, die eine wissenschaftlich umstrittene Risikobewertung vorgelegt hat, sich danach einfach weigert, vor den gewählten Volksvertretern dafür Rede und Antwort zu stehen“, sagt Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000.

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass exakt jene Teile der Risikobewertung des BfR, die der Einschätzung der WHO-Krebsforschungsagentur widersprechen, in weiten Teilen auf Punkt und Beistrich aus Monsantos Zulassungsantrag übernommen worden sind. Betroffen sind die Kapitel über publizierte Studien zu DNA-schädigenden und krebserregenden Wirkungen von Glyphosat, insbesondere die vom Antragsteller vorgenommenen Abqualifizierungen dieser Studien als „nicht glaubwürdig“ bzw. „nicht relevant“. Der renommierten österreichische Plagiatsprüfer Doz. Dr. Stefan Weber bezeichnet in einem Sachverständigengutachten diese Vorgehensweise der Behörde als „bewusste Verschleierung der Herkunft des Textes“ und als ein „erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten“. Daraus ergeben sich ernste Fragen an das BfR. Doch diese Fragen blieben heute unbeantwortet, da sich das BfR der Anhörung entschlagen hat.

Auslöser für die Anhörung war das Bekanntwerden der sogenannten Monsanto Papers im Zuge eines US-Gerichtsverfahrens gegen den US-amerikanischen Glyphosat-Hersteller Monsanto. Dabei handelt es sich vornehmlich um firmeninterne E-Mails und Aktenvermerke. Diese bringen den Konzern in den Verdacht, wissenschaftliche Publikationen, die Glyphosat als unbedenklich darstellen, selbst verfasst und anschließend bekannte Wissenschaftler dafür bezahlt zu haben, damit sie ihren Namen auf diese Publikationen setzen. Einige der nun im Ghostwriting-Verdacht stehenden, Monsanto-finanzierten Publikationen waren für die Argumentation der deutschen Behörde, dass Glyphosat nicht DNA-schädigend sei, von zentraler Bedeutung und werden im BfR-Bewertungsbericht dutzende Male zitiert.

„Es wird immer offenkundiger, dass der klaffende Widerspruch zwischen der Krebseinstufung der WHO und dem Persilschein der EU, auf Manipulation und wissenschaftliches Fehlverhalten zurückzuführen ist“, sagt Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000: „Spätestens seit ein Sachverständigengutachten bestätigte, dass das BfR seine Bewertungen zur Krebsgefahr von Glyphosat in wesentlichen Teilen von Monsanto abgeschrieben hat, fehlt für eine Zulassungsverlängerung jegliche wissenschaftliche Legitimität.“

GLOBAL 2000 fordert die EU-Kommission dazu auf, ihren Vorschlag für eine Wiederzulassung von Glyphosat zurückzuziehen. Zudem ist die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im EU-Parlament zur Aufklärung aller im Raum stehenden Vorwürfe dringen erforderlich.

Detaillierte Infos zum Plagiat-Skandal finden Sie hier: https://www.global2000.at/bfr-kopiert-monsanto

 

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